Sanierung der Mühleggbahn in St.Gallen auf Kurs - trotz bösen Überraschungen

Bei der Sanierung des Mühleggbahntunnels ist nicht alles nach Plan verlaufen. Trotzdem haben die Spezialisten für ihre Arbeit nur zwei Tage länger gebraucht als ursprünglich vorgesehen. Dafür war spezielles Engagement nötig. Jetzt sind die Gleisarbeiter am Zug.

Christina Weder
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Derzeit werden im Tunnel der Mühleggbahn die Gleise wieder montiert. (Bild: Urs Bucher - 27. August 2018)

Derzeit werden im Tunnel der Mühleggbahn die Gleise wieder montiert. (Bild: Urs Bucher - 27. August 2018)

Im Tunnel der Mühleggbahn hat sich einiges getan. Fünf Monate lang haben sich darin Tunnelspezialisten zu schaffen gemacht. Sie haben das Gewölbe auf seiner ganzen Länge von 300 Metern saniert – erstmals in der 125-jährigen Geschichte der Mühleggbahn. Vor kurzem sind sie fertig geworden.

Die erste Etappe des grossen Sanierungsprojekts ist damit abgeschlossen. «Die Massnahmen, um das Gewölbe zu sichern, sind erledigt», sagt Projektleiter Rolf Prim. Der Tunnel sollte für die kommenden 50 Betriebsjahre fit sein.

Glatte Wände, statt Bruchstein-Mauern

Ein Augenschein vor Ort zeigt: Der Tunnel präsentiert sich anders als vor der Sanierung. Mauerwerk und rohes Gestein sind nur noch an wenigen Stellen sichtbar. Sonst sind sie unter einer gleichmässigen Schicht Spritzbeton verschwunden. Unter dieser verbirgt sich ein neues System für die Entwässerung, das den Wänden entlang montiert wurde.

Blick vom Nordportal des Tunnels auf die Talstation in der südlichen Altstadt. (Bild: Urs Bucher - 27. August 2018)

Blick vom Nordportal des Tunnels auf die Talstation in der südlichen Altstadt. (Bild: Urs Bucher - 27. August 2018)

Künftig soll es damit nicht mehr von der Decke tropfen. In der Vergangenheit war die hohe Feuchtigkeit im Tunnel ein Problem. Sie hatte immer wieder Reparaturen nötig gemacht. Projektleiter Rolf Prim sagt, zeitlich sei man auf Kurs. Und dies, obwohl die Tunnelarbeiter mit Überraschungen konfrontiert waren – vor allem am Anfang der Sanierungsarbeiten.

So hatten sie etwa gegen eine extreme Staubwolke zu kämpfen, die nach den ersten Abbrucharbeiten bei der Bergstation ausgestossen wurde. Oder sie mussten feststellen, dass sich ein 20 Meter langer Abschnitt des Gewölbes in viel schlechterem Zustand befand als zunächst angenommen. Die Decke war so dünn, dass die Arbeiter in einen Garten durchstiessen. Das Gewölbe musste mit Armierungsbögen zusätzlich verstärkt werden.  

«Besonderer Effort» der Arbeiter

Die dabei eingebüsste Zeit haben die Tunnelarbeiter aber wieder wettgemacht. Für ihre Arbeit brauchten schliesslich bloss zwei Tage länger als ursprünglich vorgesehen. Möglich war dies, indem sie einen «besonderen Effort» leisteten, wie Projektleiter Prim sagt. Sie hätten abends regelmässig bis 22 Uhr gearbeitet und seien auch am Samstagmorgen wieder zeitig im Tunnel gestanden.

Der Zeitplan der Tunnelsanierung konnte trotz böser Überraschungen bis auf zwei Tage eingehalten werden. Dafür mussten die Arbeiter einen Sonder-Effort leisten. (Bild: Michel Canonica - 17. Mai 2018)

Der Zeitplan der Tunnelsanierung konnte trotz böser Überraschungen bis auf zwei Tage eingehalten werden. Dafür mussten die Arbeiter einen Sonder-Effort leisten. (Bild: Michel Canonica - 17. Mai 2018)

Was allerdings wiederum Reklamationen zur Folge hatte. Einige der lärmgeplagten Anwohner seien direkt auf der Baustelle vorbeigekommen. «Verständlicherweise», sagt Prim. Alles in allem könne er den Quartierbewohnern ein Kränzchen winden. Sie seien sehr tolerant gewesen. Das hätten ihm auch die Tunnelbauer bestätigt.

Die neue Kabine wird noch vor der Olma geliefert

Doch die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Bei der Berg- und bei der Talstation nehmen die neuen Wartebereiche langsam Gestalt an. Die Rampe bei der Bergstation ist verschwunden. Über der bisherigen Seilwinde ist ein grösserer Wartebereich entstanden. Gleich nebenan wird noch eine Mauer für die künftige Technikzentrale hochgezogen.

Zudem sind seit anderthalb Wochen die Gleisarbeiter auf der Baustelle. Derzeit sind etwa acht Männer damit beschäftigt, die neuen Schienen auf der Fahrbahnplatte zu montieren. Sie arbeiten sich von der Tal- zur Bergstation hoch. Dabei müsse man auf den Millimeter genau arbeiten, sagt Andreas Wieland, Projektleiter Seilbahn. Die Mühleggbahn soll schliesslich künftig nicht über die Schienen rumpeln.

Der Tunnel ist nicht schnurgerade

Die grösste Herausforderung für die Gleisbauer sei die Kurve. Für die Montage der Gleise sind dreieinhalb Wochen vorgesehen. Anfang September wird dann der Seilbahnbauer erwartet. Seilwinde, Hydraulik und Antriebsmotoren müssen montiert werden. Und noch vor der Olma soll die neue Kabine der Mühleggbahn geliefert und per Kran auf die Schienen gehievt werden. Sie befindet sich derzeit noch in der Fabrik in Olten.

Der Gestalter Andreas Bechtiger aus St.Georgen hat die neue Kabine der Mühleggbahn entworfen. (Bild: Mareycke Frehner - 17. Mai 2018)

Der Gestalter Andreas Bechtiger aus St.Georgen hat die neue Kabine der Mühleggbahn entworfen. (Bild: Mareycke Frehner - 17. Mai 2018)

Anschliessend folgt ein zwei- bis dreiwöchiger Testbetrieb. Insgesamt müssen sich die Fahrgäste noch zweieinhalb Monate gedulden, bis die Mühleggbahn ihren Betrieb zwischen der südlichen Altstadt und St.Georgen wieder aufnimmt. Am 17. November wird es so weit sein. Gleichzeitig mit der Eröffnung wird das 125-Jahr-Jubiläum gefeiert.

Noch fehlen 200'000 Franken Spenden

Für die Sanierung der Mühleggbahn werden 5,5 Millionen Franken aufgewendet. Man gehe derzeit davon aus, dass dieser Betrag «knapp ausreiche», sagt Urs Weishaupt, Informationsverantwortlicher der Mühleggbahn AG.

Die Sammelaktion geht weiter

Der Grossteil der Finanzierung ist durch städtische Beiträge und Rückstellungen gedeckt. Der Förderverein Drahtseilbahn Mühlegg sammelt zudem 700'000 Franken. Bis jetzt sind dabei gemäss Weishaupt rund 500'000 Franken zusammengekommen – je die Hälfte durch zusätzliche Aktienzeichnungen und Spenden. Noch fehlen also 200'000 Franken.

Ziel des Fördervereins ist es, diesen Betrag bis zur Eröffnung im November ebenfalls zusammenzubringen. Aus diesem Grund nimmt er nochmals einen Anlauf und lanciert die Aktion «Endspurt». Auf der Spendenplattform www.lokalhelden.ch/muehleggbahn kann man sich daran beteiligen. Die Aktion läuft voraussichtlich bis Anfang Dezember.

St.Geörgler stehen zu ihrem Bähnchen

Auch wenn dann noch immer Geld fehlt, spricht Weishaupt von einer «guten Geschichte». Bis jetzt hätten nicht nur Institutionen, sondern auch viele Privatpersonen gespendet. Ein Grossteil stamme aus dem Quartier St. Georgen. «Die St.Geörgler haben bewiesen, dass ihnen etwas an der Mühleggbahn liegt», sagt Weishaupt. Nun hofft er, auch weitere Städter und Heimweh-St.Galler zum Spenden zu bewegen.

Falls die 200'000 Franken bis November nicht zusammenkommen, wäre das gemäss Weishaupt allerdings auch kein «Riesendrama». Die Mühleggbahn müsste dann einen Kredit in dieser Höhe aufnehmen. (cw)

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Reto Voneschen