Sanierung der Bahnhöfe St.Fiden und Bruggen: Pro-Bahn-Präsident warnt vor Fehlinvestitionen

Bruno Eberle, Präsident von Pro Bahn Ostschweiz, hat einerseits Verständnis für Probleme mit den St.Galler Stadtbahnhöfen St.Fiden und Bruggen. Er hat aber auch kritische Fragen, was ihre bevorstehende Sanierung angeht.

Reto Voneschen
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Der Bahnhof St.Fiden heute: Die Zugänge zu den Perrons sind noch nicht barrierefrei. Diese Anpassungen ans Behindertengleichstellungsgesetz sollen bis Ende 2022 oder Anfang 2023 vorgenommen werden. (Bild: Urs Bucher - 14. August 2019)

Der Bahnhof St.Fiden heute: Die Zugänge zu den Perrons sind noch nicht barrierefrei. Diese Anpassungen ans Behindertengleichstellungsgesetz sollen bis Ende 2022 oder Anfang 2023 vorgenommen werden. (Bild: Urs Bucher - 14. August 2019)


Die SBB werden den Bahnhof St.Fiden bis Ende 2022 oder Anfang 2023 behindertengerecht ausbauen. In Bruggen lässt die Sanierung bis 2026 auf sich warten; ab 2024 soll es mit dem Ende der Übergangsfrist des Behindertengleichstellungsgesetzes aber provisorische Verbesserungen geben.

Bruno Eberle, Präsident von Pro Bahn Ostschweiz und damit Interessenvertreter der Bahnkundschaft, hat Verständnis dafür, dass sich diese Sanierungen zeitlich hinziehen. Die schweizweite Anpassung der Bahnhöfe ans Behindertengleichstellungsgesetz sei eine Herkulesaufgabe. Eisenbahnprojekte seien zudem, auch wenn sie für den Laien nicht nach viel aussähen, immer aufwendig und zeitintensiv. Das sei ein Problem des Schweizer Baurechts.

Offene Fragen zu beiden Stadtbahnhöfen

Der Bahnhof Bruggen ist für den Präsidenten von Pro Bahn Ostschweiz angesichts seiner Konkurrenzierung durch Buslinien «ein schwieriger Patient». Wenn man etwas erreichen wolle, sei die erste Voraussetzung ein Ausbau des Fahrplans. Mit dem heutigen Halbstundentakt werde sich die Zahl der Reisenden nicht wesentlich erhöhen lassen.

Der Bahnhof Bruggen soll bis 2026 behindertengerecht saniert sein. Ab 2024 sind provisorische Verbesserungsmassnahmen als Überbrückung geplant. (Bild: Ralph Ribi - 3. September 2018)

Der Bahnhof Bruggen soll bis 2026 behindertengerecht saniert sein. Ab 2024 sind provisorische Verbesserungsmassnahmen als Überbrückung geplant. (Bild: Ralph Ribi - 3. September 2018)

Ob sich technisch aufwendige und teure Fahrplanverbesserungen unter dem Strich tatsächlich lohnten, sei eine Frage, die man gründlich prüfen müsse, findet Bruno Eberle.

Schon vor Jahren Zeit verloren, die jetzt fehlt

Zur Sanierung des Bahnhofs St.Fiden setzt der Präsident von Pro Bahn Ostschweiz andere Fragezeichen. Da werde man sanieren, ohne zu wissen, was rund um den Bahnhof in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren geschehe. Das Risiko sei gross, dass man so Geld für Verbesserungen ausgebe, die bald nicht mehr brauchbar seien, weil sie nicht ins Gesamtkonzept passten.

Bruno Eberle ist Präsident von Pro Bahn Ostschweiz. Die Organisation vertritt die Interessen der Bahnkunden. (Bild: Urs Bucher - 3.12.2016)

Bruno Eberle ist Präsident von Pro Bahn Ostschweiz. Die Organisation vertritt die Interessen der Bahnkunden. (Bild: Urs Bucher - 3.12.2016)

Bei der Entwicklung des Bahnareals St.Fiden habe die St.Galler Stadtplanung in der Vergangenheit geschlampt. Das räche sich jetzt. Auch wenn unter dem neuen Stadtplaner guter Schwung in die Sache gekommen sei, könne man die verlorene Zeit nicht so einfach wieder aufholen. Umso mehr, als jetzt auch noch die Frage zu prüfen sei, ob man den Bahnhof St.Fiden für eine Überbauung überdecken wolle.

Allenfalls müsse man bei der Sanierung mit Provisorien arbeiten. Man dürfe keinesfalls Geld für etwas ausgeben, was später nicht mehr gebraucht werden könne.

Dazu komme, dass die Eigentumsverhältnisse im Bahnhof St.Fiden immer noch sehr komplex seien. So gehörten die beiden alten Güterschuppen offenbar immer noch den SBB. Da gebe es dringenden Klärungsbedarf, findet Bruno Eberle: Ohne das Gelände der beiden Schuppen sei eine sinnvolle Neuüberbauung wohl kaum möglich.

Lifte von den Perrons zur Passerelle in Diskussion

Die von Bruno Eberle angesprochene Problematik sei den Verantwortlichen bewusst, versichert der städtische Verkehrsplaner Christian Hasler. Das Vorgehen in St.Fiden sei zwischen SBB, Kanton und Stadt abgesprochen. Wenn man das Behindertengleichstellungsgesetz fristgerecht einhalten wolle, müsse man jetzt an die Sanierung herangehen.

 Blick vom Perron 3/4 des Bahnhofs St.Fiden in die Unterführung. Bei der Anpassung an die Vorschriften des Behindertengleichstellungsgesetzes ist es vorgesehen, eine der beiden Treppen durch eine Rampe zu ersetzen. (Bild: Urs Bucher - 14. August 2019)

Blick vom Perron 3/4 des Bahnhofs St.Fiden in die Unterführung. Bei der Anpassung an die Vorschriften des Behindertengleichstellungsgesetzes ist es vorgesehen, eine der beiden Treppen durch eine Rampe zu ersetzen. (Bild: Urs Bucher - 14. August 2019)

Das teure am Projekt, das 12 bis 15 Millionen Franken kosten soll, sei die Erhöhung der Perrons, das Anpassen der Dächer und Massnahmen an den Gleisanlagen. Weiter wird für den barrierefreien Zugang bei jedem Perron eine Treppe durch eine Rampe ersetzt. In Klärung ist, ob es als Komfortsteigerung Lifte von den Perrons zur Passerelle übers Areal geben soll.

Sanierung tangiert Umnutzung nicht

Diese Erschliessungsmassnahmen würden alle im Bereich ausgeführt, der weiter für den Bahnbetrieb reserviert sei. Die Entwicklung des alten Güterbahnhofs St.Fiden werde davon nicht tangiert, sagt Christian Hasler. Die Sanierung schaffe also kein Präjudiz, was rund um den Bahnhof künftig an Stadtentwicklung möglich sei. Für den Fall, dass man sich für eine Überdeckung entscheide, könne es allenfalls sein, dass Lifte am falschen Ort stünden. Da dann Abhilfe zu schaffen sei aber mit vergleichsweise kleinem finanziellem Aufwand möglich, sagt Hasler.

Drei von fünf St.Galler Stadtbahnhöfen sind bereits barrierefrei zugänglich

Die Stadt St.Gallen verfügt mit fünf Bahnhöfen auf ihrem Gebiet über ein relativ dichtes Netz solcher Einrichtungen auf engem Raum. Das könnte in einigen Jahren den Ausbau des S-Bahn-Angebots auf Stadtgebiet erleichtern, weil damit ein solides Grundgerüst an Haltestellen bereits besteht und nicht erst noch geschaffen werden muss.
Reto Voneschen