Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Auch beim Sand ist die Schweizer Perfektion spürbar»: Weshalb ein lettischer Bildhauer immer wieder ans Sandskulpturen-Festival nach Rorschach kommt

Für seine Passion, das Bildhauen, reist Ile Karlis um die Welt. Mit seinen Kreationen aus Sand und Eis übertrifft er sich immer wieder selbst.
Anne-Sophie Walt
Ile Karlis aus Riga, Lettland, formt an seiner Sandskulptur auf der Arionwiese. (Bild: Sheila Eggmann)

Ile Karlis aus Riga, Lettland, formt an seiner Sandskulptur auf der Arionwiese. (Bild: Sheila Eggmann)

Schon von weitem sind prachtvolle Skulpturen aus Sand erkennbar, welche die Arionwiese in Rorschach zieren. Achtzehn Bildhauerinnen und Bildhauer modellieren in Zweierteams aus rund 300 Tonnen Sand Monumente im Grossformat. Unter ihnen arbeitet ein gross gewachsener Mann mit langem Pferdeschwanz und farbenfrohem Hawaiihemd an seiner Sandskulptur.

Ile Karlis aus Riga misst sich bereits zum neunten Mal mit den besten Sandkünstlern aus aller Welt am Sandskulpturen-Festival in Rorschach. Der handwerklich begabte Lette ist professioneller Bildhauer. Sein Beruf bringt ihn um die Welt. Abgesehen von Südamerika und der Antarktis hat er alle Kontinente bereist und die Menschen mit seinen Kreationen in Staunen versetzt. Alleine oder zusammen mit seiner Teamkollegin Maija Puncule konzipiert und verwirklicht er im Sommer Sand- und im Winter Eisskulpturen. Er arbeitet auch mit Stein, Holz und Metall.

Zum Bildhauen braucht es starke Nerven

Das erste Kunstwerk aus Eis fertigte Karlis vor über zwanzig Jahren an. Über die Jahre konnte er seinen kreativen Rucksack mit reichlich Erfahrung und Fachwissen rüsten. Seit 2007 versucht er sich deshalb am anspruchsvollen und aufwendigen Material Sand. 2008 nahm er das erste Mal am Sandskulpturen-Festival in Rorschach teil. Karlis sagt:

«Nach fünfzehn Jahren Berufsbildung an verschiedenen Kunsthochschulen und langjähriger Praxiserfahrung schaffe ich es mittlerweile, eine Sandskulptur innerhalb einer Woche zu modellieren.»

Bevor der Bildhauer an ein Festival reist, überlegt er sich zuhause während rund einer Woche, wie er die Skulptur konstruieren soll. Dafür fertigt Ile Karlis eine technische Zeichnung an, überlegt sich die genaue Vorgehensweise bei der Anfertigung und berechnet mögliche Risiken ein. Seine Skulptur am Festival in Rorschach trägt voraussichtlich den Titel «Die Erinnerungen an die letzten hundert Menschen – biologische Helden». Sein Kunstwerk bildet zwei Wesen ab, die halb Mensch und halb Alien sind und das letzte rein menschliche Kind in den Armen halten. «Ich bin auch nicht mehr einhundert Prozent so, wie ich auf die Welt gekommen bin, da ich Füllungen in meinen Zähnen habe», sagt Ile Karlis. Menschen werden durch das Einsetzen technologischer Implantate wie beispielsweise Mikrochips zu einer Art Erweiterung ihrer selbst.

Rorschacher Sandqualität ist kaum zu übertreffen

Karlis scheint mit seiner Interpretation der Fragestellung «Werden wir Helden sein in der Welt von Morgen?» das Motto zu treffen. Ile Karlis und seine Teamkollegin Maija Puncule versuchen sich bei jedem Festival selbst zu übertreffen und reizen die Möglichkeiten in Bezug auf das Kreieren von Sandskulpturen aus. «Wir wissen, dass wir dieses Jahr mit unserer Skulptur ein grosses Risiko eingehen», sagt Karlis. Für den Letten ist es das Hauptziel, das Kunstwerk rechtzeitig fertigzustellen, ohne dass es zusammenbricht. Wenn er sich nicht immer wieder aufs Neue schwierigen Herausforderungen stellen würde, wäre er wohl kaum da, wo er heute ist.

Der Bildhauer reist besonders gern ans Sandskulpturen-Festival in Rorschach. Grund dafür ist nicht nur die einmalig schöne Sicht auf den Bodensee, sondern vielmehr die hohe Qualität des Sandes. «Auch beim Sand ist die Schweizer Perfektion spürbar», sagt Ile Karlis.

Neun Sandskulpturen am Festival in Rorschach

Das 21. Internationale Sandskulpturen-Festival findet noch bis am 8. September auf der Arionwiese in Rorschach statt. Es ist das älteste Festival seiner Art in Europa. Insgesamt verwandeln neun Zweierteams aus sechs Ländern einen Teil der Seepromenade in eine Freilichtausstellung von Kunstwerken aus Quarzsand. Wie jedes Jahr kreieren die Bildhauerinnen und Bildhauer Skulpturen zu einem vorgegebenen Thema. Dieses Jahr unter dem Motto «Werden wir Helden sein in der Welt von morgen?». Die Preisverleihung findet morgen Samstag um 17.30 Uhr statt. Die Ausstellung ist von 9 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene beträgt fünf Franken, für Kinder bis zwölf Jahre ist der Besuch frei. Eine Dauerkarte ist für sieben Franken erhältlich. (asw)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.