Salzkorn

Keine Sau interessiert sich für mich. Nur die Krankenkassen.

Daniel Wirth
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Online - Leben - Kolumnen - Salzkorn

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«Guten Tag. Sie haben mich gesucht.» So beginnen viele Telefongespräche. Wer diesen Satz in einer Beiz oder an der Bushaltekante ins Smartphone plärrt, macht der Umgebung unmissverständlich klar: Ich bin eine wichtige Person.

Andere kramen drei- oder viermal am Tag das Mobiltelefon aus der Hosentasche und schauen eifrig nach, ob der Akkumulator leer ist, weil der Klingelton schon seit Stunden verstummt ist. Es will einen partout niemand suchen. Das bedeutet: Ich bin unwichtig, uninteressant, unbeliebt – oder um es mit dem Songtext Max Raabes auf den Punkt zu bringen: «Keine Sau interessiert sich für mich, (...) kein Schwein ruft mich an (...)». Das ist schon hart.

Doch immer im Herbst wird alles besser. Dann rufen die welschen Weinhändler an, um sich die Olma-Bestellung bestätigen zu lassen. Normalerweise. Dieses Jahr macht einem hier das Coronavirus einen Strich durch die Telefon- und die Weinrechnung. Da bleibt nur noch ein sicherer Wert: die Krankenversicherungen. Die melden sich netterweise auch über Mittag.