Glosse

Salzkorn

Parteipräsident Balthasar Glättli hat verlauten lassen, die Grünen seien keine Weicheier. Die Wortwahl bringt uns ins Grübeln.

Pascal Hollenstein
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In den 1980er-Jahren fand das «Weichei» Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch. Bezeichnete das Wort zuvor ganz einfach ein weich gekochtes Ei, so umschrieb es nun den neuen, sanften, müesliessenden Mann, auch Softie genannt.

Später, versehen mit einer sexuellen Konnotation, wurde das Weichei zur abwertenden Umschreibung einer zögerlichen, wenig durchsetzungs- kräftigen Person – ironischerweise Männlein und Weiblein gleicher- massen.

Parteipräsident Balthasar Glättli hat am Freitag verlauten lassen, die Grünen seien keine Weicheier, sondern stünden quasi hartgesotten für eine forsche Gangart beim Klimaschutz ein. Die Wortwahl bringt uns ins Grübeln. Glättli hat Jahrgang 1972 und hat deshalb die gesamte Bedeutungsmetamorphose des Weicheis erlebt.

Wir fragen uns: Will er das Klima retten, indem er keine Eier kocht? Hat er etwas gegen müesliessende Softies? Will uns Glättli damit gar sagen, dass er persönlich alles andere als ein Softie ist? Oder weist er uns, ganz praktisch, den Weg zur Rettung der Welt? Weicheier sind Warmduscher. Nur wer kalt duscht, schont das Klima.