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Kunst der Katzenwäsche

Der Waschlappen macht Karriere: Vom Liebestöter zum It-Piece. Schuld daran ist Putin.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Ein Schaumbad wirkt meditativ auf die gestresste Seele. Doch seit die Energiekrise in aller Munde ist, greifen Badewannenfans zum Waschlappen. Denn der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat kürzlich vorgeschlagen, statt zu duschen einen Waschlappen zu benutzen – das sei auch «eine brauchbare Erfindung». Seit dem Vorstoss des Grünen preisen Beauty-Expertinnen die Kunst der Katzenwäsche und die Vorzüge des Waschlappens. Im Netz gibt es Anleitungen, wie man sich damit korrekt wäscht.

Dabei galt der Waschlappen vor noch nicht allzu langer Zeit als nicht sehr hygienisches Requisit, das jede Frau in die Flucht schlägt. Doch der Liebestöter hat sich zum begehrten Accessoire gemausert. Waschlappen ist kein Schimpfwort mehr, sondern ein Kosewort, das sich Liebende zärtlich ins Ohr raunen.

Mittlerweile ist ein Wettstreit entstanden, wer sich alles krisenfreundlich wäscht. Prominentester Waschlappenbefürworter: Der neue Schweizer Astronaut Marco Sieber. Auf der ISS ist nichts mit täglichem Duschen. Wenn man sich schon im Weltraum zusammen reissen kann, sollte das auch auf der Erde gelingen.