Salzkorn
Heisse Flasche

Sie wabbelt im Bett und ist keine Schönheit. Und doch kommt man in diesem nasskalten Frühling nur schwer von ihr los.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Sie ist heiss. Wir kennen uns. Zwischen uns gibt es keine Angst vor Nähe. Fast jeden Abend steige ich mit ihr ins Bett. Wenn ich in die kühlen Laken schlüpfe und nach ihr taste, durchzuckt mich ein köstlicher Schauer. Dass sie ein hässliches Gummikleid trägt und wabbelt, tut dem Spass keinen Abbruch. Wenn sie sich an meinen Bauch schmiegt, macht sich wohlige Entspannung breit. Nach dem Winter sperre ich sie normalerweise in den Schrank. Aber in diesem nasskalten Frühling komme ich einfach nicht von ihr los.

Neuerdings trifft man die gute alte Wärmeflasche nicht nur im Bett, sondern auch in der Gartenbeiz. «Möchten Sie eine Bettflasche?», fragt der aufmerksame Kellner im St.Galler Restaurant Militärkantine, wenn den Gästen ein eisiger Wind um die Ohren pfeift.

Das ist Kundenbindung auf die charmante Tour: Mit der warmen Flasche auf dem Schoss wird die Welt gleich ein bisschen freundlicher. Bettflaschen, lange als altmodisch verschrien, sind jetzt Avantgarde: in Zeiten des Klimawandels eine politisch korrekte Form der Heizung.