Salzkorn
Selfie mit Wasserfall

Kein Kanton hat mehr Wasserfälle mit über fünf Metern Fallhöhe als Bern – es sind 77. Im Mai zeigen sich von ihrer üppigen Seite. Und ziehen die Menschen magisch an.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Was man nicht alles für Ferienziele entdeckt in diesen Zeiten. So schlendert man durch Bern statt Paris. Und besichtigt anstelle der Niagarafälle die Giessbachfälle über dem Brienzersee im Berner Oberland. Das schlossartige Grand Hotel Giessbach liegt direkt am Wasserfall, der sich über 14 Stufen in den türkisblauen See ergiesst.

Gäste mit Gucci-Schuhen, Louis-Vuitton-Taschen und Rassehunden steigen aus ihren Porsches und Lamborghinis. Ob Fussvolk oder Neureiche: Alle pilgern zu den krachenden, tosenden Wassermassen. Sogar Fotomuffel knipsen. Einige bauen kanonenartige Objektive auf, um das Spektakel festzuhalten. Auf Instagram gibts zigtausend Impressionen.

Schon paradox: Wir leben in betonierten Städten und ruinieren den Planeten hemmungslos. Gleichzeitig quellen die sozialen Netzwerke über mit Fotos, auf denen sich Menschen in der Natur inszenieren.

Schon unsere Ahnen suchten Wasserfälle auf, um ihren Naturgöttern näher zu sein. Heutzutage besuchen wir die schäumenden Kaskaden, um unser digitales Image zu polieren.