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Fernverkehr hat Priorität: In St. Gallen bleibt die S-Bahn ausgebremst

Die Stadt fordert vom Kanton Massnahmen für viertelstündliche S-Bahn-Verbindungen an den Stadtbahnhöfen. Die dafür notwendigen Ausbauten der Infrastruktur dürften aber auf sich warten lassen – und zwar noch lange.
David Gadze
Der Bahnhof Bruggen verfügt heute nicht einmal über einen Halbstundentakt. (Bild: Urs Jaudas/6. Mai 2013)

Der Bahnhof Bruggen verfügt heute nicht einmal über einen Halbstundentakt. (Bild: Urs Jaudas/6. Mai 2013)

In einigen Quartieren der Stadt St.Gallen – insbesondere im Westen – ist die S-Bahn praktisch keine Alternative zum Bus. Der Grund: Sie fährt nicht einmal jede halbe Stunde, geschweige denn im Viertelstundentakt. Daran dürfte sich so bald auch nichts ändern – im Gegenteil: Der Fahrplanentwurf 2019 sieht für die Bahnhöfe Winkeln und Haggen gar Verschlechterungen vor. Der Stadtrat ist deshalb in die Offensive gegangen. Er fordert vom Kanton, ein Konzept mit Varianten für die Verbesserung des S-Bahn-Angebots zu erarbeiten.

Es sei keinesfalls so, dass der Kanton den Zugverkehr in St.Gallen vernachlässigt habe, sagt Patrick Ruggli, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr. So habe sich der Kanton auf Bundesebene dafür eingesetzt, dass die Stadt mehr und schnellere Zugverbindungen nach Zürich und ins Rheintal erhalte – und dies hoffentlich auch erreicht. «Der Fernverkehr hat für uns derzeit höhere Priorität als Verbesserungen bei der S-Bahn», räumt Ruggli ein. Aber noch Ende 2014 habe der Kanton im Zuge der Erarbeitung des Fernverkehrskonzepts 2030/35 einen Viertelstundentakt für die S-Bahn zwischen Gossau, St.Gallen und Rorschach beim Bund eingegeben. Dafür bräuchte es zwischen St.Gallen und Gossau jedoch ein drittes Gleis, denn die Kapazitäten auf diesem Abschnitt sind erschöpft.

Kein Geld für drittes Gleis nach Gossau

Die SBB hätten im Auftrag des Bundesamts für Verkehr die Abklärungen für die im Zuge des Fernverkehrskonzepts 2030/35 eingereichten Infrastrukturausbauten vorgenommen, sagt Ruggli. Dabei hätten sie einen Investitionsbedarf von rund 40 Milliarden Franken für sämtliche in der Schweiz eingegebenen Projekte festgestellt. Der Bundesrat habe die Investitionen dann auf 12 Milliarden begrenzt. Das dritte Gleis zwischen St.Gallen und Gossau ist nicht Bestandteil dieses Ausbauprogramms. «Die SBB beurteilen das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen als nicht optimal», sagt Ruggli. Wie teuer ein drittes Gleis wäre, ist jedoch unklar. Der Kanton verweist an die SBB. Diese wiederum schreiben, dass ihnen keine Zahlen vorliegen und sie keinen Auftrag für eine entsprechende Studie erhalten hätten.

Die Bahnhöfe Winkeln (ab Ende Jahr) und Bruggen (ab 2021) erhalten immerhin in absehbarer Zeit einen sauberen Halbstundentakt.

«Dass in den nächsten 15 Jahren aber ein exakter Viertelstundentakt eingeführt wird, ist aus heutiger Sicht jedoch unwahrscheinlich.»

Mit der Durchbindung der S1 mit der S8 und der S5 mit der S3 (stündlich) gebe es immerhin Verbesserungen im Nahbereich. Diese sind aus Sicht der Stadt immer noch ungenügend.

Haggen verliert Viertelstundentakt

Die Stadt hatte zudem geordert, den Regioexpress zwischen Konstanz und St.Gallen, der ab Dezember stündlich verkehrt und als S-Bahn nach Herisau (statt wie heute nach Wil) weitergeführt wird, in Haggen halten zu lassen. Dadurch sollte die Lücke geschlossen werden, die infolge des Wegfalls einer der beiden stündlichen S81-Verbindungen resultiert. Haggen verliert dadurch den Viertelstundentakt in Spitzenzeiten. Denn es sei nicht möglich, die Züge auch in Haggen halten zu lassen, sagt Ruggli. Die Züge müssten am Gübsensee sowie in Neukirch-Egnach pünktlich kreuzen können, damit der Fahrplan aufgehe. Ausserdem müssten sie in Herisau die Anschlüsse an die Appenzeller Bahnen gewährleisten. «Sollten wir jedoch feststellen, dass der Fahrplan zu konservativ berechnet ist, werden wir die Bahnen auffordern, den Fahrplan anzupassen», sagt Patrick Ruggli.

Der Stadtrat verlangt vom Kanton alternative Vorschläge für die Einführung eines Viertelstundentakts an den Stadtbahnhöfen, falls der Bau des dritten Gleises zwischen St.Gallen und Gossau vorerst nicht realisierbar sein sollte – auch wenn dies anderswo Verschlechterungen mit sich bringe. Ob eine solche Lösung in Frage komme, müsse letztlich die Politik entscheiden, sagt Ruggli. «Wir haben den Auftrag, für den ganzen Kanton ein ausgewogenes Angebot bereitzustellen.»

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