S-Bahn-Ausbau: St.Galler Stadtparlament macht Druck auf den Kanton

Eine Interessengemeinschaft der Stadtparlamentarier will sich dafür einsetzen, dass der Kanton Verbesserungen bei der S-Bahn in St.Gallen an die Hand nimmt. Die Gründung steht schon bald bevor.

David Gadze
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An den Stadtbahnhöfen im Westen St.Gallens ist ein Viertelstundentakt ohne Ausbau der Infrastruktur nicht realisierbar. (Bild: Thomas Hary/3. September 2018)

An den Stadtbahnhöfen im Westen St.Gallens ist ein Viertelstundentakt ohne Ausbau der Infrastruktur nicht realisierbar. (Bild: Thomas Hary/3. September 2018)

Die Diskussion um dringend notwendige Verbesserungen bei der S-Bahn in der Stadt St.Gallen ruft nun auch die lokale Politik auf den Plan: Eine Gruppe aus dem Stadtparlament ist derzeit daran, eine parlamentarische Interessengemeinschaft (IG) aufzugleisen. Das bestätigt SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer auf Anfrage. «Damit wollen wir den Druck auf den Kanton erhöhen.» Die Initianten dieser IG wollen aber nicht nur die S-Bahn voranbringen, sondern sich allgemein für Anliegen des öffentlichen Verkehrs in der Stadt und der Region einsetzen und diesen stärken. Dank der IG sollen diese Anliegen beim Kanton zusätzliches Gewicht erhalten.

Lösungen sofort an die Hand nehmen

Der Takt der S-Bahn in der Stadt ist insbesondere an den Bahnhöfen im Westen – Winkeln, Bruggen und Haggen – mangelhaft. Königer spart nicht mit Kritik am Kanton:

«Das Amt für öffentlichen Verkehr befindet sich in einem Schlafmodus und fühlt sich nicht verantwortlich für die Kantonshauptstadt.»
Doris Königer, Stadtparlamentarierin (SP) (Bild: PD)

Doris Königer, Stadtparlamentarierin (SP) (Bild: PD)

Während Stadt und Kanton gerade bei der Siedlungsentwicklung eng zusammenarbeiteten, sei das Amt für öffentlichen Verkehr offenbar davon abgekoppelt. In der Stadt St.Gallen gebe es grosse Areale wie St.Fiden oder Winkeln, deren Weiterentwicklung jetzt vorangetrieben werde. «Es kann nicht sein, dass der Kanton bis 2023 warten will, bis er überhaupt mit der Planung beginnt, und erst im Jahr 2030 eine Lösung für die heutigen Probleme besteht», sagt Königer. Dies sei umso unverständlicher, da das Amt für öffentlichen Verkehr vergangene Woche mitgeteilt habe, dass eine neue S-Bahn-Verbindung zwischen St.Gallen und Gossau auch ohne den Bau eines dritten Gleises in diesem Abschnitt möglich wäre. Diese Verbindung würde an den Stadtbahnhöfen Bruggen und Winkeln dereinst einen Viertelstundentakt ermöglichen.

«Wenn es eine Lösung gibt, muss man sie sofort an die Hand nehmen und damit beginnen, die Finanzierung zu untersuchen.»

Die IG soll schon in den nächsten zwei Wochen gegründet werden. Im Ausschuss ist gemäss Königer jede Partei mit einem Parlamentsmitglied vertreten.

Auch der Stadtrat fordert Verbesserungen

Auch der Stadtrat hatte im Sommer 2018 vom Kanton unmissverständlich gefordert, Massnahmen einzuleiten, um an den Stadtbahnhöfen den Viertelstundentakt einzuführen. Vergangene Woche präsentierte das Amt für öffentlichen Verkehr die Resultate einer Studie, die zum Schluss kommt, dass auch ohne drittes Gleis ein Shuttle zwischen St.Gallen und Gossau eingeführt werden könnte. Es setzte jedoch ein Fragezeichen hinter die Finanzierung. Denn nebst den Betriebskosten für diese Linie müsste in der Sommerau in Gossau eine Wendeanlage gebaut werden.

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