Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Rundgang im Haus Union in St.Gallen: Das Bürohaus, das zur grossen Bibliothek werden soll

Im Union-Gebäude am Oberen Graben in St.Gallen arbeiten und wohnen rund 250 Personen. Ab 2025 soll darin die grosse Bibliothek von Stadt und Kanton entstehen.
Marcel Elsener
Arbeiten und Wohnen mit Aussicht: Der Blick aus den oberen Stockwerken des Hauses Union in Richtung Rathaus, Postturm und Hauptbahnhof. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

Arbeiten und Wohnen mit Aussicht: Der Blick aus den oberen Stockwerken des Hauses Union in Richtung Rathaus, Postturm und Hauptbahnhof. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

Ein solches Haus gibt es kein zweites in St.Gallen. Ein solch wuseliges Haus, dass alles bietet, was man zum Leben braucht (oder auch nicht) – und sogar zum Sterben. Fuss und Hand und Haar lassen sich hier verschönern, man kann den Kopf coachen und sein Kind abklären lassen, kann Geld aufnehmen, Steuern und Versicherungen berechnen, eine Weltreise buchen, Häuser suchen oder planen lassen, und, tatsächlich, die Traueranzeige für die verstorbene Oma in Auftrag geben.

So wie Passantinnen und Passanten das Haus Union am Oberen Graben in St.Gallen kennen. (Bild: Michel Canonica - 23. September 2016)So wie Passantinnen und Passanten das Haus Union am Oberen Graben in St.Gallen kennen. (Bild: Michel Canonica - 23. September 2016)
Das Haus Union vom Blumemarkt her. Der Seitenflügel darf für den Umbau zur Bibliothek allenfalls abgebrochen und ersetzt werden. (Bild: Urs Bucher - 7. Mai 2019)Das Haus Union vom Blumemarkt her. Der Seitenflügel darf für den Umbau zur Bibliothek allenfalls abgebrochen und ersetzt werden. (Bild: Urs Bucher - 7. Mai 2019)
Blick vom obersten Stockwerk des Hauses Union auf den Blumenmarkt. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Blick vom obersten Stockwerk des Hauses Union auf den Blumenmarkt. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Blick Richtung Altstadt: Auf Augenhöhe mit kurligen Dachterrassen... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Blick Richtung Altstadt: Auf Augenhöhe mit kurligen Dachterrassen... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Auf der anderen Seite des Gebäudes: Blick den Oberen Graben hinauf und übers Grabenpärklein... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Auf der anderen Seite des Gebäudes: Blick den Oberen Graben hinauf und übers Grabenpärklein... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
...und der Poststrasse entlang Richtung Rathaus und Hauptbahnhof. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)...und der Poststrasse entlang Richtung Rathaus und Hauptbahnhof. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Der Blick auf die Info-Tafel im Eingang verrät es bereits: Das Haus Union lebt! (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Der Blick auf die Info-Tafel im Eingang verrät es bereits: Das Haus Union lebt! (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
 Wobei's im Gebäude derzeit auch leere Büros hat. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019) Wobei's im Gebäude derzeit auch leere Büros hat. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
 Trotz der Bibliothekspläne von Kanton und Stadt sind die Büros in der zentral gelegenen Union heute noch begehrt. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019) Trotz der Bibliothekspläne von Kanton und Stadt sind die Büros in der zentral gelegenen Union heute noch begehrt. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Auch das gibt's: Ein Lagerraum in der Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Auch das gibt's: Ein Lagerraum in der Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Das markante Farbkonzept im Haus geht auf eine Rundumerneuerung von 1995 zurück. Im Bild der Lift. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Das markante Farbkonzept im Haus geht auf eine Rundumerneuerung von 1995 zurück. Im Bild der Lift. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Gelb-schwarze Türen in einem der endlos scheinenden Korridore des Hauses Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Gelb-schwarze Türen in einem der endlos scheinenden Korridore des Hauses Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
 Unterwegs im Haus Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019) Unterwegs im Haus Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Herzstück des Hauses Union: Die charakteristische Treppe, die endlos nach unten... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Herzstück des Hauses Union: Die charakteristische Treppe, die endlos nach unten... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
 ...und oben zu führen scheint. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019) ...und oben zu führen scheint. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Kunst am Bau, die dem herrschenden Regenwetter geschuldet ist: In einem Korridor drapierte Regenschirme. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Kunst am Bau, die dem herrschenden Regenwetter geschuldet ist: In einem Korridor drapierte Regenschirme. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Kunst am Bau: Das rote Objekt gehört nicht zu einem Hütchen-Spiel, sondern... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019) Kunst am Bau: Das rote Objekt gehört nicht zu einem Hütchen-Spiel, sondern... (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
 ...ist die Spitze des legendären roten Kanus des St.Galler Künstlers Roman Signer. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019) ...ist die Spitze des legendären roten Kanus des St.Galler Künstlers Roman Signer. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Aus dem roten Kanu tropft Wasser nach unten ins Loch im Boden. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Aus dem roten Kanu tropft Wasser nach unten ins Loch im Boden. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Der Eingang ins Union-Gebäude - mit dem zum Kanu-Kunstwerk gehörenden Wasserbecken. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Der Eingang ins Union-Gebäude - mit dem zum Kanu-Kunstwerk gehörenden Wasserbecken. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
Das Trottoir vor der Union am Schibenertor. Im Erdgeschoss stand hier jahrelang der alte Migros leer. Am 3. Oktober soll hier mit der Eröffnung des Migrolino endlich wieder Leben einziehen. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)Das Trottoir vor der Union am Schibenertor. Im Erdgeschoss stand hier jahrelang der alte Migros leer. Am 3. Oktober soll hier mit der Eröffnung des Migrolino endlich wieder Leben einziehen. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)
21 Bilder

Das Haus Union in St.Gallen: Das Biotop, das zur grossen Bibliothek werden soll

Tausende Lebensgeschichten liessen sich erzählen, kleine und grössere Geschichten von höchstem Glück und tiefster Krise, mit allen denkbaren Wendungen. Allein der Name «Union» weckt viele Assoziationen von Bündnissen und Gewerkschaften, im Erinnerungsohr Billy Braggs Anti-Thatcher-Hymne «There Is Power In A Union», Fussballfans sind Clubs geläufig wie der Neo-Bundesligist Union Berlin. In der Gallusstadt geht der Name, unschwer zu vermuten, auf den so benannten Stickereibetrieb zurück, der am Oberen Graben von 1875 ansässig war. Union!

Grosse Pläne fürs 1950er-Jahre-Bürohaus

Nun steht das Haus selber vor einem grossen Wandel: Es soll zur Publikumsbibliothek von Stadt und Kanton umgebaut werden. Parlamentarische Beratungen und Volksabstimmungen sind dafür nötig. Frühest möglicher Baubeginn ist 2025. Das amerikanisch anmutende Bürogebäude aus den wieder modernen 1950er-Jahren würde zum zentralen Bücherlager, Studienort, Ideenumschlagplatz und Treffpunkt der ganzen Bevölkerung.

Respektive zu einem Teil davon, denn der bald ausgeschriebene Architekturwettbewerb verlangt zusätzlich zum Umbau des Hauptbaus die Erweiterung auf dem Blumenmarkt – ob mit einem Abbruch oder Umbau des Flügels und einem zusätzlichen Neubau ist den Architekten frei gestellt. Endlich eine Vision im Stadtzentrum, wo sonst seit Jahren um Parkplätze, Pflästerungen, Marktstände und Sitzbänke gestritten wird.

Vom Politbüro bis zur Bank und zum Migrolino

Konkret vorstellen kann man sich die zwar noch nicht wirklich. Erst recht nicht die Mieter, die im Union wohnen (zuoberst), oder, in der Mehrzahl, hier ihrer täglichen Arbeit nachgehen. 51 an der Zahl sind es, von der CVP über Bank, Nagelstudio, Krisenberatung oder Immobilienfirma bis zum TCS; geschätzte 250 Personen arbeiten hier.

Die Union-Arkaden zwischen Schibenertor und Marktplatz: Der Kiosk und das Café Blumenmarkt sind für viele Städterinnen und Städter liebgewordene Institutionen. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

Die Union-Arkaden zwischen Schibenertor und Marktplatz: Der Kiosk und das Café Blumenmarkt sind für viele Städterinnen und Städter liebgewordene Institutionen. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

Wie lange sie noch damit rechnen, in diesem Bürohaus par excellence tätig zu sein, zeigt die Migros: Am 3. Oktober eröffnet sie in ihrer einstigen kleinsten Filiale, die sie 2014 nach 62 Jahren schloss, einen Migrolino-Shop. In fünf Jahren dürfte Schluss sein mit Läden und Büros im sechsgeschossigen Bau, ein Bistro wie die «Süd-Bar» ist allerdings erwünscht.

Was bleibt am Schluss von der «alten» Union?

Was ausser der feinmassstäblichen Fassade mit der Arkade im Parterre und der zurückversetzen Attika wird bleiben, wenn hier die – nebst der Stiftsbibliothek – wichtigste Bibliothek der Ostschweiz installiert wird? Schwer vorstellbar, doch was nicht ist, kann ja noch werden, wie es so schön heisst.

Das Haus Union und seine markante Fassade von der Seite des Blumenmarktes her. (Bild: Urs Bucher - 7. Mai 2019)

Das Haus Union und seine markante Fassade von der Seite des Blumenmarktes her. (Bild: Urs Bucher - 7. Mai 2019)

Einsichten verspricht ein Rundgang, freundlich begleitet von Serafina De Stefano, Leiterin Immobilienbewirtschaftung bei den Helvetia-Versicherungen, der Hauseigentümerin, und Elisabeth Hüttenmoser, seit 15 Jahren Hauswartin im Union und weiteren Helvetia-Immobilien.

Nur wenige der eingemieteten Firmen erlauben Einblick in ihre Räume. Manche wie das Kreditinstitut und die städtischen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste (KJPD) aus guten Sicherheits- oder Datenschutzgründen.

Kleinteilige, flexibel nutzbare Büros

Ob im Startup-Einzelbüro oder in der Parteizentrale, die zumeist treuen Mieter schätzen die kleinteiligen Räume, die bei Bedarf flexibel erweitert werden können – etwa von 27 Quadratmeter auf 47 bis 55, wenn die Firma plötzlich wächst. Auch ein Vorteil für die Vermieterin, wie De Stefano sagt. Entsprechend gut die Nachfrage, die trotz der Bibliothekspläne nicht nachgelassen hat.

Lage und Räume seien perfekt, «super zentral», ÖV und Parkhaus in nächster Nähe, schwärmt CVP-Sekretär Pius Bürge. «Idealer kann man es nicht haben.» Ähnlich zufrieden die jungen Architekten im fünften Stock, die in offenen Grossraumbüros arbeiten. Das Stahlgerippe des Hauses Union mit engmaschigem Stützenplattensystem erlaubt die Entfernung fast aller Querwände.

Prächtig der Blick auf Blumenmarkt, Marktplatz und Bohl, für einmal ist man auf Augenhöhe mit den kurligen Dachterrassen und Reklameschriften wie dem legendären leuchtroten «Speis & Trank» an der Tuffsteinfassade des Restaurants Hörnli. Und erst die Perle des Hauses, das elegant geschwungene Treppenhaus mit Kunst-Glamour.

Ein rotes Kanu als Publikumsmagnet

Roman Signers knallrotes Kanu, einbetoniert zwischen viertem und fünften Stockwerk. Aus ihm tropft das Wasser durch in den Zwischenböden eingelassene Metallrohre und sammelt sich im Parterre in einem runden Becken. Signers erstes Indoor-Kunstwerk zieht Publikum an, die Hauswartin ist für den polierten Glanz besorgt. «Kunst, die man anfassen darf, heisst eben viele Fingerabdrücke, auch von erwachsenen Kindern», wie sie schmunzelt.

Roman Signers erstes Indoor-Kunstwerk: Das rote Kanu zieht bis heute viele Besucherinnen und Besucher an. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

Roman Signers erstes Indoor-Kunstwerk: Das rote Kanu zieht bis heute viele Besucherinnen und Besucher an. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

Das Treppenhaus wäre eine dankbare Szenerie für einen Stadtthriller mit nostalgischen Referenzen ans Kino der 1960er-Jahre. Überhaupt denkt man im Haus unweigerlich an filmische Schauplätze. «Vertigo»-Regisseur Hitchcock hätte seine schelmische Freude gehabt an der schwindelerregenden Spiegelung, die die Treppe scheinbar ins Bodenlose verlängert.

In einem der Gänge im Haus Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

In einem der Gänge im Haus Union. (Bild: Urs Bucher - 21. August 2019)

Die Gänge mit markant gelben und schwarzen Bürotüren sind allerdings ebenso wenig original Fifties wie die meisten Böden: Statt Klötzli- gibt es Riemenparkett und teilweise Teppich, «weil besser für den Schallschutz». Die Rundum-Erneuerung von 1995 betrifft auch den Granitboden, ein Nero Assoluto, absolut schwarz, wie es der frei übersetzte Name sagt. Schön heikel.

«Kathedrale» für Bücher auf dem Blumenmarkt?

Gute Grundlagen für eine Bibliothek? Nachfrage beim Architekten, der den Umbau ausführte: Peter Quarella, damals mit seinem Büro im Haus, das er lieb gewonnen hat. Er erklärt aus dem Stegreif fachkundig die raffinierte Statik, äussert aber eine gewisse Skepsis, ob das gerasterte Bürogebäude mit Raumhöhen von lediglich 2,70 Metern den Ansprüchen einer zeitgenössischen Bibliothek genügt.

Mit Galerien? Oder dann, wünschbar auf dem Blumenmarkt ein hallenartiger Neubau, «Pantheon oder Kathedrale», der einen sozialen Raum schüfe. Nur eine der anspruchs- und reizvollen Aufgaben eines Wettbewerbs, der laut Kantonsbaumeister Werner Binotto nebst internationalen auch junge und hiesige Architekten zum Zug kommen lassen soll.

Vor den Architekten die Denkmalpfleger

Ihre Expertisen längst gemacht haben die Denkmalpfleger von Stadt und Kanton. Sie loben einen vielfältig bestechenden Bau und «typischen Zeitzeugen». Von «ausserordentlich hoher architektonischer Qualität» sei neben der äusseren Erscheinung speziell die Treppenanlage. Im Sommer waren die Fachkollegen aus Bern vor Ort: Die koordinierte Einschätzung der Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege und für Natur- und Heimatschutz wird bis Ende September erwartet und soll ins Wettbewerbsprogramm einfliessen.

Offene Fragen gibt es noch viele, einige wird die Ausschreibung beantworten. Spannend bleibt das partnerschaftliche Trio mit Stadt, Kanton und Helvetia, das künftig eine Union bilden könnte. Einen Verkaufspreis wollen alle Beteiligten nicht einmal hinter vorgehaltener Hand schätzen; Spekulation auch, ob die Versicherungsfirma als Mitstifterin auftritt. «St.Galler Bibliothek Union-Helvetia» ein möglicher Name? Was nicht ist, kann...

Die Union - einst und heute

Das Haus Union auf einem Bild des Fotohauses Zumbühl in den 1930er- oder 1940er-Jahren. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Sowieso verdiente das Union, wie es noch ist, einen Dokumentarfilm. Der könnte auf die Stadtgeschichte bezogen sein, mit Fokus auf die Wandlung der Stickereimetropole. Oder er könnte allgemeingültig «Das Bürohaus» heissen und all die Geschichten erzählen, die ein Dienstleistungshaus täglich liefert. Vom eingewachsenen Zehennagel bis zur ausgewachsenen Lebenskrise, die hier bewältigt werden will.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.