Rücktritt
«Der Entscheid fällt mir alles andere als leicht»: Nach 17 Jahren tritt der Muoler Gemeindepräsident Bernhard Keller im kommenden März zurück

Seit 2005 lenkt Bernhard Keller die Geschicke der Gemeinde Muolen. Nun tritt er per 31. März 2022 zurück. «Dieser Schritt ist wohlüberlegt – wenn auch mit grosser Wehmut verbunden», sagt der 44-Jährige. Und er erzählt, worauf er besonders stolz ist.

Michel Burtscher
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Bernhard Keller trat sein Amt als Gemeindepräsident von Muolen im Jahr 2005 an.

Bernhard Keller trat sein Amt als Gemeindepräsident von Muolen im Jahr 2005 an.

Bild: PD

Bernhard Keller beginnt die Mitteilung mit einem Zitat von Martin Luther King: «Es ist immer der richtige Zeitpunkt, um das Richtige zu tun.» Dann kündigt der Muoler Gemeindepräsident an, sein Amt per 31. März 2022 abzugeben. Zum Schluss der Gemeinderatssitzung von dieser Woche habe er die Mitglieder des Gemeinderates persönlich darüber informiert, dass er nach über 22 Dienstjahren bei der Politischen Gemeinde Muolen – davon 17 Jahre als Gemeindepräsident – zurücktreten werde.

Der 1977 geborene CVP-Politiker absolvierte eine Verwaltungslehre in Niederhelfenschwil, war anschliessend auf dem Grundbuchamt in Alt St.Johann tätig und trat 1999 die Stelle als Ratsschreiber und Grundbuchverwalter bei der Politischen Gemeinde Muolen an. 2005, da war er noch nicht einmal 30 Jahre alt, übernahm er das Gemeindepräsidium.

Damals war er Grundbuchverwalter und Ratsschreiber: Bernhard Keller in seinem Büro auf der Gemeindeverwaltung Muolen. Das Bild stammt aus dem Jahr 1999.

Damals war er Grundbuchverwalter und Ratsschreiber: Bernhard Keller in seinem Büro auf der Gemeindeverwaltung Muolen. Das Bild stammt aus dem Jahr 1999.

Bild: Rudolf Steiner (20. Oktober 1999)

Nicht bis zur Pension als Gemeindepräsident amten

Nun sei der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt gekommen, so Keller. Der Vater dreier Kinder im Primarschulalter schreibt in seinem Rücktrittsschreiben:

«Der Entscheid fällt mir alles andere als leicht, aber als ich in meinem 27. Altersjahr das Präsidium unserer Gemeinde übernehmen durfte, war ich mir bewusst, dass ich dies nicht bis zur Pension machen werde.»

Es sei unter anderem aufgrund des Standes aktueller Projekte, der erfreulichen finanziellen Entwicklung der Gemeinde in den letzten Jahren und verschiedener frischer Kräfte in der neu organisierten Verwaltung ein guter Moment, seine «geliebte Funktion» als Gemeindepräsident in neue Hände zu geben.

Keller schreibt weiter:

«Dieser Schritt ist wohlüberlegt – wenn auch mit grosser Wehmut verbunden.»

Er sei keineswegs amtsmüde, sagt Keller auf Anfrage, er übe seine Funktion immer noch mit Freude aus. «Das Muoler Gemeindepräsidium war für mich nicht einfach ein Job, sondern eine Berufung. Ich war und bin mit Leib und Seele dabei.» Mit Blick auf seinen Rücktritt sagt er: «Der Schmerz ist da.» Gleichzeitig betont er, dass es ein herausforderndes Amt sei, was von Aussenstehenden oft nicht gesehen werde.

Einheitsgemeinde, Mehrzwecksaal, Steuerfuss

Keller hat einiges erreicht in seinen 17 Jahren als Gemeindepräsident. Auf die Frage, worauf er besonders stolz sei, nennt er zuerst die Einführung der Einheitsgemeinde im Jahr 2015. Dann erwähnt er den Bau des neuen Mehrzwecksaals, der vor zwei Jahren eingeweiht wurde. «Das grösste Infrastrukturprojekt in der Geschichte unserer Gemeinde», sagt Keller. Und dass der Steuerfuss in seiner Amtszeit um 35 Prozentpunkte gesenkt werden konnte, darauf sei er schon auch stolz. «Obwohl wir noch immer nicht zu den Spitzenreitern gehören.»

Auf dieses Projekt ist er besonders stolz: Bernhard Keller und Architektin Barbara Frei formen im März 2018 den Grundstein für den neuen Mehrzwecksaal in Muolen.

Auf dieses Projekt ist er besonders stolz: Bernhard Keller und Architektin Barbara Frei formen im März 2018 den Grundstein für den neuen Mehrzwecksaal in Muolen.

Bild: Michel Canonica

Noch eine letzte Bürgerversammlung bleibt ihm

Doch was hat der 44-Jährige nach seinem Rücktritt vor? Wo zieht es ihn hin? Er werde sich weiter auf seine Funktion als Geschäftsführer der Vereinigung St.Galler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten konzentrieren, in der er seit 2017 tätig ist. Zudem will er eine Weiterbildung ins Auge fassen und sonst die nächsten Monate vorerst auf sich zukommen lassen. «Ich werde sehen, welche spannenden zusätzlichen Herausforderungen mich in nächster Zeit erwarten.»

Das Präsidium einer anderen Gemeinde zu übernehmen, das ist für ihn derzeit kein Thema.

«Ich bin im Moment noch zu verliebt in Muolen für so einen Wechsel.»

Er versichert im Rücktrittsschreiben an den Gemeinderat, während der verbleibenden sieben Monate seine Arbeit «im Interesse unserer Gemeinde und unter Berücksichtigung der geltenden Rahmenbedingungen» fortzuführen. Seine frühzeitige Ankündigung diene insbesondere dazu, dass genügend Zeit zur Bestimmung der Nachfolge bleibt.

Die Gemeinde werde nächste Woche den Fahrplan für die Wahl seiner Nachfolgerin oder seines Nachfolgers bestimmen, sagt Keller. Und er hofft, im nächsten März seine letzte Bürgerversammlung als Gemeindepräsident vor Ort durchführen zu können - zum ersten Mal im neuen Mehrzwecksaal. Dieses und letztes Jahr wurde sie wegen der Coronapandemie abgesagt.

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