«Dä schnellscht Rotmöntler» findet auch dieses Jahr nicht statt

Nach über 20 Jahren wurde «dä schnellscht Rotmöntler» im vergangenen Jahr aus dem Programm gestrichen. Nun findet er bereits zum zweiten Mal in Folge nicht statt. In anderen Schulhäusern heisst es dagegen noch immer: «Auf die Plätze, fertig, los!»

Christina Weder
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Das Wettrennen am Sporttag: Rotmonten verzichtet darauf, das Riethüsli führt es wieder ein. (Bild: Getty)

Das Wettrennen am Sporttag: Rotmonten verzichtet darauf, das Riethüsli führt es wieder ein. (Bild: Getty)

«Dä schnellscht Rotmöntler» war der Klassiker am Sporttag – bis vor einem Jahr. Damals hat ihn die Primarschule Rotmonten wegen zu ehrgeiziger Eltern aus dem Programm gekippt. Der Wettlauf sei derart ausgeartet, dass er nicht mehr im normalen Ablauf habe stattfinden können, hiess es. Die Rede war von Eltern, die Ranglisten anzweifelten und sich über die Zeitmessung beklagten. Das Thema sorgte national für Schlagzeilen.

Am Freitag steht in Rotmonten wieder der Sporttag vor der Tür. Schon jetzt steht fest: «Dä schnellscht Rotmöntler» bleibt auch dieses Jahr auf der Strecke. Gruppenspiele haben den Einzelwettkampf aus dem Programm verdrängt. Zwar hat die Primarschule die Schülerinnen und Schüler mit der Idee konfrontiert, das Wettrennen auf freiwilliger Basis auszutragen. Doch die Resonanz sei nicht gross gewesen, sagt Schulleiterin Monika Dorner. Damit war die Sache für sie erledigt.

Riethüsli sucht nach neuer Lösung

Anders sieht es im Riethüsli aus, wo vor einem Jahr ebenfalls auf das Wettrennen verzichtet wurde – womit eine 25-jährige Tradition unterbrochen wurde. Schulleiter Oskar Sturzenegger sagt, man habe damals Plausch und Spiel stärker gewichten wollen. Doch für ihn ist klar: «In diesem Schuljahr wollen wir den ‹schnellsten Riethüsler› wieder durchführen.» Noch steht nicht fest, ob dies vor den Herbst- oder erst nach den Frühlingsferien der Fall sein wird. Offen ist zudem, ob der Wettlauf fortan nur alle zwei Jahre stattfinden soll.

Nach der Absetzung des Wettlaufs hatten sich mehrere Kinder im Mitteilungsblatt der Schule geäussert: «Ich fand es dumm, dass der ‹schnellste Riethüsler› nicht stattgefunden hat», schrieb etwa ein Fünftklässler: «Es gewannen zwar immer andere, aber das macht mir nichts aus.» Auch ein anderer fand es «blöd», sah aber auch Vorteile: «Manche Kinder, die nicht aufs Podest kamen, waren enttäuscht oder weinten sogar.» Sturzenegger kennt auch die kritischen Voten aus dem Elternforum, es würden sowieso immer die gleichen Kinder gewinnen. Und er ist sich bewusst, dass die Eltern genau beobachten, ob bei der Zeitmessung alles mit rechten Dingen zu- und hergehe. Aus diesem Grund stehen im Riethüsli jeweils drei Lehrpersonen auf der Ziellinie, um die schnellsten Läufer zweifelsfrei zu ermitteln. «Manchmal ist der Ehrgeiz der Eltern schon gross», sagt er. Doch der Schulleiter kann dem Wettlauf durchaus Positives abgewinnen: «Meist steht nicht jener Schüler zuoberst auf dem Podest, der in Mathe und Deutsch Bestnoten schreibt.» Für einmal hätten auch weniger gute Schüler die Chance auf Erfolgserlebnisse.

In Winkeln ist die Abschaffung kein Thema

Wie in Rotmonten ist der Sporttag auch in Winkeln auf kommenden Freitag angesetzt – inklusive Austragung des «schnellsten Winklers». Dieser gehöre seit 30 bis 40 Jahren dazu, sagt Schulleiter Pius Jud. «Eine Abschaffung stand noch nie zur Diskussion.» Die Finalläufe gelten in Winkeln als Höhepunkt des Sporttags – neben dem Pastaessen am Mittag und dem Lehrer-Schüler-Fussballmatch. «Die Kinder freuen sich drauf», sagt Jud. Und die Eltern würden natürlich mitfiebern und den Lehrern bei der Zeitmessung auf die Finger schauen. «Doch dafür haben wir eine elektronische Messanlage.»