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Pferdesportzentrum im Breitfeld: Rösseler stechen in ein Wespennest

Pferdesportvereine und der CSIO möchten auf dem Breitfeld das Nationale Pferdezentrum Ostschweiz errichten. Nur schon die Projektskizze hat hinter den Kulissen eine heftige Kontroverse ausgelöst: Der Naturschutz kündigt Opposition an. Und im Stadtparlament sind kritische Fragen eingegangen.
Reto Voneschen
Direkt hinter Fussballstadion und Autobahn liegt die grosse Wiese des Breitfelds. Rechts davon ist das Stadion Gründenmoos mit den Fussball-Trainingsplätzen zu sehen. (Bild: Urs Bucher - 16. Januar 2019)

Direkt hinter Fussballstadion und Autobahn liegt die grosse Wiese des Breitfelds. Rechts davon ist das Stadion Gründenmoos mit den Fussball-Trainingsplätzen zu sehen. (Bild: Urs Bucher - 16. Januar 2019)

Beim Verband Ostschweizerischer Kavallerie- und Reitervereine (OKV) gibt es Pläne für ein Nationales Pferdezentrum Ostschweiz (NPZO) im St.Galler Breitfeld. Dieser Standort steht allerdings in Konkurrenz zu Dielsdorf und Frauenfeld. Um den St.Gallern Zeit zu geben, ihre Pläne zu konkretisieren, hat die Delegiertenversammlung des OKV erst im vergangenen Dezember beschlossen, den Entscheid übers NPZO um zwei Jahre, also auf Dezember 2020, zu vertagen.

Projekt in sehr frühem Stadium: Viele Details offen

In Zusammenhang mit dem Pferdezentrum ist die Rede vom Bau einer grossen Trainingshalle, von Stallungen und Aussenplätzen. Sie sollen in die östliche Hälfte der grossen Breitfeld-Wiese zu liegen kommen. Im Zentrum würden unter anderem Kurse des OKV durchgeführt. Während des CSIO soll die Infrastruktur diesem Anlass zur Verfügung stehen. Damit würden nicht nur die heutigen Zeltprovisorien auf dem Breitfeld überflüssig, es gäbe allenfalls dem renommierten Pferdesportanlass auch Möglichkeiten, sein Angebot an Reitwettkämpfen auszubauen.

Im Vordergrund das CSIO-Gelände im Gründenmoos, im Hintergrund der Parkplatz und provisorische Zeltbauten für den renommierten Grossanlass auf der Allmend im Breitfeld. (Bild: Urs Bucher - 5. Juni 2018)

Im Vordergrund das CSIO-Gelände im Gründenmoos, im Hintergrund der Parkplatz und provisorische Zeltbauten für den renommierten Grossanlass auf der Allmend im Breitfeld. (Bild: Urs Bucher - 5. Juni 2018)

Öffentliche Detailinformationen zum Projekt eines Pferdezentrums im Breitfeld gibt es im Moment keine. Es stehe noch in einer sehr frühen Phase. Viele Details seien daher noch unklar, sagt Peter Zeller, OKV-Vizepräsident und Verbindungsmann zwischen dem St. Galler Planungskomitee und dem Verband. Man stehe aber im Gespräch mit der Stadt. Informiert über die Projektskizze eines Pferdezentrums seien unter anderem das Militär, das im Breitfeld der Hausherr ist, und der Naturschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung (NVS).

NVS-Präsident: «Kommt im Breitfeld nicht in Frage»

NVS-Präsident Robert Schmid hat allerdings gar keine Freude an den Plänen, auf der grossen Wiese im Breitfeld zu bauen. Dies einmal, weil das ganze Breitfeld ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ist, weil es wichtig ist für die Erhaltung einheimischer Frosch-, Kröten-, Unken- und Molcharten. Dies aber auch aufgrund der Geschichte des Gebiets: Vor rund 30 Jahren hat der NVS bereits massgeblich daran mitgewirkt, dass Überbauungspläne für die Allmend gescheitert sind.

In den 1980er-Jahren ging es um den Bau eines neuen Fussballstadions. Ab den 1990er-Jahren engagierte sich der NVS beim Ausbau des Waffenplatzes für naturnah gestaltete Elemente innerhalb der Militäranlagen. Einige davon pflegt er bis heute. In Zusammenhang mit dem Bau des neuen Fussballstadions verzichtete der Verein Anfang der 2000er-Jahre auf eine Einsprache, weil ihm von der Stadt St.Gallen Zusicherungen zum Schutz, zur Freihaltung und zur massvollen Nutzung des Breitfelds gemacht wurden.

NVS bereit auch für eine politische Ausmarchung

Robert Schmid, Präsident Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung. (Bild: Urs Bucher - 26. Oktober 2017)

Robert Schmid, Präsident Naturschutzverein Stadt St.Gallen und Umgebung. (Bild: Urs Bucher - 26. Oktober 2017)

Angesichts des Ausmasses des Projekts für ein Pferdezentrum im Ganzjahresbetrieb könne der NVS dazu im Breitfeld niemals Hand bieten, hält Naturschutz-Präsident Robert Schmid auf Anfrage fest. Der Bau des Zentrums wäre aus seiner Sicht ein zu massiver Eingriff in die Natur und in den Erholungsraum Breitfeld. Gegen so ein Projekt werde sich der NVS «mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln» wehren, versichert Schmid. Womit klar ist, dass es dieses politisch schwer haben dürfte.

Er hoffe jetzt, dass die Verantwortlichen von OKV und CSIO eine andere, naturverträglichere Lösung für ein Pferdezentrum fänden. Für einen solchen Fall sei der Naturschutzverein gerne zum Gespräch bereit, sagt Robert Schmid.

Stadtrat hat keine «formellen Beschlüsse» gefasst

SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer. (Bild: PD)

SP-Stadtparlamentarierin Doris Königer. (Bild: PD)

Als nächstes wird wohl das St.Galler Stadtparlament das Projekt der Reiter fürs Breitfeld diskutieren. SP-Parlamentarierin Doris Königer hat am vergangenen Dienstag eine Interpellation mit kritischen Fragen zum Vorhaben eingereicht. Insbesondere will sie aufgrund eines Berichts in den «St.Galler Nachrichten» wissen, wieso der Stadtrat überhaupt bereit ist, ein Pferdezentrum im Breitfeld zu bewilligen.

Aufgrund des Erstinformationsrechts des Stadtparlaments auf die Interpellationsfragen nimmt die Stadtregierung derzeit keine Stellung zum Thema Pferdesportzentrum im Breitfeld. Stadtpräsident Thomas Scheitlin kann einzig bestätigen, dass die Stadt über die Ideen fürs Breitfeld informiert ist. Und dass der Stadtrat dazu formell nichts entschieden hat.

Ein politisch schwieriger Bauplatz

Das Gebiet, in dem die Ostschweizer Rösseler Pläne für ein nationales Pferdezentrum wälzen, ist politisch sicher kein einfacher Bauplatz. Die grosse Wiese im Breitfeld ist im städtischen Zonenplan der Grünzone F zugewiesen (siehe Grafik). Flächen, die so eingeteilt werden, sollen gemäss kantonalem Baugesetz vor Überbauung freigehalten werden. Anders das Gründenmoos: In der dortigen Zone für öffentliche Bauten und Anlagen darf natürlich gebaut werden. Allerdings sind hier aufgrund der bereits intensiven sportlichen Nutzung Bauplätze Mangelware.

Der Zonenplan kann selbstverständlich in einem politischen Prozess verändert werden. Für ein Projekt wie das Pferdezentrum müsste mindestens ein Teil der Wiese im Breitfeld einer Zone zugeteilt werden, in der gebaut werden darf. Für diese Umzonung braucht es eine stadträtliche Vorlage ans Stadtparlament. Wenn es zustimmt, ist der Beschluss aber nicht endgültig: Dagegen kann das fakultative Referendum ergriffen werden. Das heisst, es gibt eine Volksabstimmung, wenn dies innert 30 Tagen 1000 städtische Stimmberechtigte per Unterschrift verlangen.

Für eine Organisation wie den Stadtsanktgaller Naturschutzverein ist die Hürde der Unterschriftensammlung kein Problem. Und wenn es ums Breitfeld geht, ist ihm auch zuzutrauen, dass er einen pointierten Abstimmungskampf gegen eine Umzonung führt. Tut er dies mit genügend Vehemenz, hat er erfahrungsgemäss ziemlich gute Chancen, einen Abstimmungskampf zu einer grünen Frage auch zu gewinnen. (vre)

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