Rorschachs Stadtpräsident entspannt zu Hause mit Zigarre

Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann spricht in Rorschach über psychische Krankheiten. Und auch über die Gemütslage des Stadtpräsidenten Thomas Müller.

Sheila Eggmann
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Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann mit Stadtpräsident Thomas Müller auf dem Marktplatz. (Bild: Sheila Eggmann)

Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann mit Stadtpräsident Thomas Müller auf dem Marktplatz. (Bild: Sheila Eggmann)

Im Hintergrund läuft «Don’t worry be happy». Eine Schulklasse hat sich artig beim Marktplatz vor Heidi Hanselmann und Thomas Müller aufgestellt, einige wippen im Takt mit. Der Grund, weshalb die Regierungspräsidentin und der Stadtpräsident zum Gespräch geladen haben, ist aber alles andere als happy. Sondern eher happig. Es geht um psychische Krankheiten. Und um die Frage, die jedem wohl oft gestellt wird, die aber selten ehrlich beantwortet wird: «Wie geht’s dir?»

Diese Frage ist Teil einer Kampagne von Pro Mente Sana, die auch vom Kanton unterstützt wird. Die Kampagne hat das Ziel, psychische Krankheiten zu enttabuisieren. Das bedeutet: Darüber sprechen, zuhören, nachfragen, frühzeitig Hilfe anbieten. Hanselmann sagt:

«Reden ist Silber, Schweigen ist Gold; das trifft halt nicht immer zu»

Sie macht darauf aufmerksam, dass jede zweite Person im Laufe des Lebens von einer psychischen Krankheit betroffen ist. «Es kann uns alle treffen und geht uns deshalb alle etwas an.» Sie richtet die Frage «Wie geht’s dir» an Müller, der antwortet: «Sehr gut. Wenn man etwas gerne macht, dann wird man auch nicht krank davon.» Auch er ermutigt die Zuhörenden, mehr auf andere Personen zu achten und ab und zu nachzuhaken.

Entspannung zu Hause mit Zigarre

Der Stadtpräsident erzählt im Anschluss von Momenten, die ihn betroffen gemacht haben. Beispielsweise, wenn er Kritik ausgesetzt war: «Gewisse Dinge gehen einem schon nahe.» Doch er habe früh gelernt, auch noch als Anwalt, mit Drucksituationen umzugehen.

«Zum Ausgleich entspanne ich zu Hause, lese Sachbücher oder beschäftige mich mit dem Hund.» Oder er rauche ab und zu eine gute Zigarre. So richtig Krisenerprobt sei er nach seiner Zeit beim FC St.Gallen geworden. «Beim Thema Psychische Gesundheit ist es wichtig, die Fremdscham zu nehmen», betont er.

«Nothelferkurs» für psychische Krankheiten

Heidi Hanselmann wiederum hat ein anderes Rezept, wenn es ihr einmal nicht so gut geht: «Mir hilft Bewegung und Zeit in der Natur.» Dabei könne sie gut vom Alltagsgeschäft Abstand nehmen und Dinge verarbeiten. Sie kenne in ihrem eigenen Umfeld auch Personen, die psychisch erkrankt sind. «Das Gefühl, dass man nicht weiss, wie man reagieren soll – das kenne ich gut», sagt sie.

Seit Juni bietet Pro Mente Sana in St.Gallen einen Kurs an, der genau das verhindern soll: Ein Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit. Das Interesse war so gross, dass er mehrmals wiederholt wurde. Auch die Regierungspräsidentin war dort und sagt: «Ich kann mir vorstellen, dass Pro Mente Sana diesen Kurs in Zukunft auch in den Regionen anbieten wird.»