Rorschachs «Papa Jazz» plaudert aus dem Nähkästchen

Mit 18 Jahren und einem billigen Schlagzeug hat Rolf Hofstetter den Grundstein für die Rorschacher Jazz Night gelegt. Er erzählt von seinem Werdegang als Trommler, seinen Erfolgen und vom Ärger seiner Nachbarn.

Noah Salvetti
Drucken
Teilen
Organisator Rolf Hofstetter zeigt stolz das Plakat zur diesjährigen Jazz Night Rorschach. (Bild: Noah Salvetti)

Organisator Rolf Hofstetter zeigt stolz das Plakat zur diesjährigen Jazz Night Rorschach. (Bild: Noah Salvetti)

Eine Nebeldecke liegt über der St. Gallen, ein frischer Wind weht. Abseits von all dem städtischen Trubel liegt es, das Domizil von Rolf Hofstetter, dem Vater der Rorschacher Jazz Night. Er trägt ein schwarzes Poloshirt, auf seiner Brust prangt das Logo seiner River House Jazz Band. Hinter dem Rattansofa ragt ein prall gefülltes Bücherregal auf. Hof­stetter, der täglich liest, lässt sich am Holztisch nieder. Im Hintergrund läuft wider Erwarten kein Jazz. «Ich sage immer: Ich spiele Jazz und höre Klassik.»

Vom Jazzkeller zur ersten eigenen Band

Die Frage, wie er zur Jazzmusik gefunden hat, braucht gar nicht erst gestellt zu werden. «Wie viele Kinder habe ich meine ersten musikalischen Gehversuche auf der Blockflöte gemacht. Die habe ich aber bald weggeworfen. Ich war Fan vom Trommeln», sagt Hofstetter und lacht. Er sehnte sich nach den Klängen, die der US-Soldatensender «AFN Munich» in den 50er-Jahren spielte – Jazzmusik eben. In Schulvorträgen nahm er sich dem afroamerikanisch geprägten Musikstil an, obwohl er selbst noch nicht viel darüber wusste. Bald schon träumte er von einer Karriere als Schlagzeuger in Count Basies Big Band.

Seine ersten Drumsticks hat Rolf Hofstetter aus hölzernen Linealen geschnitzt. «Ich trommelte damit den ganzen Tag auf Kisten herum und ging damit den Nachbarn auf die Nerven», sagt der passionierte Jazzmusiker. «So sehr, dass sie mich schon baten, ab und zu an die frische Luft zu gehen, damit etwas Ruhe einkehrt.» Während fünf Jahren spielte er bei den Rorschacher Stadttambouren, mit 18 Jahren erstand Hofstetter sein erstes Schlagzeug. «Ein billiges», wie er sagt. Zusammen mit Freunden betrieb er während einiger Jahre in Oberuzwil einen Jazzkeller, der sich zum grossen Treffpunkt für Jazzfans mauserte.

Wegen Rückenproblemen ans Waschbrett

«Unsere erste Jazzband entstand Anfang der 60er-Jahre, damals noch vorwiegend mit Musikern aus Rorschach. In der heutigen Form wurde sie im Jahre 1991 aus der Taufe gehoben», sagt Hofstetter. Natürlich habe es immer wieder personelle Veränderungen gegeben – er sei das einzige Mitglied, das seit jeher dabei ist. Gespielt wurde und wird unter anderem Dixieland, das hellhäutige Pendant zum New-Orleans-Jazz. Selbst Rückenprobleme, die Hofstetter das Schlagzeugspielen zunehmend erschwerten, taten der Liebe zum Oldtime-Jazz keinen Abbruch: Er wechselte zum Waschbrett, das die Jazz-Pioniere jenseits des Ozeans als bezahlbare Alternative zum Schlagzeug verwendeten.

«Jazz wird leider noch immer mit Chaos und Lärm verbunden.»

«Innerhalb der Band geisterte die Idee eines eigenen Festivals schon eine ganze Zeit lang herum», sagt Hofstetter. Vor 13 Jahren dann stellte er erstmals ein «Oldtime-Jazz am See» auf die Beine. «Die Konzerte in Restaurants zu veranstalten, war von Anfang an der Grundgedanke. So konnten wir vorhandene Infrastruktur nutzen und Kosten sparen», sagt Hofstetter. Es sei schöner, Jazz in einem kleinen Rahmen zu spielen, so werde die Nähe zum Publikum spürbar. Die Spielpausen, die Wechsel innerhalb der sieben Lokale ermöglichen, gehören seit jeher zum Konzept. «Das Festival lief bis vor zwei Jahren sehr gut», sagt der Mann mit dem Schnurrbart.

Mit mehr Abwechslung gegen den Besucherschwund

2016 folgte dann ein Einbruch der Besucherzahlen und ein Defizit für den Veranstalter. Bald sei klar geworden, dass der Oldtime-Jazz ein Nachwuchsproblem habe, sagt Hofstetter. Viele seiner Zuschauer seien über die Jahre verstorben oder mittlerweile so alt, dass sie kaum mehr ausgehen würden. Wie viele andere Festivalveranstalter wagte er schliesslich den Schritt zur Öffnung gegenüber anderen Stilrichtungen. «Ziel ist es, verschiedene Varianten des Jazz unter einen Hut zu bringen», sagt Hofstetter.

So will er ein jüngeres Publikum anlocken, das den Jazz in seinen verschiedenen Facetten für sich entdecken soll. Rorschach eigne sich dafür perfekt, da hier Hofstetters Wurzeln mit einem Hauch Multikulti verschmelzen würden. Auf die Frage hin, ob Jazz nicht manchen Leuten auf die Nerven gehe, antwortet Hofstetter: «Das ist ein klassisches Vorurteil. Jazz wird leider noch immer mit Chaos und Lärm verbunden. Er kann aber auch sehr musisch sein.»

Hinweis

Infos zur Rorschacher Jazz Night am 26. Oktober: www.jazznight-rorschach.ch