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Rorschachs Mauersegler müssen umziehen

Rorschachs ehemaliges Lokomotivdepot bot Unterschlupf für geschützte Vögel. Sie brauchen ein neues Zuhause.
Ines Biedenkapp
In dem Gebäude befinden sich Nistplätze des in der Schweiz geschützten Mauerseglers. Nach Abriss des Gebäudes soll es neue Nistmöglichkeiten an der Mauer geben. (Bild: Ines Biedenkapp)

In dem Gebäude befinden sich Nistplätze des in der Schweiz geschützten Mauerseglers. Nach Abriss des Gebäudes soll es neue Nistmöglichkeiten an der Mauer geben. (Bild: Ines Biedenkapp)

Auf dem Gelände des ehemaligen Lokomotivdepots beim Rorschacher Hauptbahnhof wird gearbeitet. Die verbliebenen Gleisschächte sind mit dreckig- öligem Wasser gefüllt. An die einstigen Hallen erinnern sonst nur noch die Stahlträger. Die meisten Gebäude sind nämlich bereits abgebrochen.

Nur im hinteren Teil des östlichen Bahnhofareals steht noch ein kleines Haus. Die Fassade ist gelb verblichen. Die Fenster sind herausgenommen, einige zubetoniert. Das Gebäude steht direkt an der wuchtigen Stützmauer. Darüber verläuft die Promenadenstrasse.

Kotspuren weisen auf Einflugstelle hin

Naturschützerin Alice Oberli (Bild: ibi)

Naturschützerin Alice Oberli (Bild: ibi)

Dass das Haus noch steht, hat einen bestimmten Grund. Denn in dem Haus nisten Mauersegler. Schaut man genauer hin, erkennt man über den Fenstern unterm Dach kleine Rundungen. An einigen von ihnen geht eine Art weisser Streifen ab. Rorschachs Naturschützerin Alice Oberli sagt:

«Daran erkennt man, dass die Mauersegler dort ein- und ausgeflogen sind.»

Denn bei den weissen Streifen handelt es sich um Kotspuren. Sie war es auch, die sich bei der SBB nach Möglichkeiten einer Verlegung oder Neuanbringung von Nistkästen erkundigte.

Der Mauersegler ähnelt vom Aussehen einer Schwalbe. Am Kinn hat er aber einen hellen Fleck. Kaum ein anderer Vogel ist so gut an das Leben in der Luft angepasst. Er gilt als Sommerbote. Ende April kommen sie hierher, um zu nisten. Der Vogel gilt in der Schweiz als geschützt. Sein Bestand nimmt dennoch langsam ab. Das entfernen von Nistmöglichkeiten oder Nistplätzen ist strafbar.

Als bekannt wurde, dass in dem Gebäude noch Mauersegler nisteten, warteten die Schweizerischen Bundesbahnen mit dem Abbruch. «Die SBB sind im Besitz einer rechtsgültigen Abbruchbewilligung, und muss die Gebäude abbrechen», heisst es auf Anfrage bei der SBB. Zu diesem Zeitpunkt sei jedoch noch nicht klar gewesen, dass Mauersegler in dem Gebäude nisten.

Mauersegler bleiben neun Monate in der Luft

Experte Rainer Ernst (Bild: ibi)

Experte Rainer Ernst (Bild: ibi)

Ab Ende Juli ziehen die Vögel je nach Witterung wieder in ihre Winterquartiere in Südafrika. «Der Mauersegler lebt ausschliesslich in der Luft. Nur wenn er brütet oder zu Fütterungszwecken wird er gezwungen, den Luftraum zu verlassen», sagt Experte Rainer Ernst aus dem appenzellischen Gais. Er wurde angefragt, welche Möglichkeiten vorgenommen werden können, um das Gebäude abzubrechen, den Mauersegler aber gleichwohl zu schützen. Zusammen mit Alice Oberli begutachtet er die Situation, um später den SBB einen Vorschlag unterbreiten zu können. Er hat bereits viele Umsetzungen von Nistkästen vorgenommen. «Da die Mauersegler äusserst Nistplatz treu sind, ist es wichtig, dass sich die Nistmöglichkeiten so nah wie möglich am alten Standort befinden», sagt er.

«So kann das Risiko vermindert werden, dass die Kolonie zusammen bricht.»

An der Mauer könne er sich 27 Nistkästen vorstellen. Diese werden aufeinander gestellt und mit einem Metallrahmen an der Wand befestigt. «Sie muss stabil sein, damit die Gelege vor zu intensiver Sonneneinstrahlung, Unwetter und möglichem Vandalismus geschützt sind», sagt er. Den Vorschlag wird er demnächst der SBB unterbreiten. Denn die Umweltschützer stehen in regelmässigem Kontakt mit den Schweizerischen Bundesbahnen. Diese haben zudem zugestimmt, finanziell für die Verlegung und Anbringung der Nistkästen aufzukommen. Sobald der Plan steht, geht es an die Umsetzung.

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