Rorschachs Mauersegler bekommen ein neues Heim

Nach dem Abriss des ehemaligen Lokomotivdepots in Rorschach entstehen neue Nistkästen für geschützte Vögel.

Ines Biedenkapp
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Aldo Loher geht bei der Bohrung behutsam vor, damit kein Fehler passiert. Das Bohren dauert einen ganzen Morgen.

Aldo Loher geht bei der Bohrung behutsam vor, damit kein Fehler passiert. Das Bohren dauert einen ganzen Morgen.

Bild: Ines Biedenkapp

Das ehemalige Lokomotivdepot Rorschach bot Unterschlupf für Mauersegler. Vor allem eines der Häuser im östlichen Teil des Bahnhofareals hatte es den Vögeln angetan. Nun steht das Depot nicht mehr. Doch die Arbeiten auf dem Areal sind noch nicht abgeschlossen.

Dort, wo früher das Häuschen der SBB stand, steht nun ein Gerüst. Es wurde auf der einstigen Höhe des Gebäudes angebracht. Denn derzeit wird ein Umzug der schwalbenähnlichen Vögel vorbereitet. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn Mauersegler gelten als sehr Nistplatz treu. Daher müssen die neuen Nistmöglichkeiten so nah wie möglich an dem alten Standort sein und in etwa die gleiche Höhe aufweisen.

Koffer, Giesskanne und ein Spezialbohrer

Das Gerüst haben Aldo Loher und Pepe Tornel von der Kluser Oberriet AG aufgebaut. Ihnen steht Ornithologe Rainer Ernst zur Seite, er hat die Pläne für das Konstrukt ausgearbeitet. Es werden Werkzeugkoffer, Giesskannen und Messmaterialien auf das Gerüst geschleppt. Mit einem speziellen Bohrer sollen zwei Zapfen aus der wuchtigen Stützmauer herausgebohrt werden, um darin zwei Stahlträger einzulassen. Diese dienen später als Träger für das Gerüst der Nistkästen.

Nachdem die ersten Vorbereitungen abgeschlossen sind, widmen sich die beiden Arbeiter der Stützwand. Es wird gemessen, überlegt und markiert. Dann wird die Halterung für den Kronenbohrer angebracht. Diese muss stabil sitzen, damit der Bohrer während der Arbeiten nicht verrutscht. Schliesslich wird der Bohrer aufgesetzt und es geht los. Schnell ist die Stützwand nicht mehr von dünnem Eis, sondern von einer grauen Schlammschicht überzogen.

Das Bohren dauert den ganzen Morgen, denn es müssen pro Loch rund 70 Zentimeter in die Wand. Einige Passanten schauen immer wieder von der Promenadenstrasse herunter, da leichter Rauch von der Wand aufsteigt. Am Nachmittag ist es dann geschafft, beide Löcher sind in der Wand. Während Pepe Tornel die Giesskannen mit Wasser auffüllt, reinigt Aldo Loher die Löcher und spült sie aus. «Das dient dazu, den Bauschlamm zu entfernen», sagt er.

Ein Laser zum Messen der Höhe

Dann werden die beiden Stahlträger hochgetragen und in die Löcher gelassen. Ein Laser hilft beim Messen, denn die Stahlträger müssen auf gleicher Höhe sein, sonst sitzt das Konstrukt schief. Immer wieder müssen die beiden nachbessern, hämmern. Kleinere Stücke werden mit einem Handbohrer entfernt.

Auf die Stahlträger werden die Nistkästen aufgesetzt. Auch ein Dach wird angebracht. Es soll vor Vandalismus und Sonne schützen.

Auf die Stahlträger werden die Nistkästen aufgesetzt. Auch ein Dach wird angebracht. Es soll vor Vandalismus und Sonne schützen.

Bild: Ines Biedenkapp

Die Stahlträger wurden extra für das Vorhaben angefertigt. Die Kosten für die Planung, Anfertigung der Halterung und der Bohrung übernehmen die SBB. Diese betragen rund 20000 Franken, bestätigt das Unternehmen auf Anfrage. Die Nistkästen hat Rainer Ernst von Hand angefertigt. Allerdings werden diese zu einem späteren Zeitpunkt angebracht, da die Stahlträger mit Beton in der Wand befestigt werden. Dieser braucht rund eine Woche zum aushärten. Erst dann ist das Konstrukt stabil genug, um die Nistkästen zu tragen.

Ende April wird sich zeigen, ob die geschützten Vögel die Nester annehmen werden, dann kommen sie aus Afrika zurück. Ein kleiner Transmitter soll helfen: «Darüber kann man das Zwitschern der Vögel laufen lassen», sagt Rainer Ernst. Das lockt die Vögel an. Der passende Transmitter ist aber noch nicht gefunden. Solange bastelt der Ornithologe an einer Lösung.

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