Rorschacherberg
Vor 25 Jahren noch eine Exotin, jetzt liegt sie im Trend: Ein Tag im Leben von Biobäuerin Karin Lehner

Karin Lehner ist Bäuerin auf dem Biohof Lincolnsberg in Rorschacherberg. Neben ihren Aufgaben im Haus und Hof, betreut die gebürtige Rheintalerin noch Tageskinder und ist Präsidentin der Bäuerinnenvereinigung Goldach und Umgebung.

Ramona Riedener
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Biobäuerin Karin Lehner in Rorschacherberg kümmert sich nicht nur um die Vermarktung der Produkte, sie liefert sie auch selbst an Heime, Läden und Betriebe.

Biobäuerin Karin Lehner in Rorschacherberg kümmert sich nicht nur um die Vermarktung der Produkte, sie liefert sie auch selbst an Heime, Läden und Betriebe.

Bild: Ramona Riedener

Es ist morgens um 6.30 Uhr. Ein ganz normaler Tag im Leben der Bäuerin Karin Lehner hat begonnen. Während sie mit einer Kelle in der Bratpfanne den Ribel rührt, gleichzeitig Milch und Butter aus dem Kühlschrank holt, schweift ihr Blick prüfend über den langen Esstisch, der den ganzen Raum der modernen Wohnküche einnimmt. Der Tisch ist gedeckt für das reichhaltige Frühstück der grossen Bauernfamilie.

Während viele Menschen um diese Zeit erst aufstehen oder sich nochmals genüsslich im Bett drehen, hat der Tag auf dem Hof der Familie Lehner in Rorschacherberg längst angefangen. Die rund 70 Kühe sind gemolken, die Rinder und Kälber verpflegt und der Stall gemistet, wenn Gregor Lehner und sein Team zum Frühstück kommen.

Karin Lehner ist es gewohnt, eine grosse Familie zu versorgen. Dazu zählen neben dem Bauernpaar, den Töchtern Jorina, Tabea, Seraina und Marianna auch die Tageskinder sowie die landwirtschaftlichen Mitarbeiter und Lehrlinge. Dass sie eine waschechte Rheintalerin geblieben ist, obwohl sie schon lange weggezogen ist aus Lüchingen, wo sie auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, beweist sie an diesem Morgen: Es gibt Ribelmais zum Frühstück.

Essen und erzählen am Küchentisch

Der Küchentisch ist nicht nur wichtig für das leibliche Wohl, sondern auch ein Ort, wo die Familie zusammenkommt, sich austauscht, vom Tag erzählt oder alltägliche Probleme bespricht. Heute berichtet Bauer Gregor Lehner von zwei Kühen, die ihm «nicht so recht gefallen». Seine Frau Karin beschäftigt sich seit der Geburt der ersten Tochter mit Homöopathie. Heute gelingt es der Bäuerin oft, aus ihrer Stallapotheke das richtige Heilmittel zu finden, sodass es dem Tier wieder besser geht und der Besuch des Tierarztes nicht mehr nötig ist. «Es braucht natürlich etwas Zeit zu beobachten und herauszufinden, was dem Tier fehlen könnte. Tiere können ja nicht sprechen.»

Sie werde dann im Laufe des Morgens noch im Stall vorbeischauen, verspricht sie ihrem Mann, bevor sie eilig den Frühstückstisch abräumt und sich dann fürs Ausliefern ihrer hofeigenen Produkte bereit macht.

Karin Lehner kennt sich mit Homöopathie aus. So konnte sie schon kranken Kühen helfen.

Karin Lehner kennt sich mit Homöopathie aus. So konnte sie schon kranken Kühen helfen.

Bild: Ramona Riedener

Bioprodukte erobern den Markt

Als die Lehners vor rund 25 Jahren mit biologischer Landwirtschaft anfingen, galten sie als alternative Exoten. Damals glaubte noch kaum jemand an den Erfolg von biologisch erzeugten Produkten. Doch das junge Bauernpaar hat auf seiner Reise durch Nepal, Neuseeland und Amerika so einiges gesehen, was ihm zu denken gab und ausschlaggebend war, ihren Betrieb auf Bio umzustellen.

Bis heute ist es Karin und Gregor Lehner ein grosses Anliegen, Mensch und Tier auf ihrem Hof einen lebenswerten Platz zu bieten und wertvolle, regionale Lebensmittel herzustellen. «Als Bauern haben wir eine sehr verantwortungsvolle Arbeit. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, möglichst umweltverträgliche Nahrungsmittel zu produzieren», sagt die Bäuerin, die kürzlich ihr 50. Wiegenfest gefeiert hat.

Sie ist es, die für die Vermarktung der Produkte wie Milch, Obst, Fleisch, Apfelsaft, Schnaps und Salben zuständig ist. Neben dem Selbstbedienungsstand an der Thalerstrasse 74 beliefert die Bäuerin das ganze Jahr hindurch Läden, Heime und Gastrobetriebe.

Nicht nur Milch, Obst und Fleisch verkaufen Lehners. Sondern auch Schnäpse. Karin Lehner ist für die Vermarktung der Produkte zuständig.

Nicht nur Milch, Obst und Fleisch verkaufen Lehners. Sondern auch Schnäpse. Karin Lehner ist für die Vermarktung der Produkte zuständig.

Bild: Ramona Riedener

Den Haushalt fest im Griff

Bald wird es wieder Zeit für Karin Lehner, für ihre Mannschaft das Mittagessen zu kochen. Vorher noch im Stall nach den beiden Kühen sehen und die Wäsche aufhängen. Die Zeiten, als sich der Schmutz und Geruch des Stalls auch in Küche und Stube im Bauernhaus breit gemacht haben, sind längst vorbei. In modernen Landwirtschaftsbetrieben hängen Arbeitskleider ordentlich an Haken und Stallstiefel stehen in Reih und Glied, bevor es in die Privaträume der Bauernfamilie geht.

Doch diese Unmenge an Kleidung zu bewältigen, dürfte für manche Hausfrau eine unlösbare Aufgabe darstellen. Nicht so für eine Bäuerin, die es gewohnt ist, für eine Grossfamilie zu sorgen. Manchmal gehe es schon etwas hektisch zu bei ihnen, sagt die Familienfrau. Nämlich dann, wenn zu ihren Aufgaben im Haushalt, Büro, Verkauf noch saisonale Arbeiten wie Heuen, Obsten oder Kirschen pflücken dazukommen. Doch das Wohl ihrer Familie und der Natur sei für sie stets eine Herzensangelegenheit.

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