Rorschacherberg
Eine Tür bleibt nun immer offen: Ein Rundgang durch das sanierte Pflegeheim Pelago und den Demenzgarten

Das Pflegeheim Pelago in Rorschacherberg hat nach zweijährigem Umbau wieder eröffnet. Herzstück ist der Demenzgarten, in dem sich die Bewohnenden unabhängig bewegen können.

Mirjam Bächtold
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Die Demenzabteilung im Pelago ist in den ersten Stock gezügelt. Hier steht die Türe zum Garten jederzeit offen.

Die Demenzabteilung im Pelago ist in den ersten Stock gezügelt. Hier steht die Türe zum Garten jederzeit offen.

Bild: Benjamin Manser

Türen von Demenzabteilungen sind meist verschlossen. Doch im Pelago, dem Pflegeheim der Region Rorschach, gibt es von nun an auch in der Demenzabteilung eine Tür, die immer offenbleibt. Sie führt in den neugestalteten Garten, wo die Bewohnenden auf einem Weg spazieren können, der in einer Acht angelegt ist.

«Es ist wichtig, dass der Weg nicht irgendwo aufhört, weil Demenzbetroffene oft nicht wissen, dass sie sich umdrehen müssen.»
Ingrid Markart, Geschäftsleiterin Pelago.

Ingrid Markart, Geschäftsleiterin Pelago.

Bild: Benjamin Manser

Das erklärt Ingrid Markart, Geschäftsleiterin des Pelago. Am Sonntag haben sie und ihr Team die Bevölkerung zu einem Rundgang durch das renovierte Pflegeheim eingeladen.

Grosser Bewegungsdrang

Im April 2019 haben die Bauarbeiten gestartet, die nun – bis auf einige Details im Demenzgarten – abgeschlossen sind. «Der Garten ist das Herzstück der Sanierungsarbeiten. Es ist uns ein grosses Anliegen, den Bewohnenden ihre Freiheit zu ermöglichen», sagt Markart. Und Marko Prietzel, Leiter der Demenzabteilung, ergänzt: «Viele der Demenzbetroffenen haben einen grossen Bewegungsdrang.» Bisher befand sich die Station im 4. Stock und die Bewohnenden durften nicht selbstständig ins Freie gehen.

«Die verschlossenen Türen waren frustrierend für sie.»

Mit dem Umbau wurde die Station ins erste Stockwerk gezügelt, von wo aus die Bewohnenden den Garten über eine Passerelle erreichen. Hier gibt es eine Grillstelle, einen Teich und ein Gehege mit Ziegen. Damit sich die Bewohnenden nicht eingesperrt vorkommen, wird der Zaun einerseits bepflanzt, andererseits grenzt er an einer Stelle ans Ziegengehege und erhält dadurch einen Abstand zu den Bewohnenden.

Eine weitere wichtige Neuerung auf der Demenzabteilung ist die Pflegeoase, ein grosser Raum, in dem fünf bis sechs Personen leben und schlafen können. «Demenzpatienten sind meist nicht gern allein, es macht ihnen Angst», sagt Ingrid Markart. «In der Pflegeoase haben sie nun Kontakt zu anderen, aber auch genügend Ruhe.» Der Raum ist für Demenzbetroffene, die bettlägerig sind. Während 24 Stunden ist hier jemand vom Pflegepersonal anwesend, um sofort reagieren zu können, wenn jemand beispielsweise Schmerzen hat.

Mit dem Umbau wurde auch ein neues Schliesssystem eingebaut. Auf der Demenzabteilung können die Mitarbeitenden nun Schubladen und Schränke mit gefährlichen Inhalten wie spitzen Messern oder Chemikalien nur noch mit dem Badge öffnen. Die Türen der Demenzbetroffenen sind nachts automatisch verschlossen – jedoch nur von aussen. «Heraus kommt man immer, aber so können sie, wenn sie nachts herumlaufen, ihre Mitbewohner nicht aufwecken», erklärt Marko Prietzel.

Arbeitsabläufe erleichtern

Einen grossen Teil der Modernisierung sehen die Besucher des Pflegeheims nicht, deshalb führte der Rundgang am Sonntag auch ins Untergeschoss. Die alte Ölheizung, die beim Bau vor 40 Jahren installiert wurde, hat man nun durch eine Gasheizung ersetzt. Das Haus wurde zudem erdbeben- und hochwassersicher gemacht und erhielt neue Fenster und Brandschutztüren.

Eine 50-Prozent-Stelle pro Jahr: So lange haben die Mitarbeitenden bisher damit verbracht, auf den Lift zu warten oder ins richtige Stockwerk zu fahren, wenn er im falschen landete. Ingrid Markart hat diese Erhebung vor dem Bau veranlasst und damit begründet, weshalb das Pflegeheim einen neuen Bettenlift braucht, der viel Zeitersparnis bringt. Auch die Wege zwischen Materiallagern und Einsatzorten seien nun kürzer. In der Küche ist die Einrichtung den Arbeitsabläufen entsprechend angepasst worden, sodass es weniger Hin und Her gibt. Dank eines neuen Speiselifts müssen die Mitarbeitenden nicht mehr mit den Tabletts durch das Haus laufen. Schliesslich wurden auf den Stockwerken Klappen mit Rohren installiert, die direkt in die Lingerie führen.

Beat Hirs, Gemeindepräsident von Rorschacherberg, und Ingrid Markart, Geschäftsleiterin Pelago, bei einer Ansprache am Festakt.
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Marko Prietzel, Leiter Demenzabteilung, beim Ziegengehege, das bis in den Demenzgarten hineinreicht.
Die Ziegen können von den Demenzbetroffenen gestreichelt werden.
Diese Tür ist nicht verschlossen. Über die Passerelle erreichen die Demenzbetroffenen den Garten.
Ein Teil des Demenzgartens. Interessierte erhielten am Wochenende einen Einblick.
Die meisten Arbeiten beim Pelago konnten bereits abgeschlossen werden. Einige wenige sind noch im Gang.
Ein Puzzle-Spiel hält geistig fit.
Die Demenzbetroffenen fühlen sich in Mehrbettzimmern weniger allein.
Klappe auf, Wäsche rein: Der Wäscheabwurf führt direkt in die Lingerie.
Im Kräutergarten wachsen die Kräuter für die Küche, wo ein Koch mit 14 «Gault-Millau»-Punkten kocht.
Die Küche wurde den logischen Arbeitsabfolgen entsprechend neu eingerichtet.

Beat Hirs, Gemeindepräsident von Rorschacherberg, und Ingrid Markart, Geschäftsleiterin Pelago, bei einer Ansprache am Festakt.

Bild: Benjamin Manser

Kosten trägt Pflegeheim

Finanziell ist das Umbauprojekt fast eine Punktlandung, wie Gemeindepräsident Beat Hirs bestätigt. 9,3 Millionen Franken statt der budgetierten 9,1 wird der Umbau am Ende kosten. «Die Kosten übernimmt das Pelago selbst, die Gemeinde gibt eine Defizitgarantie», sagt Hirs.

Die zweijährigen Bauarbeiten seien eine Herausforderung gewesen, sagt Bauleiter Roger Kast am Sonntag. Doch man habe es gut geschafft, den Heimbetrieb und den Baubetrieb voneinander zu trennen. Die Pandemie kam noch erschwerend hinzu. Mittlerweile können die Bewohnenden aber wieder Besuch empfangen – wenn auch mit Masken- und Distanzpflicht.

Mit dem Festakt für die Bevölkerung wurde nicht nur die Eröffnung des modernisierten Pelago gefeiert, sondern auch dessen 40-jähriges Bestehen. 1981 wurde das Pflegeheim für die Region Rorschach gebaut und eröffnet. In ihrer Festansprache betonte Ingrid Markart die Werte, die im Pelago gelebt werden: Freiheit, Geborgenheit und Lebensqualität.

«Ich freue mich auf die lächelnden Gesichter der Bewohnenden, wenn sie im Garten spazieren gehen.»

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