Rorschacher Pop-up-Brocki: Er haucht Schätzen ein zweites Leben ein

Noch bis Weihnachten hat sich an der Mariabergstrasse 9 in Rorschach Markus Schelling mit einem Kurzzeit-Brocki eingerichtet. Er will einen Kontrapunkt zur Wegwerfgesellschaft setzen.

Sandro Büchler
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Markus Schelling begutachtet eine Tasse. (Bild: Sandro Büchler)

Markus Schelling begutachtet eine Tasse. (Bild: Sandro Büchler)

Markus Schelling hebt ein Zimtwaffeleisen vom Regal, öffnet den Karton und mutmasst: «Das hat wohl jemand im Internet bestellt und war dann überrascht, wie klein es ist.» Auf dem Bild sieht das Küchengerät in der Tat grösser aus. Weil man die Dinge online nicht originalgetreu ansehen könne, komme es zu solchen Fehlkäufen, sagt Schelling.

Das meiste würde im Abfall landen. Nicht so das Waffeleisen. «Hier kann ich ihm ein zweites Leben geben.» Hier, das ist in Schellings Fall an der Mariabergstrasse 9 in Rorschach. Im kleinen Lokal, das früher einen Coiffeursalon beherbergte, hat sich Schelling ein kurzzeitiges Brockenhaus eingerichtet. Pop-up-Brocki steht in handgeschriebener Schrift auf dem Plakat am Eingang. Nur bis Weihnachten hat das Brocki geöffnet.

Ein Reich der kleinen Schätze

Die Idee, den Raum vorübergehend als Verkaufsfläche zu nutzen, entstand, als «Lern Etwas» auf ihn zukam. Das Projekt unterstützt Menschen mit Migrationshintergrund beim Erlernen eines Handwerks. So bot die Lern-Werkstatt im Lokal an der Mariabergstrasse bereits handgefertigte Holzgegenstände an. Doch für den Verkauf war niemand da. Statt fixer Öffnungszeiten empfing nur eine Telefonnummer am Schaufenster neugierige Kunden.

Markus Schelling im Gespräch mit einer Kundin. (Bild: Sandro Büchler)

Markus Schelling im Gespräch mit einer Kundin. (Bild: Sandro Büchler)

Die Projektverantwortlichen von «Lern Etwas» fragten Schelling an, ob er den Laden führen wolle. Dieser schlug eine Kooperation vor: «Ich habe das Geschäft bis zum Bummelsonntag betrieben, für die restlichen Dezembertage kann ich im Lokal unentgeltlich ein Brocki führen.»

So sei der Ort gut genutzt, sagt Schelling. Mit Harassen und Brettern hat er improvisierte Regale gezimmert. Einfach, aber zweckmässig. Schellings Blick fällt auf eine Madonnafigur, die gleich neben einer afrikanischen Skulptur steht. «Eine einzigartige Kombination», sagt er freudig. Für solche Kleinode liebt Schelling sein kleines Reich.

Sein Sortiment ist breit und skurril

Hier finden sich Gläser in allen Formen und Grössen, Schallplatten, daneben hängt ein Eiskratzer. Zuoberst steht eine Ovo-Dose, die mit Werbebotschaften aus den 80er-Jahren nostalgische Gefühle weckt. Weiter finden sich Schienen für Modelleisenbahnen, Tabakpfeifen, allerlei technische Geräte, eine Hupe, ein Wallholz und über allem thront eine Hängematte. Er biete eine breite Palette an. «Dinge, die man schlichtweg nicht mehr findet, nirgends mehr bekommt», sagt Schelling. Sein Sortiment ist bunt gemischt, zusammengewürfelt, skurril.

Eine Frau wiegt lange eine Kaffeetasse hin und her. Sie kommt mit Schelling ins Gespräch. Die Frau erzählt von Erinnerungen, die das verschnörkelte Design der Tassen bei ihr auslösen, er von weiteren Schmuckstücken, die er bei Hausräumungen gefunden hat. Schelling sagt:

«Schätze, die die früheren Besitzer gehegt und gepflegt haben; so wie dieses Geschirr.»

Nur eine der Tassen hat einen Flick weg, alle anderen sind in tadellosem Zustand. Dies sei ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht alles wegwerfen müsse, findet Schelling. «Mit dem Brocki will ich einen Kontrapunkt zur Wegwerfmentalität setzen.» Denn viele Gegenstände würden sich noch gebrauchen lassen, so der Sammler, der die gehobenen Schätze an Flohmärkten in der Region verkauft.

Rorschacher Gewerbe: Strassensperre statt Pop-up-Stores

Mit Blick auf die Adventszeit hat sich der Gewerbeverein von Rorschach Gedanken zur Attraktivität der Stadt gemacht. Zwischennutzungen in leerstehenden Ladengeschäften stehen nicht im Fokus. In einer Strassenumfrage sagen Passanten, wo sie ihre Geschenke einkaufen.
Sandro Büchler