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Rorschacher Buchhandlung zieht Bilanz nach zwei Monaten: «Uns fehlen ein wenig die Männer»

Anfang März eröffnete mit Wörterspiel nach fast sieben Jahren wieder eine Buchhandlung in Rorschach. Die beiden Geschäftsführer zählen bereits einige Leser zu ihrer Stammkundschaft.
Rahel Jenny Egger

«Es gibt nichts Schöneres, als in andere Welten einzutauchen und dabei sämtliche Gefühle, positive und negative, zu durchleben. Man entwickelt sich sehr beim Lesen», antwortet Alexandra Graf auf die Frage, wieso Lesen unverzichtbar sei. Anfang März dieses Jahres eröffnete sie zusammen mit Geschäftspartner Martin Kramer die Buchhandlung Wörterspiel.

Dieses Ereignis wurde von vielen Rorschacherinnen und Rorschacher mit Vorfreude erwartet. Lange Zeit mussten sie ihre Bücher im Internet bestellen oder ausserhalb kaufen. Denn nachdem 2012 die Buchhandlung «Zum Kornhaus» zur Schliessung gezwungen war, gab es für Lesebegeisterte fast sieben Jahre lang keinen Ort mehr zum Schmökern und Stöbern.

Nachschub für junge Leseratten

Eine Frau betritt den Laden und lässt sich von Geschäftsführerin Alexandra Graf beraten. Sie sucht ein neues Buch für ihren Sohn. Er sei mittlerweile ein wenig zu alt für die im Schnelldurchlauf verschlungene Bücherreihe. Ihn an etwas Neues heranzuführen, sei aber keine einfache Sache. Mit diesem Problem ist sie bei Graf an der richtigen Stelle. Die erfahrene Buchhändlerin liebt Kinder- und Jugendliteratur und kennt sich somit in allen Genres bestens aus. Schnell ist ein, dem Alter und Lesestil angepasstes, Buch gefunden.

Alexandra Graf und Martin Kramer sind überzeugt, dass Bücherlesen in Zukunft wieder wichtiger wird. Bild: Rahel Jenny Egger

Alexandra Graf und Martin Kramer sind überzeugt, dass Bücherlesen in Zukunft wieder wichtiger wird. Bild: Rahel Jenny Egger

Graf scheint zufrieden mit der Entwicklung der letzten zwei Monate. «Eine Stammkundschaft hat sich bei uns eigentlich schon nach drei bis vier Wochen herauskristallisiert», sagt sie. Es seien vor allem Familien mit Kindern und ältere Personen, die regelmässig vorbeischauen. Manche sogar zwei bis dreimal pro Woche.

«Uns fehlen ein wenig die Männer »

, sagt Graf. Die Mehrheit der Kundschaft sei weiblich. Nach und nach würden jedoch auch immer mehr Männer auf den Geschmack kommen. Beim Sortiment verkaufe sich alles ziemlich durchmischt. Vor allem die Kinder- und Jugendbuchliteratur und alles rund ums Spielen laufe gut. «Zuerst hatten wir ein wenig Angst um den oberen Stock mit Erwachsenenliteratur. Vor allem bei den Sachbüchern in den Bereichen Medizin oder Recht mussten wir das Sortiment kürzen.» Es sei genau diese Altersgruppe zwischen 35 und 50, die als Kunden bisher fehlten. «Da kann man nur spekulieren. Bestellen sie lieber online oder finden sie keine Zeit mehr zum Lesen?», sagt Graf.

Seit einer Woche laufe der obere Stock aber teilweise sogar besser als der untere. Die Konkurrenz des Onlinehandels würde die Buchbranche als ganzes schon spüren. Viele Menschen würden den Einkauf im Laden jedoch immer noch bevorzugen. Die Beratung sei für viele, vor allem für Eltern, immer noch wichtig. Sie sind beim Kauf froh um Auskunft über den Inhalt eines Buches und ob er der Altersklasse gerecht wird. Zudem können Kinder ihr Buch hier direkt selbst aussuchen. Ein Onlineshop ist aber doch schon in Planung.

«Man macht einfach!»

«Wir fühlen uns sehr wohl», antwortet Graf auf die Frage, wie sie und ihr Geschäftspartner Martin Kramer sich in Rorschach eingelebt haben. Die beiden wohnten und arbeiteten vorher zwanzig Jahre lang in Zürich in grösseren Buchhandlungen. In Rorschach sei der Kundenkontakt näher und herzlicher. In der Grossstadt bleibe man aufgrund der grossen Kundschaft meist eher anonym. Die Selbstständigkeit hätten sie und Kramer nie bereut.

«Es werden schon noch einige Schwierigkeiten auf uns zu kommen. Vor allem in finanzieller Hinsicht. Aber wir werden sie überstehen, da bin ich überzeugt.»

Die selbstständige Arbeit sei unabhängiger und ermögliche dadurch auch das schnellere Umsetzen von Ideen. «Man muss nicht alles zuerst zehnmal besprechen, bevor man etwas Neues ausprobiert. Man macht einfach!»

Die Statistiken zeigen: Es werden weniger Bücher gelesen. Graf sieht den Grund dafür in der beschleunigten Lebensweise. Doch das Blatt wird sich wenden, da ist sie überzeugt. «Lesen ist ein Ritual der Entschleunigung. Man nimmt sich Zeit für sich.» Das sei in der heutigen Zeit zunehmend wichtiger und auch zum Gegentrend geworden. Sie glaubt fest daran, dass irgendwann wieder mehr Leser die Cafés bevölkern. Bis dahin tun sie und Martin Kramer ihr Bestes, die Rorschacher in Bücherwürmer zu verwandeln.

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