Warteggpark wird Theaterbühne

Das Rorschacher Theater Sinnflut wagt sich nach draussen. Im August lädt es im Warteggpark zur Uraufführung des Stücks «Warten auf der Wartegg», eigens für Schloss und Theater geschrieben. Über 2000 Zuschauer sollen kommen.

Corina Tobler
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Sie ziehen die Fäden fürs Freilichttheater (stehend v. l.): Guido Etterlin, Medienchef Hans Ludin, Marthy Strässle, Stefan Meier, Cécile Kleger, Judit Marti, Urs Gnädinger, Christoph Mijnssen mit Karl I. von Österreich sowie (sitzend) Plakatgestalter Andreas Butz und Kristin Ludin. (Bild: Corina Tobler)

Sie ziehen die Fäden fürs Freilichttheater (stehend v. l.): Guido Etterlin, Medienchef Hans Ludin, Marthy Strässle, Stefan Meier, Cécile Kleger, Judit Marti, Urs Gnädinger, Christoph Mijnssen mit Karl I. von Österreich sowie (sitzend) Plakatgestalter Andreas Butz und Kristin Ludin. (Bild: Corina Tobler)

RORSCHACHERBERG. Das Schloss Wartegg ist hoch im Kurs. Eben erst wurde Otmar Elseners Buch übers Schloss und seine Bewohner im Laufe der Zeit veröffentlicht. Nun erhalten das Schloss und ebendiese Bewohner mit «Warten auf der Wartegg» auch noch ein eigenes Theaterstück.

Kaiserliche Migranten im Fokus

Verantwortlich dafür ist das Theater Sinnflut, dessen Regisseurin Kristin Ludin sich schon seit zwei Jahren mit dem Grossprojekt befasst. «Wir fanden, an diesem schönen Platz müsse einmal ein Theater stattfinden. Allerdings wäre es schade, an einem so geschichtsträchtigen Ort, der von vielen interessanten Menschen geprägt wurde, einfach ein bestehendes Stück aufzuführen», sagt Ludin. So erhielt der Schweizer Jean-Michel Räber, der heute als freischaffender Autor im deutschen Heidelberg lebt, den Auftrag, ein Drehbuch rund um die fürstlichen bis kaiserlichen Migranten zu schreiben, die «Wartegg» im Lauf seiner Geschichte bewohnt hatten.

«Entstanden ist aber nicht einfach ein herkömmlicher historischer «Schinken». Das Stück spielt in der Gegenwart, die Rahmenhandlung dreht sich um eine Schauspieltruppe. Leider kommen den Darstellern der historischen Charaktere wie Karl I. von Österreich die Kostüme abhanden – und eine Hauptfigur verschwindet spurlos. Ab dann geht alles drunter und drüber», verrät die Regisseurin, die mit den Sinnflut-Schauspielern mitten in den Proben steckt. Das Stück in fünf Akten sei äusserst lebendig, komisch und dramatisch zugleich. «Man merkt, dass Jean-Michel Räber selbst Schauspieler war, er hat uns wunderbare Dialoge geschrieben.»

Kirche als zweite Bühne

Wunderbar wäre für das Freilichttheater natürlich auch trockenes Sommerwetter. Dann können die Aufführungen im Schlosspark über die Bühne gehen. Das OK rund um Präsident Guido Etterlin hat aber vorgesorgt. «Wir haben für die drei Wochen in der Rorschacher Herz-Jesu-Kirche Gastrecht erhalten. Damit haben wir zwei sehr gute Varianten.»

Überredungskunst brauchten die Theaterleute weder bei Schlossherr Christoph Mijnssen noch bei Kirchenverwaltungsratspräsident Stefan Meier. «Schlösser stehen für Phantasie und Inszenierungen, jede Hochzeit, die hier gefeiert wird, ist eine Art Theater. Sinnflut passt also bestens hierher», so Mijnssen. Auch mit der Kirche – die im Leben der früheren Schlossbewohner von zentraler Bedeutung war – lässt sich das Theater laut Stefan Meier gut vereinbaren. «Die Herz-Jesu-Kirche ist offen für Nutzungen, die der Würde des Gebäudes entsprechen.»

Chor und Trachtengruppe dabei

Den Schlosspark in eine Bühne zu verwandeln, bedingt allerdings einigen Aufwand, wie Infrastruktur-Chef Urs Gnädinger berichtet. «Wir wollen Schloss und Park so inszenieren, dass wir ihnen gerecht werden. Der Park verfügt allerdings über keinerlei Infrastruktur. Wir richten hier eine Bühne von 20 mal 6 Meter Fläche ein, dazu 250 Sitzplätze fürs Publikum.» Platz finden müssen nicht nur die Schauspieler, sondern zusätzlich ein Chor und Mitglieder der Trachtengruppe Rorschacherberg. Sowohl Judit Marti, Leiterin des Chors über dem Bodensee, als auch Marthy Strässle, Präsidentin der Trachtengruppe, arbeiten mit ihren Formationen erstmals mit Sinnflut zusammen. Die Sänger werden als Kammerchor auftreten, die Trachtengruppe – teilweise ist auch deren Kindertanzgruppe im Einsatz – repräsentiert das Volk.

Vorverkauf läuft

Apropos Volk: Dieses soll zahlreich kommen. Das Theater Sinnflut erhofft sich über 2000 Zuschauer an den neun Aufführungen (siehe Kasten). Laut Finanzchefin Cécile Kleger läuft der Vorverkauf gut, der für Stammgäste bereits gestartet ist. Die Ticketpreise liegen mit 35 bis 40 Franken höher als sonst bei «Sinnflut»-Vorstellungen. Dazu Guido Etterlin: «Der Aufwand fürs Freilichttheater ist grösser. Dafür können wir etwas ganz, ganz Spezielles präsentieren.»