Die letzte Tübnacht vor den Wahlen

Publikum lachte in den drei vollbesetzten Dorf-Lokalen über die Scherze von vier Cliquen aus der Gemeinde und bewegte sich zu den lauten Klängen von sechs regionalen Guggen-Gruppen.

Peter Beerli
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Die Füürioo-Clique im Restaurant Löwen: «Statt Quöllfrisch händ mer jetzt es Locher-Wasser.» (Bild: Urs Bosshard)

Die Füürioo-Clique im Restaurant Löwen: «Statt Quöllfrisch händ mer jetzt es Locher-Wasser.» (Bild: Urs Bosshard)

TÜBACH. Von allen Seiten der Region kamen die Guggenmusik-Gruppen, um am Samstagabend die traditionelle Tübnacht zum eigentlichen Monsterkonzert zu machen: Die Faltäfäger, die Röräheizär und die Postmusik brachten den schrillen und doch immer wieder gerne gehörten Lärm aus Rorschach mit. Die Schalmeien von der Holzmaskenzunft hatten sich von Arbon, die Räbäforzer aus Thal und die Moschtoniker aus Wittenbach ans grosse Treffen aufgemacht, dass das «Landhaus», den «Löwen» und die «Sonne» bis auf den letzten Platz füllte. Sämtliche Gemeinderäte und viel weitere Dorf-Prominenz hatten ein Plätzchen gefunden.

Mister X ersetzt den Römer

Eingebettet ins grosse Konzert traten drei im Dorf vertraute Cliquen auf, die Tüblacher vom Männerchor mit Text, Bild und Melodie, die esoterisch angehauchten Damen, welche sich Stockenten nennen, und die Gruppe von der Feuerwehr mit Horn und Spritze. Nur der Name von Mister X stand neu im Programm. Doch, wer genau hinhörte, was der stark auftretende Mann im Kilt der Schotten zu sagen hatte, erkannte bald den einstigen Römer, welcher die Kleider ausgewechselt hatte und gar einen kurzen Blick unter den Schottenrock gewährte.

«Au revoir Bienvenue»

Für welche aktuellen Schwerpunkte hatten sich die Verseschmiede entschieden? Keine einzige Gruppe liess sich das Thema der bevorstehenden Wahlen nehmen, auch wenn Mister X findet: «Die Medienpräsenz schon vor der Wahl bereitet vielen Leuten eine Qual.» Die Tüblacher widmeten der sich verabschiedenden Kultur-Tante Yvonne Bienvenue, welche bei andern Gruppen weit weniger herzlich davonkam, ein freundliches Au revoir. Die Stockenten wandten sich der Zukunft zu, fragten, ob eine der beiden guten Kandidatinnen eine Chance hätte oder doch der grosse Unbekannte mit dem unschweizerisch anmutenden Vornamen. «Ist die Bürgerversammlung ein alter Zopf oder liebe Tradition?» diskutierten die Stockenten weiter und kamen zum Schluss, wichtig sei dabei ohnehin nur der von Helfenberger servierte Apéro.

Papst und Kaiser im Dorf

Die Tüblacher wandten sich höheren Wahlhoffnungen zu, jenen von Michael Götte in den Regierungsrat. Sie liessen die den Wassersegen spendende Judith nachdenken: «D Judith tenkt, es wör em au nöd schade. Me sött en grad im heilige Wasser bade. Denn überleit si, sini Waal , die birgt au Gfoore. Für Tübach wär er nämlich denn verlore.» Verloren ist schon Ernst Locher, der sich laut den Tüblacher «Petri Heil» mit «Weidmanns Heil» ergänzt, laut Mister X seine Küche aber gar durch Wilderei verbessern will, Von ihm bleibt Tübach nach dem Spruch der Feuerwehrgruppe sicher eines; «Quöllfrisch trinket d Appezeller Manne und Fraue und z Rorschach tüends Kornhusbier braue. Aber Tübach tuet e Quelle fasse: statt Quöllfrisch händ mer jetzt es Locher-Wasser.»

Natürlich lief noch anderes als Wahlkämpfe. Die Tüblacher litten mit den zu des Schulpräsidenten Abschiedsfahrt im Car Eingeladenen: «Und denn stönds im Stau und de Stau macht's zur Sau. Sie stönd stunde- lang und ärgered sich grüe und blau. Im Oberland wartet feins Trinke und Esse und si sind die ganz Ziit im Car uf em Trochne gsesse.» Das von Doris für die Raucher vor der «Sonne» aufgestellte Western-Landhaus fand vielfache Beachtung.

«Wilsch mi no als Geisle ha?»

Mister X erinnerte an zu Guttenberg, Griechenland und den Blatter Sepp. Er regte sich über Dr. Mangs Künste auf und und hatte in die Rechtschreibreform-Diskussion am Tübacher Stammtisch hineingehorcht. Mister X verzichtete auf einen Papstvers, und die Feuerwehrler beugten sich Blatter Sepps Schnitzelbank-Zensur. Drei wichtigen aus der internationalen Politik Verschwundenen aber gedachten die Feuerwehrleute: «Dä Ghadaffi schribt de Calmy Rey: Micheline, ciao, scho lang nüm gsee. I bi im Seich, do frög i aa, wilsch mi no als Geisle ha? – Dä Berlusconi lütet au no a, Micheline, wönd mir Bunga Bunga ha? S welsche Ponny us Genf seit, jetzt isch gnueg, und nimmt drufabe grad de Huet.»