Der Tango spielt im Café Schnell mit

Das Rorschacher Theater Sinnflut führt im Oktober das Stück «Altweibersommer» vom Basler Hansjörg Schneider auf. Als Bühne dient den Schauspielern das Café Schnell. Untermalt wird das Theater von argentinischem Tango, gespielt vom Trio Corretto.

Christoph Renn
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Die Theatergruppe Sinnflut spielt das Stück «Altweibersommer». (Bild: pd)

Die Theatergruppe Sinnflut spielt das Stück «Altweibersommer». (Bild: pd)

RORSCHACH. Heute klappt, was vor 20 Jahren noch nicht gelang: Das Rorschacher Theater Sinnflut führt das Stück «Altweibersommer» von Hansjörg Schneider auf. Laut Vereinspräsident Guido Etterlin habe damals der Gruppe ein Regisseur gefehlt, und die Probearbeiten hätten nach einigen erfolglosen Monaten eingestellt werden müssen. Nun proben die Schauspieler Schneiders Werk unter der Leitung von Kristin Ludin. Premiere ist am 23. Oktober um 20 Uhr im Café Schnell in Rorschach.

Drei Bühnen im Café

Die Wahl des Spielortes ist nicht zufällig. «Wir wollen Altes aufleben lassen. Darum ist das Café Schnell optimal für uns», sagt Etterlin. Aber nicht nur die Räumlichkeit erinnere an frühere Zeiten. «Wir konnten einige aus der damaligen Küchencrew gewinnen, die vor und nach der Aufführung kleine Häppchen zubereiten.» Das Stück wird mit argentinischer Tangomusik untermalt – gespielt vom Trio Corretto. In Anbetracht der argentinischen Café-Tradition passe das Café Schnell als Bühne umso mehr. Und das Café ist zugleich Bühne. «Wir spielen an drei Orten im <Schnell>», sagt Regisseurin Kristin Ludin.

Trotz Überfluss in Not

Die Formation besteht aus den etablierten Schauspielern von Sinnflut. Einer ist zum ersten Mal dabei, und er spielt sogleich Stephan, den Hauptprotagonisten im Stück aus den Anfängen der 80er-Jahre. Er ist gefangen in familiären Konventionen, leidet unter Zwängen der Gesellschaft, und seine Beziehung zum weiblichen Geschlecht gibt ihm auch nicht den nötigen Biss, um in dieser Welt zu bestehen. Ungewollte Ferien mit seiner Mutter und sein sturer Drang, sich allem Leben zu verweigern, lassen nichts Gutes ahnen. Bis er Natasha begegnet. Ihre Gedanken und ihre Liebe zum Tango lassen die Hoffnung auf Lebenslust für Stephan aufkeimen. «Der Protagonist spiegelt seine Zeit wider. Obwohl er im Überfluss lebt, gerät er in Not», sagt Ludin. Seine Melancholie sei mit Träumen verbunden. Die Tangomusik mache das Stück besonders, denn «Schneider ist es gelungen, die Musik in ein Theaterstück zu verwandeln».

Die Proben laufen seit Frühling, die Vorbereitungen hätten bereits im Winter begonnen. «Weil wir nicht immer am selben Ort spielen, ist die Logistik nicht einfach», sagt Ludin. Und bereits laufen die Vorbereitungen für ein weiteres Stück: Im kommenden Jahr spielt das Theater Sinnflut im Warteggpark. Zuerst stehen aber die neun Aufführungen des «Altweibersommer» an.

www.theater-sinnflut.ch