«Das darf nie mehr passieren»

Angestellte des Spitals Rorschach haben Patientendossiers unbeaufsichtigt draussen stehen lassen. Der Medienbeauftragte des Kantonsspitals St. Gallen, Philipp Lutz, spricht von einem einmaligen, aber sehr bedauerlichen Vorfall.

Rudolf Hirtl
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Phillip Lutz, Mediensprecher Kantonsspital St. Gallen/Rorschach: «Wir gehen davon aus, dass es sich um ein einmaliges Fehlverhalten ohne mutwillige Absicht handelt.» (Bild: Alexandra Pavlovic)

Phillip Lutz, Mediensprecher Kantonsspital St. Gallen/Rorschach: «Wir gehen davon aus, dass es sich um ein einmaliges Fehlverhalten ohne mutwillige Absicht handelt.» (Bild: Alexandra Pavlovic)

Die vor dem Spital Rorschach herumliegenden Patientendossiers haben es als Story bis in die Sendung «10vor10» geschafft. Wie brisant war die Situation tatsächlich, was hätte schlimmstenfalls passieren können?

Philipp Lutz: Der Schutz medizinischer Daten muss in einem Spital eine sehr hohe Priorität haben. Wenn beim Umgang mit solchen Daten etwas schiefläuft, dann ist das nie gut und schlimm genug. Die Brisanz ist also gegeben.

Gibt es Reglemente oder Vorschriften, wie innerhalb des Unternehmens mit vertraulichen Patientenakten umzugehen ist, diese gegebenenfalls entsorgt werden müssen?

Lutz: Ja. Die Prozesse sind vorgegeben.

Und was schreiben diese Prozesse vor?

Lutz: Dass Patientendaten nie unbeaufsichtigt bleiben dürfen.

Wurden die Akten bisher immer derart «fahrlässig» entsorgt, hat man dies aber erst jetzt mehr zufällig festgestellt?

Lutz: Wir gehen von einem Einzelfall aus.

Wie lange standen die Gitter unbewacht herum?

Lutz: Nach den aktuellen Erkenntnissen gehen wir davon aus, dass die Gitter rund drei Stunden unbewacht auf dem Areal des Spitals standen.

Wieso waren die Gitter nicht versperrt?

Lutz: Für die Entsorgung von Patientenakten gibt es spezielle, abschliessbare Gebinde. Seitens des Spitals wurden aus Versehen die falschen Behälter verwendet.

Weshalb werden die Akten überhaupt entsorgt?

Lutz: Die Aufbewahrungspflicht von Krankengeschichten endet je nachdem, ob Blut gegeben wurde oder eine Studie durchgeführt wird, nach spätestens zwanzig Jahren. Aus Platzgründen werden die ältesten Akten daher entsorgt.

Wohin gehen die Dossiers, werden diese geschreddert oder verbrannt?

Lutz: Die Akten gehen zu einer lizenzierten Entsorgungsfirma in der Ostschweiz, die die gesetzeskonforme, fachgerechte Entsorgung gewährleistet. Die Dokumente werden geschreddert, und zwar so, dass die Dokumente nicht mehr rekonstruierbar sind.

Was passiert nun, wie geht die Spitalführung mit der Situation um?

Lutz: Die fraglichen Akten wurden noch am folgenden Morgen abgeholt und fachgerecht entsorgt. Die Geschäftsleitung nimmt diesen Vorfall zum Anlass, um die Sensibilität im Umgang mit heiklen Daten generell im ganzen Unternehmen einmal mehr zu thematisieren. Die bestehenden Richtlinien und Abläufe werden am kommenden Montag in den Teamsitzungen aller betroffenen Bereiche nochmals besprochen und die Umsetzung wird sichergestellt.

Haben die Angestellten, die das Ganze verursacht haben, mit Konsequenzen zu rechnen?

Lutz: Nach den bisherigen Gesprächen gehen wir davon aus, dass es sich um ein einmaliges Fehlverhalten ohne mutwillige Absicht handelte. Mit den direkt betroffenen Mitarbeitern wird der Vorfall selbstverständlich noch genau analysiert. Im Fokus steht aber der ganze Prozess. Es ist das oberste Ziel, dass wir alle im Spital unsere Lehren aus diesem Vorfall ziehen und die nötigen Massnahmen treffen, damit sich eine solche Panne nie mehr wiederholen kann.