«Bürger sollen das letzte Wort haben»

THAL. Mit dem Referendum entscheiden die Stimmberechtigten der Gemeinde Thal am 18. Mai an der Urne, ob der Kanton im Fuchsloch einen Durchgangsplatz für Fahrende einrichten kann. Der Gemeinderat empfiehlt ein Ja, Gegner planen eine kleine Nein-Kampagne.

Fritz Bichsel
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Der geplante Standort für den Durchgangsplatz für Fahrende: Zwischen Staad und Buriet an der Bahnlinie. (Bild: Fritz Bichsel)

Der geplante Standort für den Durchgangsplatz für Fahrende: Zwischen Staad und Buriet an der Bahnlinie. (Bild: Fritz Bichsel)

Gegen zwanzig Personen hätten gesagt, man müsse etwas unternehmen und jetzt Unterschriften gesammelt, sagt Andreas Herzog. Er führt beim geplanten Standort einen Bauernhof und übernahm «die Rolle des Schwarzen Peters beim Lancieren des Referendums» (Tagblatt von gestern). Ihm gehe es auch darum, «dass die Bürger das letzte Wort haben». Nur wenige hätten bemerkt, dass es beim amtlichen Inserat «Teilzonenplan Fuchsloch» um den Durchgangsplatz für Fahrende gehe.

«Nicht gegen Fahrende»

In Buechen-Staad sei das Thema bekannt und hätten die meisten Angefragten unterschrieben – «auch, damit die Bürger entscheiden können». Einige hätten gezögert wegen der Bemerkung von Gemeindepräsident Raths, wenn Thal die Fahrenden nicht nehme, könnten mehr Asylbewerber zugewiesen werden. Im Dorf Thal hätten die Leute wenig vom Projekt gewusst und weniger Bedenken. Vor ihrer Türe aber wollten sie einen solchen Platz auch nicht.

«Wir gönnen Schweizer Fahrenden Plätze», betont Andreas Herzog nochmals. Probleme würde es aber erfahrungsgemäss geben mit grossen Gruppen ausländischer Fahrender. Und ihn als Landwirt störe, dass der Kanton zur Zersiedelung beitrage, wenn er für einen solchen Platz ein Grundstück im Grünen nutze. Die Organisatoren des Referendums wollten für die Urnenabstimmung «keine grosse Kampagne machen, sondern nur die Bürger noch näher informieren».

«Ein tolerierbarer Standort»

Der Platz für die Saison, in der Fahrende in Wohnwagen von Region zu Region ziehen, ist geplant an der Bahnlinie zwischen Staad und Buriet auf von der Armee aufgegebenem Lagergelände. Der Gemeinderat sei zum Schluss gekommen, «das sei dort tolerierbar», sagt Gemeindepräsident Robert Raths. Die Behörde habe viel aufgeklärt und sich für eine Lösung zugunsten von Schweizer Fahrenden eingesetzt, «obwohl das für die Gemeinde kein Muss ist». Nun werde sie beantragen, dem Teilzonenplan für eine «Intensiverholungszone Fahrende» zuzustimmen. «Dann haben die Bürger das Wort.»

Erst zwei Projekte statt sechs

Die ohnehin schwierige Suche nach Plätzen für Fahrende steht im Kanton St. Gallen unter einem schlechten Stern. Ein Konzept sieht sechs Plätze für Halt in der Saison vor. Der Kantonsrat bewilligte Kredite für Plätze in Thal – wo bereits Schweizer Fahrende halten – und Gossau. Auf weitere trat er nicht ein. Die Regierung wollte die Plätze für Schweizer (Jenische) reservieren, kam aber nach einem Gutachten zum Schluss, das wäre diskriminierend. Die angestrebte Lösung mit grossen Plätzen für ausländische Fahrende (Sinti und Roma) an anderen Orten hängt in der Luft, weil der Kantonsrat kein weiteres Geld bewilligte.

Gegen das Projekt «Durchgangsplatz Thal» sind noch vier Einsprachen hängig – hauptsächlich wegen der Zufahrt und der weiteren Erschliessung. Weil der Zonenplan der Gemeinde revidiert wird, beantragt der Kanton aber bereits die Umzonung .

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