Spektakulärer Holztransport

Im und über dem Mattenbachtobel spielt sich diese Woche Spektakuläres ab. Ein Helikopter transportiert aus dem unzugänglichen Tobel rund 1700 Kubikmeter Holz ab, das seit dem Unwetter im Juni 2013 dort liegt.

Martin Brunner
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Der Helikopter fliegt rund 1700 Kubikmeter Holz aus dem Mattenbachtobel. (Bild: mbr)

Der Helikopter fliegt rund 1700 Kubikmeter Holz aus dem Mattenbachtobel. (Bild: mbr)

WIENACHT-TOBEL. Bewohner zwischen Grub AR und Thal SG kommen voraussichtlich noch bis Ende Woche in den Genuss eines aussergewöhnlichen Spektakels. Ein Helikopter senkt sich ein ums andere Mal ins Mattenbachtobel ab, bis das 50 Meter lange Seil den Grund erreicht hat. Ein Flughelfer und Forstarbeiter klemmen am daran befestigten Doppelklicker portionierte Holzladungen fest, die der Heli gestern an den Abladeplatz gleich unterhalb der Bahnstation Wienacht-Tobel flog. Läuft alles rund, so wird das Tobel bis gegen Ende Woche von 1700 Kubikmetern Schwemmholz befreit sein.

Gefahren bannen

Dieser Einsatz ist für die Anwohner zwar mit Lärm verbunden. Doch er wurde zur Sicherheit der Bevölkerung notwendig. Der Ursprung liegt im Unwetter im Juni 2013, als innerhalb von drei Tagen 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter die ohnehin schon nassen Böden ins Rutschen brachten. Bäume fielen in den Mattenbach oder wurden instabil. Im Tobel sammelten sich dadurch grosse Mengen Schwemmholz an. Kreuz und quer lagen die Baumstämme gestern noch im Tobel, bevor sie entfernt wurden. «All das Material wird dann zu einer Gefahr, wenn wieder ein Unwetter auftritt und herumliegendes Holz den Bachlauf verstopft», sagte Beat Fritsche, stellvertretender Oberförster AR, an der gestrigen Pressekonferenz. Würde deswegen eine Flutwelle entstehen, so wären vom Wasser der hohe Damm der Appenzeller Bahn zwischen Wienacht und Heiden sowie das Siedlungsgebiet von Thal besonders betroffen.

Hohe Kosten

Um diese Gefahren zu bannen, machten sich die Forstverantwortlichen der Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen (Waldregion 1) an die Arbeit mit dem Ziel, das herumliegende Holz so schnell als möglich aus dem Tobel zu entfernen. «Wir konnten an diesem herausfordernden Projekt lösungsorientiert arbeiten», sagte Raphael Lüchinger, Leiter Waldregion 1 St. Gallen. Die Kosten von 200 000 bis 250 000 Franken würden auf den Bund, die zwei Kantone, die Standortgemeinden Grub AR, Heiden, Lutzenberg und Eggersriet sowie die Nutzniesser Appenzeller Bahn und Thal aufgeteilt.

Für Abtransport vorbereitet

Der Betrag fällt nicht zuletzt deshalb so hoch aus, weil das Mattenbachtobel durch die Tiefe und die Steilheit einen normalen Abtransport des Holzes verunmöglichte. Es blieb nur, dieses über den Luftweg zu vier Abladeplätzen zu bringen. Einer liegt unterhalb des Bahnhofes Wienacht-Tobel, wo Material für den Abtransport aufgeschichtet wird. Die gesamte Menge entspricht rund 80 Lastwagenladungen. «Wir hoffen, dass wir das Holz verkaufen können», sagte der St. Galler Förster Benjamin Gautschi. Unter seiner Leitung war das Holz seit Februar für den Heli-Einsatz vorbereitet worden.

Spezieller Helikopter

Für die Verantwortlichen einer Forstregion dürfte ein solches Projekt die Ausnahme darstellen. Für Renato Giezendanner von der Helikopterfirma Rotex gehören sie zum Alltag. «Wir haben uns auf solche Holztransporte spezialisiert», sagte er. «Mehrere Piloten und vier Helferteams sind bei diesem Projekt vor Ort.» Im Einsatz seien speziell für solche Transporte gebaute Helikopter ohne Heckrotor, dafür zwei Hauptrotoren. «Damit wird es möglich, eine Last von bis zu 2,7 Tonnen pro Mal zu tragen.» Der Heli wird trotzdem noch einige Zeit in der Luft sein, bis die 1700 Kubikmeter Holz aus dem Mattenbachtobel entfernt sind.