Crashkurs zum Holzschlag

30 Jahre lang wurde das Gebiet Pfaffennaseholz-Wannewies nicht gepflegt. Nun tun sich sieben Waldeigentümer zusammen. Beim Holzschlag auf acht Hektaren werden 1500 Bäume gefällt, gleichzeitig wird der Wald aufgewertet.

Corina Tobler
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Die von Benjamin Gautschi geführte Gruppe erreicht das Ende der Besichtigung. Das Holz aus dem Pfaffennaseholz (hinten) wird abtransportiert. (Bilder: Corina Tobler)

Die von Benjamin Gautschi geführte Gruppe erreicht das Ende der Besichtigung. Das Holz aus dem Pfaffennaseholz (hinten) wird abtransportiert. (Bilder: Corina Tobler)

BERG SG. Der Aufmarsch ist gross, viel grösser, als Revierförster Benjamin Gautschi erwartet hat. Über hundert Interessierte aus allen Altersklassen erscheinen am Samstag zur Besichtigung der Holzschlagarbeiten im Pfaffennaseholz. Sie werden nicht enttäuscht und erhalten Informationen und Demonstrationen zu allen Aspekten des aussergewöhnlichen Projekts, das derzeit im Gange ist.

Aufwerten für die Zukunft

Auf den acht Hektaren, die seit einem Monat bearbeitet werden, wuchs der Wald dreissig Jahre lang wild. «Ein Holzschlag war überfällig. Dass es nun klappt, ist der Tatsache zu verdanken, dass nicht nur einer, sondern sieben Waldeigentümer mitziehen. Das setzt die Hemmschwelle herab – vor allem finanziell», erklärt Gautschi. Er koordiniert den Holzschlag, ausgeführt wird er von den Forstunternehmern Albert Ammann, Häggenschwil, und Markus Osterwalder, Wittenbach. Sie sollen, sofern das Wetter es zulässt, im Winter 1500 Bäume fällen und so rund 1700 Kubikmeter Holz gewinnen.

Das vor einem Jahr initiierte Grossprojekt verfolgt mehrere Ziele. Rund 60 Prozent der bearbeiteten acht Hektaren sind Schutzwald, der Stabilität und Nachhaltigkeit garantiert. Eine ökologische Aufwertung erfährt der Waldrand, der sich bereits sichtbar gelichtet hat. «So können wir Lichtbaumarten wie die Eiche fördern, die es im dichten Wald schwer haben. Um nachzuhelfen, nehmen wir hier einige gezielte Pflanzungen vor», so Gautschi. Im Sinne der Aufwertung entstehen an zwei ohnehin nassen Stellen kleine Lurchtümpel. Auch die Wannewies erhält ein Facelifting. Sie ist vom wildwuchernden Brombeer befreit. Am Waldrand um die Wiese sind die Fällarbeiten im Gang. Mit der Motorsäge bereiten zwei Arbeiter eine Rottanne vor. Bald ertönt der warnende Ruf: «Baum fällt!»

Finanzierung über Beiträge

Ein zentraler Punkt für jeden Holzschlag ist die Erschliessung – 1500 Bäume müssen aus dem Wald transportiert werden, und zwar auf erschwingliche und umweltfreundliche Weise. Voll maschinell zu arbeiten, so Gautschi, mache keinen Sinn. Stattdessen wurden bestehende Rückegassen geöffnet, über welche die sieben Tonnen schweren Forwarder das entastete Holz transportieren. Diese Rückegassen, die sich von der Belastung rasch erholen sollen, werden nach dem Holzschlag ins Wegnetz im Wald integriert. Zudem wird entlang der bestehenden Wanderwege geholzt, genauso wie um die SAK-Leitung, die vom Weiler Rütli quer durch den Wald nach Mörschwil verläuft.

Die Arbeiten an Wanderwegen und Leitung sowie die ökologische Aufwertung des Waldes sind wichtige Faktoren für die Finanzierung des Holzschlags, weil die SAK sowie Bund und Kanton Beiträge entrichten. Der Ertrag hängt von der Qualität des Holzes ab, das laut Gautschi hauptsächlich als Brennholz genutzt wird. Es wird an regionale Betriebe verkauft. Die ausführenden Forstunternehmer haben den Waldeigentümern eine Defizitgarantie ausgestellt. «Dieser Holzschlag soll auf jeden Fall Gewinn bringen. Dies aber in erster Linie für die Natur, die Waldeigentümer und die Öffentlichkeit», fasst Benjamin Gautschi zusammen.

Zweiter Holzschlag im Vogtholz

Der Holzschlag in Berg ist nicht der einzige in seinem Revier. Auch im Eggersrieter Vogtholz stehen diesen Winter Arbeiten auf acht Hektaren Fläche an, in die elf Eigentümer involviert sind. «Wir schlagen dort nur 900 bis 1000 Kubikmeter, das Holz ist aber besser verkäuflich als in Berg, was die finanzielle Seite vereinfacht», sagt er. Nach den Vorbereitungsarbeiten ruht das Vogtholz vorerst. «Wenn der Boden gefriert, beginnen wir mit dem Holzschlag.»

Rund um die Wannewiese (vorne) wird gefällt, im Bild eine Rottanne.

Rund um die Wannewiese (vorne) wird gefällt, im Bild eine Rottanne.