«Rorschach war schon früh eine mobile Ecke»: Jahresheft voller Anekdoten

Das neuste Jahresheft widmet der Kulturhistorische Verein der Region Rorschach dem Thema Mobilität. Nicht nur Bahn, Autos und Schiffe prägten das Bild von Rorschach – auch Töffli und Velo.

Sandro Büchler
Merken
Drucken
Teilen
Richard Lehner (links) und Peter Müller präsentieren im Treppenhaus Rorschach das Jahresheft des Kulturhistorischen Vereins Region Rorschach. (Bild: Sandro Büchler)

Richard Lehner (links) und Peter Müller präsentieren im Treppenhaus Rorschach das Jahresheft des Kulturhistorischen Vereins Region Rorschach. (Bild: Sandro Büchler)

Richard Lehner fragt beiläufig, ob man heute noch Töffli frisieren würde. Da raunt es durch das Publikum im Treppenhaus Rorschach: «Ja, sicher.» Lehner hat soeben das vierte Jahresheft des Kulturhistorischen Verein der Region Rorschach vorgestellt. Sein Lieblingsbild ist ein Schwarz-Weiss-Foto, auf dem zwei Personen ein Mofa reparieren.

Ein zufälliger Moment aus dem Jahr 1990. Doch für Bibliothekar Lehner sinnbildlich, wie sich die Technik verändert hat: «Es gibt keine Kiesstrassen mehr, alles ist schneller geworden, die Schiffe auf dem Bodensee rauchen heute nicht mehr.» Bei den Arbeiten zum Heft sei ihm bewusst geworden, welche Bedeutung die Mobilität auf die Entwicklung der Region habe. Schiffe würden heute kein Korn mehr über den See transportieren, dafür haufenweise Touristen.

Sammelsurium von Geschichten

Rorschach sei stets ein Knoten von Bahn-, Strassen- und Schiffsverkehr gewesen. «Die Lage ist ein Geschenk, welche wir als selbstverständlich erachten», sagt Lehner. Das Jahresheft vereint etliche Episoden aus vergangenen Zeiten. Vom Veloclub Rorschach, der in den 1930er-Jahren über 400 Mitglieder zählte, zu den Bahnübergängen der Stadt, den Schnittpunkten von Eisenbahn und Strassenverkehr, die früher wie heute Gefahrenherd und Politikum zugleich sind, bis hin zu den Anfängen der Aviatik – mit Wasserflugzeugen.

«Rorschach war schon früh eine mobile Ecke der Schweiz», bestätigt auch Historiker und Autor Peter Müller. Beim Zusammenstellen der Bilder sei ihm klar geworden, wie reich und vielschichtig Mobilität sei. Eindrücklich sei für ihn, wie der Bau der Autobahn das Bild der Region verändert habe. Müller spannt den Bogen zur Gegenwart:

Die Autobahn habe sich «fundamental», nicht nur auf die Landschaft, sondern auch auf den Alltag ausgewirkt. «Ähnliches erleben wir heute mit der Kommunikation.»

Im Rückblick falle auf, welch ruhiges und geerdetes Leben die Leute führten. «Es verdeutlicht aber auch, in welch einer überdrehten Welt wir heute leben.» Doch Nostalgie sei fehl am Platz, relativiert Müller sogleich. Nicht alles sei gut gewesen: «Ich bin zum Beispiel sehr froh, musste ich damals keinen Zahnarzt besuchen.»

Das Titelbild des vierten Jahrhefts des Kulturhistorischen Vereins voller Utopien zur Mobilität. (Bild: PD)

Das Titelbild des vierten Jahrhefts des Kulturhistorischen Vereins voller Utopien zur Mobilität. (Bild: PD)