Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Das ist nicht normal für Rorschach»: Grosse Unterstützung für beschimpfte Wirtin

Viel Zuspruch erhält der Beitrag einer Wirtin in den sozialen Medien. Nikol Bohunicky wurde von einem Mann bedrängt, weil sie Ausländerin ist. Auch andere Betroffene erzählen.
Ines Biedenkapp
Das «Perron» an der Hafenmeile Rorschach. (Bild: Ines Biedenkapp)

Das «Perron» an der Hafenmeile Rorschach. (Bild: Ines Biedenkapp)

«Wenn du nicht folgst was ich dir sage, dann sorge ich dafür, dass du von hier verschwindest.» Solche Sätze musste sich die Wirtin der Bar Perron vergangenen Mittwoch anhören. Der Mann, bezeichnete sich als «der einzige Schweizer im Hafen.» Die üblen Anschuldigungen veröffentlichte Nikol Bohunicky vergangene Woche auf Facebook.

Durch diesen Post wollte sie in Erfahrung bringen, ob die Stimmung in der Region Rorschach feindlicher gegenüber nicht gebürtigen Schweizern wird. So schrieb die Wirtin unter anderem: «Ich mache mir Gedanken, ob der Herr nur ein Einzelfall war, oder ob die Stimmung gegenüber uns ‹Ausländern›, die in der Schweiz arbeiten und leben so feindlich geworden ist.»

Kommentare, die Mut machen

Bis Montagabend hatte sie bereits 25 Kommentare unter ihrer Nachricht. Dazu wurde der Beitrag 24 Mal unter den Benutzern geteilt und 28 Mal geliked. Geantwortet haben der Wirtin nicht nur Ausländer, sondern auch gebürtige Schweizer.

Viele sprechen ihr darin Mut zu. Einer der Kommentare lautet etwa: «Mach dir keine Gedanken, das ist ein Einzelfall.» Oder: «Da hat anscheinend jemand seinen Frust an Ihnen ausgelassen.» Andere Nutzer des Netzwerks finden es traurig, dass solch ein Vorfall auch in Rorschach vorkommt. «Bleib stark und ignoriere solche Menschen», oder «Der Typ läuft anscheinend völlig am Leben vorbei», sind nur einige der Äusserungen, die zu lesen sind. Die Facebook-Nutzer sind sich darüber einig, dass dies ein Einzelfall ist. Denn Rorschach mit seinem hohen Anteil an ausländischen Bewohnern gelte als eine friedliche, kulturell offene Stadt.

«Rorschach ist eine multikulti Stadt, die sehr sozial und offen ist»

sagt Adriana Alismeno, die seit 23 Jahren den «Hirschen» in Rorschach leitet. Die gebürtige Italienerin hatte hier nie Probleme. Im Gegenteil, Rorschach ist ihre Heimat. «Das ist nicht normal für Rorschach.»

Davon ist auch Michael Gerlach, der zusammen mit seiner Frau das Thai-Restaurant Angehrn leitet, überzeugt. Der gebürtige Berliner kam vor rund 20 Jahren in die Schweiz. Seit zwölf Jahren lebt er in Rorschach. «Direkte Anfeindungen gab es nicht, das war eher unterschwellig», sagt er über seine Anfänge. «Aber das war vor über zehn Jahren. In Rorschach kommt man super miteinander klar.» Die Nationalität spiele im Zusammenleben normalerweise gar keine Rolle. «Rorschach könnte darin auch ein Beispiel für andere Städte sein», ist sich Michael Gerlach sicher. Er rät der befreundeten Wirtin, sich einen solchen Vorfall nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. «Man darf sich nicht durch so etwas unterkriegen lassen und muss weiter positiv denken.» Auch für die Stadt Rorschach sind die Anfeindungen ein Einzelfall:

«Rorschach ist alles andere als fremdenfeindlich»

sagt Marcel Aeple, Stadtschreiber der Stadt Rorschach. «Uns sind keine weiteren solche Fälle bekannt. Das ist ein Einzelfall und sollte nicht verallgemeinert werden», sagt er.

Hausverbot oder Anzeige

Eine Möglichkeit bei solchen Anfeindungen, wie es die Wirtin des «Perron» erlebte, sei, zu verlangen, dass der Gast ihr Lokal verlasse. Gleichzeitig könne sie ein Hausverbot aussprechen, das am besten per Einschreiben bestätigt werde. Sollte die Person das Lokal wieder betreten, könne die Polizei beigezogen werden. «Die Kantonspolizei St. Gallen verzeigt dann die Person bei der Staatsanwaltschaft wegen Hausfriedensbruchs, sofern die Wirtin einen entsprechenden Strafantrag unterzeichnet», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen.

Eine weitere Möglichkeit wäre eine direkte Anzeige. Nach einer sogenannten Tatbestandsaufnahme, bei der die Beamten mit der betroffenen Person und der Gegenpartei sprechen, würde das Anliegen an die Staatsanwaltschaft weiter geleitet werden.

Trotz der Anfeindungen, die ihr widerfuhren, macht Nikol Bohunicky auch positive Erfahrungen in diesem Zusammenhang: «Ich habe unglaublich viel Unterstützung, gut gemeinte Ratschläge und viel positive Energie von euch erhalten», schreibt sie auf Facebook. «Dies gibt mir wieder Kraft, Mut und vor allem Zuversicht für meine weitere Zukunft in der Schweiz.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.