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Unterirdische Bäche: Rorschach ist ein regelrechtes Wasserschloss und das freut nicht immer alle Bauherren

Unter der Stadt Rorschach verlaufen neun Bäche – ein Umstand, der Bauprojekte komplizierter machen kann. Denn das Bundesgesetz sagt: Wer Bäche beim Bau öffnet, muss sie offen lassen.
Martin Rechsteiner

orschach ist die flächenmässig kleinste Gemeinde im Kanton, gleichzeitig ist sie eine Stadt. Das bedeutet, sie besteht mehrheitlich aus überbautem Grund. Dennoch plätschert es auf ihrem Gebiet: Nicht weniger als neun Bäche schlängeln sich vom Berg hinunter in Richtung See und durchfliessen dabei die Stadt.

Dies tun sie, spätestens seit dem vergangenen Jahrhundert zwecks Baulandgewinn mehrheitlich im Untergrund. Das Zeitalter der Bach-Befreiungen macht aber vor Rorschach nicht halt: Die Gemeinden sind durch Bundesrecht verpflichtet, eingedolte Gewässer offenzulegen.

Bäche verlieren ihr Beton-Korsett

Dies geschieht in Rorschach nach und nach. So ist seit kurzem ein Stück des Mühletobelbachs aufgedeckt, ein Teil des Adlerbachs ist seit dem Bau des Stadtwalds freigelegt und der kleine Feldmühlebach soll, wenn die Überbauung Feldmühle realisiert wird, südlich der Gleise wieder an der Oberfläche fliessen.

Denn als eine «Gelegenheit», einen unterirdischen Bach offenzulegen sieht das Eidgenössische Wasserschutzgesetz Bauprojekte, welche die Eindolung tangieren. Wer also zum Beispiel ein Haus neu baut und dabei etwas an der Röhre mit dem Bach, der unter dem Grundstück fliesst, machen muss, ist grundsätzlich dazu verpflichtet, ihn offen zu lassen. Fliesst er direkt unter dem Gebäude, muss er an die Oberfläche geholt und umgeleitet werden.

In vielen Fällen gibt es Ausnahmen

Das Gewässerschutzgesetz sieht allerdings Ausnahmen vor, nämlich wenn eine offene Wasserführung «nicht möglich ist». Diese Bundesvorgaben sind durch die Gemeinden und den Kanton zu beurteilen.

Renato Lenherr vom kantonalen Amt für Raumentwicklung und Geoinformation St. Gallen (Areg) erklärt: «Unmöglich ist eine offene Wasserführung zum Beispiel, wenn dies die baulichen Gegebenheiten vor Ort nicht zulassen oder die Strecke so kurz ist, dass die Offenlegung ökologisch sowie hydraulisch keinen Sinn macht. Auch die Tiefenlage einer Eindolung kann die Offenlegung verhindern.» Ausnahmen seien im Einzelfall abzuwägen, «insbesondere in dicht überbauten Gebieten wie Rorschach lässt die Gewässerschutzverordnung Spielraum, um Innenentwicklungsprojekte oder einzelne Bauprojekte umsetzen zu können». Sprich, in der Stadt kann in vielen Fällen eine Ausnahme geltend gemacht werden.

Kanton muss zustimmen

Gleich ist es beim Aus- oder Neubau von Gebäuden, die direkt über einem unterirdischen Bach und somit im sogenannten Gewässerabstandsbereich stehen. In dieser Zone ist für Bauvorhaben eine zusätzliche kantonale Zustimmung nötig, auch wenn nichts an der Eindolung gemacht wird. «Diese Zustimmung wird, bei Gebäuden mitten in der Stadt, in der Regel erteilt», sagt Lenherr. Er verweist darauf, dass auch hier jeder Fall einzeln beurteilt werden muss.

Nicht erteilt wurde die Zustimmung zum Beispiel bei einem Projekt, das die Stadt Rorschach erst vor kurzem der Öffentlichkeit vorgestellt hat: die Überbauung Jakobspark («Tagblatt» vom 15. April). Dort muss der unterirdische Adlerbach, der quer durch die Parzelle verläuft, zugänglich bleiben, auch mit schwerem Baugerät. «Dies für den Fall, dass eine Bachsanierung nötig wird», sagt Markus Fäh, Leiter Bau und Stadtentwicklung Rorschach. Deshalb wird das Gewässer, so der Plan, an den westlichen Rand der Parzelle verlegt. «Dort fliesst der Bach unter einem Betonboden mit Schächten», sagt Fäh. Darüber befindet sich eine mehrere Meter breite und hohe Passage, die durch den neuen Gebäudekomplex führt.»

Es sei ebenfalls der Adlerbach, der das Projekt Neustadt verkompliziere, sagt Markus Fäh. An der Neustadtstrasse sollen in den kommenden Jahren neue Überbauungen entstehen. «Wir müssen sehen, was wir dort mit dem Bach machen», sagt er mit einem Stirnrunzeln.

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