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Rorschach geht der Platz aus

Mehrere alteingesessene Rorschacher Betriebe sind nach Mörschwil gezogen. Der Rorschacher Stadtpräsident Thomas Müller bedauert dies, sieht aber auch Chancen.
Marco Cappellari
Einer statt viele: Am neuen Standort der Kanalprofis GmbH in Mörschwil ist alles an einem Ort. (Bild: mac)

Einer statt viele: Am neuen Standort der Kanalprofis GmbH in Mörschwil ist alles an einem Ort. (Bild: mac)

In Mörschwil tut sich was: Gleich mehrere Firmen siedeln am östlichen Rand der Gemeinde zwischen Gallusstadt und Bodensee, darunter auch einige Firmen, die ursprünglich in Rorschach beheimatet waren; die Fürer AG, die Aquadry Rotrag AG und auch die Kanalprofis GmbH hat es vom See nach Mörschwil verschlagen. Was sind die Gründe für den Exodus Rorschacher Firmen und was bedeutet das für die Stadt?

Zumindest die Antwort auf die erste Frage liegt auf der Hand: Mit nur 1,78 Quadratkilometern ist Rorschach flächenmässig die kleinste Gemeinde des Kantons. «Wir haben den Platz schlicht nicht», sagt Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller. «Praktisch das gesamte Gemeindegebiet ist überbaut.» Betriebe, die expandieren wollen, haben es schwer, passendes Bauland zu finden. Das betrifft insbesondere Industriebetriebe.

150000 Liter Fassungsvermögen

Im Fall der Kanalprofis GmbH, die bis anhin an der Löwenstrasse in Rorschach ansässig war, sei der Platz seit längerem knapp geworden, wie Geschäftsführerin Patricia Eisenhut sagt. «Wir mussten immer wieder Raum dazumieten. Gegen Ende war unser Betrieb auf mehrere Orte verteilt», sagt sie. Vor einiger Zeit kam dann die Kündigung: Am alten Standort entsteht neuer Wohnraum. In Rorschach sei die Suche nach einem neuen Standort erfolglos verlaufen.

Fündig geworden ist Eisenhut schliesslich im Mörschwiler Weiler Fahrn, wo im Mai des vergangenen Jahres der Spatenstich für das neue Betriebsdomizil stattfand. Bis zur Eröffnung am 1. April entsteht hier ein modernes Firmengebäude, das genügend Platz bietet: 40 Parkplätze, 30 davon in der Tiefgarage, eine Einstellhalle, die doppelt so gross ist wie die bisherige sowie eine Wasseraufbereitungsanlage mit einem Fassungsvermögen von 150000 Liter stellen sicher, dass der Betrieb für die Zukunft gewappnet ist. Der nahe Autobahnanschluss an die A1 verkürzt zudem die Arbeitswege. «Aufträge im Rheintal erreichen wir nun um einiges schneller als vorher, wo wir durch das Rorschacher Stadtzentrum und die Bahnschranken fahren mussten», sagt Eisenhut.

Entwicklung hat in den 1970ern begonnen

Die Beantwortung der zweiten Frage nach der Bedeutung für Rorschach ist auch schnell geschafft, zumindest laut Thomas Müller: «Was wir im Moment sehen ist eine Entwicklung, die bereits in den 1970er-Jahren begonnen hat», sagt der Stadtpräsident. Damals habe die Veränderung Rorschachs weg von einer Industrie- zu einer Wohn- und Dienstleistungsstadt begonnen. Der Wegzug von Industriebetrieben sei demnach absehbar gewesen.

Beunruhigt oder gar besorgt deswegen ist Müller jedoch nicht, im Gegenteil; er begrüsst die Entwicklung sogar. «Natürlich verlieren wir ungerne alteingesessene Firmen. Für diese kommen aber jetzt vermehrt Dienstleister nach», sagt er. So hat Rorschach inzwischen – um nur ein Beispiel zu nennen – eine beachtliche Dichte an Ärzten und Zahnärzten. Diese ersetzen die Steuerausfälle und bieten gleichzeitig weitere Vorteile. «Dienstleister verursachen weniger Lärm­emissionen und benötigen weniger Platz», sagt Müller. Die Folge ist ein geringeres Konfliktpotenzial mit angrenzenden Wohngebieten.

Dass der aktuell stattfindende Wandel kein Verlustgeschäft für Rorschach ist, zeigt auch die Gemeinderechnung. «2018 haben wir ein Rekordergebnis bei den juristischen Personen verzeichnet», sagt Thomas Müller. Trotzdem ist es ihm wichtig, zu betonen, dass man der Entwicklung nicht tatenlos zusehe. «Wir bemühen uns aktiv darum, Firmen, die keine Entwicklungschancen in Rorschach mehr haben, und die damit verbundenen Arbeitsplätze zumindest in der Region Rorschach zu behalten.» In den vorliegenden Fällen ist dies gelungen.

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