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Glosse

Eine Rolltreppe wie in Potenza: Wie Italien die Stadt St.Gallen inspiriert

Wer in Italien in den Ferien war, bringt ein Souvenir heim. Ein Geschirrtuch vom Lago Maggiore, ein Fläschchen Weihwasser aus Rom oder eine Flasche Grappa aus dem Piemont. Das machen gewöhnliche Touristen so. Etwas anders sieht das bei Politikerinnen und Politikern aus.
Daniel Wirth
Eine solche Rolltreppe wie in Potenza regen die Grünliberalen für die Stadt St.Gallen an. (Bild: Getty)

Eine solche Rolltreppe wie in Potenza regen die Grünliberalen für die Stadt St.Gallen an. (Bild: Getty)

Sie bringen kein Souvenir aus Italien nach Hause, sondern eine grandiose Idee. Kaum hatten die Stimmberechtigten des Kantons St.Gallen am Sonntag Ja gesagt zu einem HSG-Campus am Platztor, regten die Grünliberalen Anfang Woche eine Verbindung vom Rand der Altstadt hinauf zum Rosenberg nach italienischem Beispiel an: Eine Rolltreppenanlage wie in der süditalienischen Stadt Potenza.

Reaktionen auf diesen Vorschlag der GLP blieben bis heute aus. Angenommen, eine überdachte Rolltreppe vom Platztor zum Rosenberg wäre technisch machbar und finanzierbar, und angenommen, sie würde von Studierenden und Professoren rege genutzt, könnten Rolltreppen dereinst den Langsamverkehr in der Gallusstadt revolutionieren. Man stelle sich vor: Statt der steilen Gees-Treppe führte eine bequeme Rolltreppe über den Dreilindenhang hinauf nach Drei Weieren. In die Naturbadi rollen!

Ein Chiosco vor die Fachhochschule

Die Grünliberalen sind nicht die Ersten, die einen Hauch Italianità nach St.Gallen bringen wollen. Erinnern wir uns des «Chiosco Siciliano». Ein gleichnamiger Verein wollte einen achteckigen, nach allen Seiten offenen Kiosk nach sizilianischem Vorbild auf dem Vorplatz des Fachhochschulzentrums installieren.

Ein solcher Chiosco hätte vor der Fachhochschule installiert werden sollen. (Bild: PD)

Ein solcher Chiosco hätte vor der Fachhochschule installiert werden sollen. (Bild: PD)

Der Verein brachte zwar die nötigen 180'000 Franken zusammen, das Vorhaben wurde aber im Frühling vergangenen Jahres beerdigt, weil gemäss Verein keine Vereinbarung mit der Fachhochschule und den diversen Grundeigentümern hatte ausgehandelt werden können.

Ein Wald in der Vertikalen für St.Fiden?

Gegenwärtig sind verdichtetes Bauen und Urban Heating Themen, die die Stadtplaner beschäftigen. Auch in St.Gallen. Auch von diesen Themen kann sich St.Gallen von Italien inspirieren lassen. In Mailand ist nach Plänen des Architekten Stefano Boeri «Bosco Verticale» (senkrechter Wald) entstanden, zwei Zwillingswohntürme mit 27 und 19 Stockwerken und mit Bäumen begrünten und bewässerten Terrassen.

Die begrünten Zwillingstürme in Mailand. (Bild: PD/Wikicommons)

Die begrünten Zwillingstürme in Mailand. (Bild: PD/Wikicommons)

Boeri erhielt für sein Projekt den mit 50'000 Euro dotierten internationalen Hochbaupreis. Begrünte Türme mit Bäumen würden sich bestimmt auch beim Bahnhof Nord oder in St.Fiden gut machen. Allerdings: Bis heute hat noch keine St.Galler Politikerin und noch kein St.Galler Politiker die Idee eines «Bosco Verticale» aus Milano heimgebracht und postuliert. Was nicht ist, kann noch werden.

Mehr als eine Passerelle

Vielleicht verreist der eine Stadtparlamentarier oder die andere Stadtparlamentarierin in diesem Sommer nach Venedig. Dort führt die Rialtobrücke über den Canal Grande – und lockt Jahr für Jahr zehn Millionen Touristen an.

Die Rialtobrücke in Venedig. (Bild: PD/Wikicommons)

Die Rialtobrücke in Venedig. (Bild: PD/Wikicommons)

Vom geplanten Parkhaus UG25 ist eine Fussgängerüberführung über den Unteren Graben zum Mangen-Pärklein angedacht. Die Rialtobrücke als Vorbild für die neue Passerelle? Der Tourismusdirektor hätte ganz bestimmt nichts dagegen.

Ein Turm ist gegenwärtig nicht geplant in St. Gallen. Aber Politiker gestalten ja bekanntlich die Zukunft. Dem Vernehmen nach sollen sich diesen Sommer St.Galler Politiker in Pisa aufhalten. Es bleibt abzuwarten, welche Partei demnächst einen schiefen Turm fordert. Wobei: Das wär’ schräg.

Nochmals in Verona anklopfen?

Die Stadt St.Gallen nimmt gerade den dritten Anlauf für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt. Bei den ersten Projekten, die vom Volk bachab geschickt wurden, waren im Abstimmungskampf auch immer wieder italienische Piazze als Vorbilder herbeigezogen und Italianità gewünscht worden.

Die Piazza delle Erbe in Verona. (Bild: PD)

Die Piazza delle Erbe in Verona. (Bild: PD)

Dabei gibt es in San Gallo schon lange einen Platz nach norditalienischem Beispiel. Gemäss dem Historiker Peter Röllin empfand Planer Heinrich Ditscher den Bahnhofplatz bei dessen Gestaltung vor etwas mehr als 100 Jahren der Piazza delle Erbe in Verona nach. Wenn schon die Palazzi fehlen, müsste die Metzgerei Schmid jetzt beim Bahnhof-Grill wenigstens Salsicce ins Sortiment nehmen.

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