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«Es kommt immer wieder vor, dass einer umkippt»: In Mörschwil treffen sich Rollstuhlrugby-Spieler aus der ganzen Schweiz

Luis Hurni ist querschnittsgelähmt. Auf Sport will er deswegen nicht verzichten. Der 28-Jährige spielt Rollstuhlrugby bei den Rolling Rhinos – und organisiert am Wochenende in Mörschwil die Schweizer Meisterschaft.
Perrine Woodtli
Luis Hurni in seinem Rugbyrollstuhl. Dieser wird für jeden Spieler individuell angefertigt. (Bild: Ralph Ribi)

Luis Hurni in seinem Rugbyrollstuhl. Dieser wird für jeden Spieler individuell angefertigt. (Bild: Ralph Ribi)

Luis Hurni atmet einmal tief ein. Er umschlingt mit den Armen seine Beine und zieht sie mit aller Kraft zur Seite. Seine Mutter Ruth umfasst seine Hüfte und hievt ihn auf den Rollstuhl nebenan. Sie zieht ihrem Sohn die Handschuhe an und bindet ihn mit einem Bauchgurt am Stuhl fest. Das ist nötig. Denn Luis Hurni spielt Rugby. Rollstuhlrugby.

Auf Hurnis Schoss ruht der Rugbyball. Er gleicht aber nicht einem Ei, denn es handelt sich um einen Volleyball, damit ihn die Spieler besser fangen können. Denn Rollstuhlrugby spielen nur Tetraplegiker. Die Tetraplegie ist eine Form der Querschnittlähmung, bei der alle vier Gliedmassen betroffen sind.

Hurni sitzt in der Turnhalle Seeblick in Mörschwil. Hier findet dieses Wochenende die zweite Runde der Schweizer Meisterschaft im Rollstuhlrugby statt. Der 28-Jährige organisiert den Anlass. Der Goldacher sagt:

«Wir führen die Turniere immer an verschiedenen Orten durch und wechseln uns mit der Organisation ab.»

Die Sporthalle ist unter anderem wegen des Parkettbodens ideal. Gummibelag eignet sich weniger. «Da kommen wir in den Rollstühlen kaum voran und die Arme werden schnell müde.»

Rollstühle krachen ineinander

Fünf Teams aus der Schweiz duellieren sich am Samstag und Sonntag; die Rolling Rhinos, die Blue-White Eagles, die Snakes, die Fighting Snakes und die Fighting Grizzlies. Jedes Team spielt einmal gegeneinander. Hurni spielt für die Rolling Rhinos, die sich aus Spielern aus der Ostschweiz, dem Fürstentum Liechtenstein und aus Vorarlberg zusammensetzen. Zwei Sportlerinnen und 34 Sportler treffen sich in Mörschwil. Jedes Team hat Helfer dabei für den Rollstuhlwechsel und das Umziehen.

Rollstuhlrugby stammt ursprünglich aus Kanada. Dort wurde es zunächst Murderball, also Mörderball, genannt. Dieser Begriff werde aber kaum noch verwendet. Hurni hat eine mögliche Begründung für den Namen: Als der Sport in seinen Anfängen stand, gab es noch keine speziellen Rugbyrollstühle.

«Die Spieler spielten mit ihren normalen Rollstühlen und befestigten Stossstangen daran.»

Deshalb könne er sich vorstellen, dass es damals noch mehr zu Sache ging.

Aber auch heute gehe es in den Spielen durchaus hart zu und her. «Die Zuschauer sind jeweils ganz erstaunt, wie wir ineinanderkrachen», sagt Hurni.

«Das tätscht dann ganz schön. Es kommt auch immer wieder vor, dass einer umkippt.»

Deshalb seien sie auch angebunden. Die Spieler dürfen sich zwar rammen und sich den Rugbyball vom Schoss schlagen. Körperkontakte, wie etwa jemanden mit den Armen festhalten, sind aber nicht erlaubt. Beim Spiel geht es laut Hurni vor allem um die Taktik und das Zusammenspiel sowie darum, die Schwächen der Gegner zu kennen. Denn jeder Spieler ist anders eingeschränkt (siehe Infobox). Hurni etwa spürt abwärts der Brust nichts mehr, kann seine Finger und Beine gar nicht und die Arme nur eingeschränkt bewegen.

Was ist Rollstuhlrugby?

Rollstuhlrugby ist eine Mannschaftssportart für Athleten, deren vier Gliedmassen eingeschränkt sind. Es wurde in den 1970er-Jahren in Kanada entwickelt, wird heute in über 20 Ländern gespielt und ist seit 2000 eine paralympische Disziplin. Die erste Weltmeisterschaft fand 1995 im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil statt.
Beim Rollstuhlrugby, das dem herkömmlichen Rugby ähnlich ist, werden die Spieler je nach Grad der Behinderung zwischen 0,5 und 3,5 Punkten eingestuft. Je grösser die Einschränkung, desto kleiner die Punktzahl. Pro Equipe ist ein Total von 8 Punkten auf dem Feld zugelassen. Luis Hurni etwa hat mit seinen Einschränkungen 0,5 Punkte. Es spielen vier Spieler pro Team gegeneinander. Die angreifende Mannschaft muss den Ball innert zwölf Sekunden über die Mittellinie befördern. Ein Spieler darf zudem höchstens zehn Sekunden den Ball auf dem Schoss lassen. Jedes Team hat jeweils 40 Sekunden Zeit, einen Punkt zu machen. Ein Spiel dauert vier mal acht Minuten. (woo)

Ohne Hilfe einen Sport ausüben können

Luis Hurni sitzt seit einem Velounfall 2009 im Rollstuhl. Der Sport ist für ihn ein Ausgleich. «Es tut gut, sich zu bewegen und aus dem Haus zu kommen.» Er probierte auch andere Sportarten aus. Jedoch waren die wenigsten interessant. «Am Rollstuhlrugby gefällt mir, dass ich vieles selbstständig ausüben kann», sagt Hurni. «Ich brauche zwar Hilfe beim Rollstuhlwechsel und Anziehen. Danach schaffe ich es aber alleine.» Beim Skifahren beispielsweise sei er hingegen die ganze Zeit auf Hilfe angewiesen.

Bis zum ersten Anpfiff am Samstag gibt es nun noch einiges zu tun. Unter anderem müssen die Bodenmarkierungen für das Spielfeld angebracht und die Festwirtschaft eingerichtet werden. Diese betreibt die Goldacher Guggenmusik Dorfchübler. Hurni ist froh, wenn es los geht – dann kann er sich entspannen. Er würde sich freuen, wenn auf der Tribüne viele Zuschauer Platz nehmen.

«Je mehr zuschauen, desto mehr ärgert man sich, wenn man einen Ball fallen lässt. Man will sich ja nicht blamieren.»

Hinweis
Schweizer Meisterschaft Rollstuhlrugby, Turnhalle Seeblick Mörschwil: Sa und So; 10 bis 17.30 Uhr

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