Risikogruppe
«Es tut uns allen weh»: Corona bremst Wittenbacher Seniorentaxi aus

Der kostenlose Taxidienst in Wittenbach steht zurzeit still – der Abschluss des Pilotversuchs verzögert sich. Dank dem Engagement der beteiligten Freiwilligen soll das Projekt jedoch weitergehen.

Sebastian Rutishauser
Drucken
Teilen
Werner Steinlin sieht seine Zukunft auch weiterhin beim Fahrdienst.

Werner Steinlin sieht seine Zukunft auch weiterhin beim Fahrdienst.

Bild: Ralph Ribi (4. Dezember 2019)

Das Projekt liegt auf Eis: Noch im Februar vor einem Jahr war eine Aufstockung des Fahrdienstes in Wittenbach geplant. Jetzt steht der Taxidienst für Seniorinnen und Senioren still. «Leider ist uns Corona dazwischengekommen», sagt Gemeindepräsident Oliver Gröble. Jeden Dienstagvormittag konnten ältere und gehbehinderte Personen den Service für ihre Einkäufe in der Migros oder im Zentrum in Anspruch nehmen. Die Anmeldung erfolgte jeweils telefonisch.

Auch Werner Steinlin, ehemaliger Postauto-Chauffeur und einer der Köpfe hinter dem Projekt, zeigt sich betroffen:

«Dass der Fahrdienst eingestellt wurde, tat uns allen weh.»

Just vor einem Jahr seien alle Beteiligten gerade dabei gewesen, in die Routine zu kommen. Doch auch nach der Lockerung im Frühsommer war die Wiederaufnahme des Services nicht möglich. Das liege gemäss Steinlin daran, dass neben den Passagieren auch die freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer teilweise über 65 Jahre alt seien und damit zur Risikogruppe gehörten.

Mehr als ein blosses Transportmittel

Die Migros in Wittenbach wird zurzeit umgebaut. Seit Baubeginn fehlt beim Migros-Provisorium an der Romanshornerstrasse die Bushaltestelle. Dies war mitunter ein Grund für die Einführung des Fahrdienstes. Doch auch wenn die Migros im Verlauf des Jahres wieder zurück ins Zentrum zieht, ist das laut Oliver Gröble kein Anlass, den Fahrdienst nicht weiter auszuprobieren: «Eine wichtige Komponente neben dem blossen Transport zur Migros ist, dass man älteren Leuten das selbständige Wohnen und Leben ermöglichen will.» Dazu gehöre auch die Fahrt zu anderen Geschäften oder zur Bank.

Oliver Gröble, Gemeindepräsident Wittenbach.

Oliver Gröble, Gemeindepräsident Wittenbach.

Bild: Michel Canonica (1. Februar 2019)

Der Service solle jedoch nicht als kostenloses Taxi für gesunde Seniorinnen und Senioren gesehen werden, wie Gröble betont. Vielmehr richte sich das Angebot an diejenigen Personen, die aufgrund ihrer Gebrechlichkeit darauf angewiesen sind.

Für Werner Steinlin liegt der Wert des Fahrdienstes für seine Passagiere auch darin, wieder einmal aus den eigenen vier Wänden rauszukommen. Er habe erlebt, wie viel der Service den Leuten gibt:

«So können sie Gespräche führen, oder sich einfach nur im Laden bewegen und den Gerüchen der Lebensmittel folgen.»

Die Zukunft des Projekts sieht Gröble optimistisch: «Wir werden den Service baldmöglichst wieder aufnehmen.» Um eine abschliessende Bilanz ziehen zu können, müsse der Pilotversuch weitergeführt werden. Auch, weil es bei einem solchen Vorhaben eine Weile dauern kann, bis der Dienst in der Bevölkerung angekommen sei. Im Moment stehe allerdings die Gesundheit der Seniorinnen und Senioren im Vordergrund.

Lieferdienst als Alternative

Im vergangenen Herbst wurde in Wittenbach ein weiteres neues Projekt lanciert. Mit «Einkaufswelt» bieten Unternehmen in Ergänzung zu den bewährten Standorten eine Online-Einkaufsmöglichkeit. So können lokale Produkte und Lebensmittel über die Website gekauft und mit Hilfe der sozialen Institution Obvita oder durch das Geschäft nach Hause geliefert werden.

Laut dem Gemeindepräsident stehe das vom «Verein Einkaufswelt» aufgegleiste Projekt jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Seniorenfahrdienst. Es richte sich vielmehr an die gesamte Bevölkerung: «Dazu gehören natürlich auch ältere Personen», so Gröble.

Aktuelle Nachrichten