Von der Donau bis zur Moldau

Der Männerchor Harmonie St. Margrethen schweifte für einmal ab vom typischen Männerchorliedgut und wandte sich mit grossem Erfolg der Opern-, Operetten- und Musical-Literatur zu. Das Publikum war begeistert.

René Jann
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Der Männerchor Harmonie St. Margrethen begeisterte mit seinem Programm.

Der Männerchor Harmonie St. Margrethen begeisterte mit seinem Programm.

ST. MARGRETHEN. Für einmal war am vergangenen Samstagabend der Rheinausaal zu klein, als der Männerchor unter der Leitung von Hanspeter Bischof bei der musikalischen Aufforderung «Hereinspaziert» zahlreiche Konzertbesucher wegen überfülltem Saal wieder nach Hause schicken musste. Schon in den frühen Abendstunden liessen sich die Gäste und Freunde des Chorgesangs mit Speis und Trank verwöhnen und genossen dabei die musikalische Einstimmung durch Hanspeter Bischof am Klavier und das Streichensemble vom Orchesterverein Widnau. Im freundlich dekorierten Rheinausaal spazierten die festlich gewandeten Chormitglieder bei Kerzenschein über den roten Teppich der Bühne zu, wo Präsident Eugen Süess die zahlreichen Gäste aus der Region willkommen hiess und dabei bedauerte, dass wohl nicht alle Einlass gefunden hatten.

Perfekter Auftritt

Bald ertönte das wohlbekannte, von Karl Michael Zierer komponierte «Hereinspaziert» von der Bühne her. Von Beginn weg hatte Dirigent Hanspeter Bischof seine grösstenteils auswendig singende Sängerschar voll im Griff, als sie mit sichtlicher Freude auffordernd sangen: «Tretet ein – die Show fängt an». Gefällig, lüpfig zum Mitschunkeln, ja sogar zum Mittanzen, kam im «Walzergefühl» die gute Artikulation im Chorkörper zum Ausdruck. Überaus gefühlvoll brachte der Chorleiter im «Überall auf der Welt» seinen Gefangenenchor aus Verdis «Nabucco» zum Einsatz. Gefällig trat danach das Streichensemble vom Orchesterverein Widnau, geleitet von der Kapellmeisterin Jane Bing Wo Keller mit Musicalmelodien in Action. Abgerundet wurde das Intermezzo mit dem wohlbekannten «Cancan», der gedanklich direkt ins Moulin Rouge nach Paris entführte.

Der Kleinchor bestach mit dem Lied «Mein kleiner grüner Kaktus» und dem Schlager-Evergreen «Wochenend und Sonnenschein». Besonders schön dabei war die vom Bass bestens beherrschte Passage «Nur sechs Tage in der Woche …». Zur Melodie «Wiener Blut» zeigten die drei Solotänzer mit ihren Partnerinnen, dass sie nicht bloss Gold in der Kehle, sondern auch in den Füssen haben. Danach brachte der Männerchor Harmonie die textlich abgeänderte Version von Mozarts «Eine kleine Nachtmusik» als «Unsere kleine Nachtmusik» zu Gehör und ernteten damit grossen Applaus. In Peter Tschaikowskys «Capriccio» liessen sie den Himmel wahrlich lachen und fanden sich nach den sauber gemeisterten Übergängen im fulminanten Schlussakkord. «Bekannte Melodien aus Opern und Operetten» waren danach angesagt. Das Medley reichte vom «Triumphmarsch» aus der Oper Aida über den «Troubadour» vom Zigeunerchor aus der Operette «Die verkaufte Braut» über den «Toréador» aus der Oper Carmen bis zur «Barcarole» aus «Hoffmanns Erzählungen». Gesanglich an der Moldau angekommen kam auch etwas Melancholie auf, die aber bald wieder überwechselte in Freude, nämlich beim «Trinklied» aus der Verdi-Oper «La Traviata».

Abstecher ins Musical

Nach der Pause war die Fliege der Uniformkrawatte gewichen, und im «Wäre das nicht wunderbar schön» entführten die Sänger ins Musical «My Fair Lady». Die Darbietung war ausgewogen, so dass auch auch die Disharmonie zum Schluss voll zur Geltung kam. «Ich hätt‘ getanzt heut Nacht» brachte auch die Steigerung vom Volumen her bestens zur Geltung.

Stimmung wie am Opernball

«Alles Walzer» war angesagt, als Hanspeter Bischof am Klavier mit dem Donauwalzer die Tanzrunde im Saal eröffnete. Mit diversen Walzern von Johann Strauss wurde auch das Publikum vom Dreivierteltakt gepackt, und bald schwebten verschiedenste Tanzpaare über den roten Teppich. Nach einer weiteren Einlage vom Streichensemble brachte das Lied «In der Abendstund» das gefällige Wechselspiel zwischen den Bass- und Tenorregistern zu Gehör, welches auf präzisen Einsätzen des Dirigenten basierte. Den schönen Abschluss des gediegenen Konzertabends bildeten Walzerklänge von Johann Strauss Sohn aus der Operette «Wiener Blut». Als Zugabe sang der Männerchor Harmonie, begleitet vom Streichensemble, noch den Marsch «Pomp and Circumstance» von Edward Elgar, zu dessen dritter Strophe der Chor von der Bühne abtrat und auf dem roten Teppich den tosenden Applaus des Publikums, begleitet von spontanen Bravo-Rufen, entgegennehmen durfte.