Enttäuscht, aber gut aufgestellt

Vorderland verspielt den Finaleinzug um den 1. Aufstieg in die 1. Liga knapp. Kein Grund ist, dass der Trainer von den Männern zu den Frauen wechselt.

Lukas Pfiffner
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Der Vorderländer Torexpress rollte lange Richtung Aufstieg. (Bild: Yves Solenthaler)

Der Vorderländer Torexpress rollte lange Richtung Aufstieg. (Bild: Yves Solenthaler)

HANDBALL. «Wir profitieren vom harzlosen Spiel», weiss Jules Judas, Trainer der BSG Vorderland. Seine Mannschaft darf weder im Training noch in den Heimspielen das klebrige Haftmittel verwenden. Entsprechend stark tritt die Equipe in der Sporthalle Wies auf; in der 2. Liga hat sie seit dem Herbst 2012 nur zwei von 27 Heimspielen verloren.

Am vergangenen Samstag galt es nun für den Sieger der Gruppe 1, in der Aufstiegsrunde die 25:29-Niederlage bei KJS Schaffhausen zu korrigieren. Weil die Halle in Heiden für das Halbfinalrückspiel nicht zur Verfügung stand, wurde die Partie in Rheineck ausgetragen – auch ohne Harz. Die Mannschaft war bald auf Kurs, vielleicht sogar «etwas über unserem Niveau», wie es Judas ausdrückt. Man habe stark verteidigt und auch vorne lange Erfolg gehabt. Elf Minuten waren noch zu spielen, als die Vorderländer den Viertorerückstand aus dem Hinspiel mit einem 22:14 in einen Gesamt-Viertorevorsprung verwandelt hatten. Der Einzug in den Final war nahe. Was passierte dann?

«Auseinandergefallen»

«Ich kann den Spielern nichts vorwerfen. Sie haben grundsätzlich einen sehr guten Job gemacht.» Aber die zuvor funktionierende Vorderländer Mitte sei in der Endphase auseinandergefallen. Und als der Vorsprung schmolz, kam die Nervosität dazu. Vielleicht habe die Müdigkeit mitgespielt, sagt der Trainer. In Schaffhausen hatten die Vorderländer im Verlauf der Partie einige Wechsel vorgenommen. Diesmal wollten sie möglichst mit dem Stammpersonal durchspielen. Die Spieler sind zwar schon lange zusammen – Judas hat viele von ihnen als Junioren trainiert. «Trotzdem kann man das Team als jung bezeichnen, der Gegner war im Durchschnitt etwa fünf Jahre älter. Möglicherweise spielte das eine Rolle.» In der drittletzten Minute verkürzten die Gäste auf 22:24 – der Rest bis zum 25:25 kam statistischer Kosmetik gleich. «Schaffhausen besass ein paar überragende Individualisten, die letztlich entschieden.»

Nur ein Training

Wie im Vorjahr war damit die Saison mit dem Halbfinal beendet. Im Final hätten die Vorderländer gegen Frauenfeld anzutreten gehabt. «Als Sportler willst du aufsteigen», sagt der Trainer. Die Mannschaft, deren Spieler praktisch ausschliesslich aus Heiden, Wolfhalden und Umgebung stammen, hätte das «Abenteuer 1. Liga» angetreten – im Bewusstsein, dass die Aufgabe eine Stufe höher schwierig wäre, «obwohl wir auf einen guten Unterbau in der zweiten Mannschaft und in der U19-Kategorie zählen können». Ein Handicap ist weiter der Trainingsbetrieb. «Ich hatte das Team nur an einem der zwei wöchentlichen Trainings beisammen; viele Spieler sind Studenten, die auswärts wohnen.» Grundsätzlich habe sich der Verein positiv entwickelt, werde sehr gut und stabil geführt, von viel Publikum getragen. «An den Auswärtsspielen hatten wir oft mehr Anhänger als der Heimclub.»

«Das ist nun anders»

Nichts mit der Enttäuschung vom Samstag hat der Entscheid über seine persönliche Zukunft zu tun. «Es stand vorher fest, dass ich als Nachfolger von Stefan Rothenberger das BSG-Frauenteam übernehme», erzählt Judas. Er freue sich auf die neue Aufgabe. «Es macht Sinn, dass bei den Männern nach fünf Jahren ein neuer Trainer neue Ideen einbringt. Die Mannschaft ist gut aufgestellt, wird zusammenbleiben.» Er habe schon vor einem Jahr bei den Männern aufhören wollen, «aber es ergab sich keine Lösung in der Trainerfrage. Das ist nun anders.» Remo Wild, der aus Verletzungsgründen in der Saison 2014/15 nur drei Spiele absolvierte und Judas als Assistent zur Seite gestanden ist, wird als Spielertrainer fungieren; als Assistent und Coach ist Uwe Jungclaus vorgesehen.