ALTSTÄTTEN. Zweimal innert zwei Wochen ist eine Ambulanz in Altstätten falsch gefahren. Nicht weil der Rettungswagen neuerdings in Kriessern stationiert ist, sondern weil das Navigationsgerät fehlleitete, sagt Rettungschef Günter Bildstein.
Vor gut einem Monat verlegte die Ambulanzorganisation Rettung St.Gallen den zuvor beim Spital Altstätten stationierte Rettungswagen ins neue Gewerbeareal Schützenwiese bei Kriessern. Kaum war er gezügelt, verfuhr er sich in Altstätten gleich zweimal innert zwei Wochen; im einen Fall keinen Kilometer vom Spital entfernt.
Im einen Fall wurde die Ambulanz ins Gebiet Staffel gerufen. Mit Blaulicht ging's die Haldenstrasse hinauf – bis es nicht mehr weiterging. Im Altstätter Ortsplan ist zwar die Haldenstrasse durchgehend bis in den Staffel verzeichnet – tatsächlich besteht aber nur für Fussgänger eine Verbindung. Im Kartenmaterial, mit dem das Navigationsgerät der Ambulanz arbeitet, dürfte es ähnlich eingetragen gewesen sein. Um keine Zeit zu verlieren, griff der Rettungssanitäter zum Notfallkoffer und eilte zu Fuss zum Patienten. «Darauf kommt es letztlich an: dass die medizinisch geschulte Person so schnell wie möglich vor Ort ist und hilft», sagt Günter Bildstein, Leiter Rettung St. Gallen.
Notarzt und Rettungswagen sollten bei akuter Lebensbedrohung innert 15 Minuten beim Patienten sein. In abgelegenen Gebieten ist dies unter Umständen nicht machbar. Die neueste kantonale Vorgabe fordert aber, dass die Rettungsorganisation so aufgebaut werden muss, dass 90 % der Bevölkerung in dieser Zeit erreicht werden können.
Trotz der Fehlfahrt die Haldenstrasse hinauf, war die Vorgabe in diesem Fall erfüllt. Während der Fahrer die Ambulanz wendete und übers Städtli die richtige Zufahrt in den Staffel hinauffuhr, war der Rettungssanitäter bereits beim Patienten.
Anders sah es eine Woche zuvor bei einem anderen Notruf ins Gebiet Höfli aus. Das liegt zwar nur etwa einen halben Kilometer Luftlinie ob dem Spital Altstätten, wohin es sogar praktisch eine direkte Fusswegverbindung gibt. Ab der Trogenerstrasse wäre für die Ambulanz die Zufahrt möglich gewesen. Aber auch hier lässt so mancher Plan eine andere als die tatsächliche Erschliessung vermuten. Das Navi lotste die Ambulanz die Alte Ruppenstrasse hinauf. Dort, wo es gemäss elektronischer Karte zum Höfli gehen sollte, beim Gitzibüchel, ging es für die Ambulanz aber nicht mehr weiter. Und bei den engen Verhältnissen dauerte hier auch das Wenden länger. Eine solche Situation ist mehr als ärgerlich und lässt sich auch mit der regelmässigen Aktualisierung des Kartenmaterials nicht vermeiden.
Weil ständig irgendwo gebaut wird, sind die Karten zum einen stets zu einem gewissen Grad schon veraltet, wenn sie neu herauskommen. Zum anderen scheinen die Anbieter der Navigationssysteme bzw. der Karten dazu schlicht nicht alle Fehler korrigieren zu können. Günter Bildstein weiss von einem Ambulanzstandort (nicht im Rheintal), wo das Navi stets einen Umweg auf die Hauptverkehrsachse angibt. Natürlich wüssten die Fahrer das und führen den direkten Weg, sagt Bildstein. Das Beispiel zeige aber, dass die Navigationssysteme nicht über alle Zweifel erhaben seien.
Deswegen seien die Ambulanzen von Rettung St. Gallen und damit auch der in Kriessern stationierte Rettungswagen gleich mit zwei voneinander unabhängigen Navigationssystemen ausgestattet. Das eine, fest installierte, bekommt die Adresse mit dem Einsatzbefehl automatisch von der Notrufzentrale übermittelt. Das zweite auf einem Tabletcomputer dient als Kontrolle.
Eine hundertprozentige Garantie, dass zumindest eines der beiden Systeme den richtigen Weg weist, besteht aber nicht, wie die beiden Vorfälle in Altstätten zeigen. Günter Bildstein bezweifelt auch, dass sich solche vermeiden liessen, indem nur im Rheintal aufgewachsenes Personal eingestellt würde. Jemanden, der selbst die abgelegenste Hofzufahrt kennt, dürfte es schlicht nicht geben.