Mike Egger liest jetzt im Koran

AU/HEERBRUGG. Hätte der Islamische Zentralrat in Au-Heerbrugg einen Abendanlass durchführen wollen, hätte er den Werkhof nicht bekommen. Doch die Podiumsdiskussion wird von der Jungen SVP veranstaltet. Derweil bereitet sich Initiant Mike Egger auf den Anlass vor – und liest dafür im Koran.

Seraina Hess
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Mike Egger will heute in einer Woche mit dem Islamischen Zentralrat Schweiz über das Kopftuch debattieren. Er sagt: «Ich bin gegenüber dem Zentralrat sehr kritisch eingestellt, weil er sich völlig gegen die Werte stellt, die Schweizern wichtig sind.» (Bild: Seraina Hess)

Mike Egger will heute in einer Woche mit dem Islamischen Zentralrat Schweiz über das Kopftuch debattieren. Er sagt: «Ich bin gegenüber dem Zentralrat sehr kritisch eingestellt, weil er sich völlig gegen die Werte stellt, die Schweizern wichtig sind.» (Bild: Seraina Hess)

Zuerst hatte die Junge SVP die Podiumsdiskussion mit dem Islamischen Zentralrat in St. Margrethen durchführen wollen. Doch nach dem Nein zu einer Standaktion des Zentralrats hat die Gemeinde auch zu einer Podiumsdiskussion Nein gesagt. Die Begründung: Es laufen momentan Verfahren über das Tragen von Kopftüchern in der Schule, in die der Zentralrat involviert ist.

In Au-Heerbrugg hingegen kann Initiant und SVP-Kantonsrat Mike Egger die Podiumsdiskussion durchführen (siehe Bericht in der «Ostschweiz am Sonntag»), obwohl die Kopftuchdebatte in dieser Gemeinde ein ebenso brisantes Thema ist.

Gemeindepräsident Stefan Suter sagt: «Der Zentralrat ist ja nicht unser Gast, sondern jener der SVP. Und der Werkhof soll den ansässigen politischen Organisationen dienen.» Wäre allerdings nicht die Junge SVP als Veranstalterin aufgetreten, sähe es anders aus. Dem Zentralrat hätte man vermutlich keine Bewilligung für eine Podiumsdiskussion erteilt. «Denn der Gemeinderat distanziert sich nach wie vor von dieser Organisation», sagt Suter.

Standaktionen sind heikler

Jens Mayer, reformierter Pfarrer in Balgach und kantonaler Beauftragter «Kirche im Dialog», kann nachvollziehen, dass eine Veranstaltung wie die geplante Podiumsdiskussion bewilligt wird. Gegenüber der IZRS-Standaktion, die nur drei Tage vor dem Diskussionsanlass in Heerbrugg stattfindet, ist er jedoch skeptisch. Mayer sagt: «Stellt der IZRS einen Infostand auf, hat niemand die Kontrolle über die Ideen und Werte, die er vermittelt.» An einer Podiumsdiskussion könne man sich in geschütztem Rahmen auf eine Diskussion mit Andersdenkenden einlassen und auf extremistische Ansichten reagieren.

Wenige kennen den Zentralrat

Darauf bereitet sich Mike Egger vor. Der Politiker, der im Kantonsrat kürzlich eine Motion eingereicht hat, die ein kantonales Kopftuch-Verbot an Schulen bezweckt, liest derweil im Koran und in Sachbüchern über den Islam, um sich Argumente zurechtzulegen. Er sagt: «Im Koran ist nicht davon die Rede, dass Frauen ein Kopftuch tragen müssen.»

Was der Islamische Zentralrat macht und wofür er sich einsetzt, wissen die wenigsten. Das zeigt eine Strassenumfrage im Zentrum von Heerbrugg – also dort, wo die IZRS-Standaktion stattfinden soll. Ein Stichwort, das im Zusammenhang mit der muslimischen Religion mehrmals fällt, ist das Kopftuch. Jenes Stichwort, das Mike Egger auf die Idee brachte, die Podiumsdiskussion durchzuführen. Dem Kantonsrat geht es dabei freilich nicht darum, am 27. Mai dem Zentralrat für seine Pro-Kopftuch-Haltung eine Plattform zu bieten. «Vielmehr möchte ich, dass sich der Islamische Zentralrat endlich vor einem Publikum äussert und nicht wie bisher seine Forderungen nur über die Medien verbreitet.»