WIDNAU: Biber verstopft Forellenwanderweg

Jüngst war der Biber, der das «Sickerli» verstopft, in aller Munde. Der Biber darf bleiben: Sein Bau im Rohr, das unter der A13 durchführt, sei nicht problematisch. Forellen wären anderer Meinung, könnten sie sich artikulieren.

Kurt Latzer
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Auch wenn die Ansiedlung der Biber ein Glücksfall ist: Eines Tages wird es zu Problemen kommen und der Bestand der grössten Nager Europas muss reguliert werden. Vielleicht sogar hier an der Böschach (Sickerli). (Bild: Kurt Latzer)

Auch wenn die Ansiedlung der Biber ein Glücksfall ist: Eines Tages wird es zu Problemen kommen und der Bestand der grössten Nager Europas muss reguliert werden. Vielleicht sogar hier an der Böschach (Sickerli). (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

In der Regel wird ein kleiner Bach breiter, je mehr er sich dem Fluss oder See nähert. In der Böschach ist das umgekehrt. Kurz unterhalb der Firma Plaston unterquert sie die Autobahn und kommt im Rheinvorland wieder zum Vorschein. Dort ändert der Bach seinen Namen in Sickerli (Sickerkanal links). In diesem Oberlauf ist das kleine Gewässer deutlich breiter als weiter unten. Die Schuld trägt ein Biber. Der fleissige Pionier und begabte Baumeister hat in der über zwei Meter dicken Röhre seine Burg errichtet.

Der Biber wichtiger als Seeforelle

Der Pfropf stelle keine Gefahr für die Umgebung dar, sei unproblematisch. Stimmt, wäre da nicht die Forellen-Laichzeit. Seit wenigen Wochen ziehen die Seeforellen flussaufwärts in die Gewässer, in denen sie aus den Eiern geschlüpft sind. Die Böschach ist so ein Laichgewässer und Marcel Zottele mit der momentanen ­Situation nicht ganz glücklich. «Weil der Biber das Rohr verstopft hat, können die Seeforellen nicht bachaufwärts ziehen», sagt der Rheintaler Fischereiaufseher.

Im Amt für Natur, Jagd und Fischerei habe man sich mit Rohrzustopfer befasst, Pro und Kontra abgewogen. Am Ende schlug das Pendel zugunsten des Sickerli-Bibers aus. Der habe Priorität, sei wichtiger als die Seeforelle.

Biber steht unter Beobachtung

Der Sickerkanal reicht bachaufwärts bis zum Kriessner Wäldli. In diesen Oberlauf zieht es nicht nur die Seeforellen zur Laichablage, sondern auch ihre Verwandten, die deutlich kleineren Bachforellen. «Mir tut es weh, denn die Forellen haben den Weg bis in den Oberlauf genutzt, um zu laichen. Nun müssen sie halt andere Wege finden», sagt Marcel Zottele. Unter- und oberhalb des Durchlasses unter der Autobahn habe er einige Bachforellen ge­sehen. Die fänden problemlos Laichplätze. Wenn eine Seeforelle nur bis zum Rohr käme, wo Bachforellen laichen, würde sie sich dort beteiligen. «Bach- und Seeforellen können sich untereinander paaren, sie sind genetisch gleich», sagt der Fischereiauf­seher. Obschon der pelzige Baumeister zurzeit unproblematisch ist, steht er unter Beobachtung. Nicht nur durch Marcel Zottele. «Wir haben ein Auge auf ihn, weil wir für den Unterhalt des Gewässers und die Uferumgebung verantwortlich sind», sagt Kurt Köppel, Leiter des Rheinunternehmens mit Sitz in Widnau. Vorerst bestehe allerdings kein Handlungsbedarf, die Biberburg aus dem Rohr zu entfernen.