Von der Idee zur Aufführung

Wenige Tage vor der «Piratical»-Premiere im Gaiser Depot der Appenzeller Bahnen ist Autor und Regisseur Reto Wiedenkeller zuversichtlich, dass die Produktion des Chors Gais auf der Bühne angekommen ist.

Martin Hüsler
Drucken
Teilen
Bei den Proben musste Regisseur Reto Wiedenkeller (links) hie und da eingreifen. (Bild: hü)

Bei den Proben musste Regisseur Reto Wiedenkeller (links) hie und da eingreifen. (Bild: hü)

GAIS. «Ja, wir sind bereit und blicken der Premiere des Musicals erwartungsvoll entgegen», gibt sich Reto Wiedenkeller am Ende einer Vorbereitungszeit, die im Frühjahr 2014 anhob und jetzt in die Zielgerade mündet, optimistisch. Das gesamte Ensemble ist dieser Tage daran, jene unerlässliche Spannung aufzubauen, ohne die eine Aufführung blutleer über die Bretter ginge und das Publikum wohl kaum erreichte.

Eine turbulente Piratengeschichte mit heiterem Beiwerk erwartet ab dem 7. August die Besucherinnen und Besucher. «Vom Thema her bietet ein in der Piratenszene angesiedelter Plot viele Möglichkeiten. Das hat mich gereizt, die in der fiktiven Stadt Port Monnée angesiedelte Geschichte rund um Kapitän Black Arrow und einen geheimnisumrankten Schatz zu schreiben», nennt Reto Wiedenkeller den Ausgangspunkt des «Piraticals». Auch wenn in der gegen vier Dutzend Chargen umfassenden Besetzungsliste zwei Nonnen erscheinen, so lässt sich der Grundton nicht mit jenem in einem Frauenkloster gleichsetzen. Es geht handfester zu und her, so wie es sich für Piraten halt geziemt.

Wieder einmal etwas machen

Erste Ideen für das «Piratical» seien bei ihm vor rund zehn Jahren aufgetaucht, dann aber durch andere Projekte wieder in den Hintergrund gerückt, sagt Wiedenkeller. 2007 gelangte dann in der St. Leonhards-Kirche St. Gallen das Musical «Sister Act» zur Aufführung. Involviert in diese Produktion war auch Reto Wiedenkeller. Einige Zeit danach kam Kurt Schwarz, bis 2004 Leiter der Kellerbühne St. Gallen, auf ihn zu und regte an, «eigentlich müsste man wieder einmal etwas machen». Aus der Anregung erwuchs «Der Zauberer von Oz», ein von Reto Wiedenkeller in Mundart transponiertes und inszeniertes Musical, das auf dem Gelände der Straussenfarm Mörschwil aufgeführt wurde und grosse Resonanz fand. Dort kreuzte sich sein Weg auch mit jenem von Michael Schläpfer, dem Dirigenten der Camerata Salonistica, die das Zauberer-Musical begleitete.

«Schriib emol öppis»

Und bald schon brütete das Duo Wiedenkeller/Schläpfer über ersten Ideen für das «Piratical». «Schriib emol öppis», forderte der Dirigent vom Autor – was dieser denn auch tat. Mit dem Ergebnis traten die beiden vor den von Michael Schläpfer geleiteten Chor Gais, von dem schliesslich die Zusage kam, das Wagnis einer weiteren – und diesmal auf der heiteren Schiene aufgegleisten – Musical-Produktion einzugehen. «Nachdem sich zu Beginn der Proben teilweise Skepsis breitgemacht hatte, kam allmählich Schwung in die Sache. Die Stimmung schlug mehr und mehr um in Begeisterung, und für mich war es wunderbar festzustellen, wie das Ensemble sukzessive zu einer Einheit wurde und wie die Darstellerinnen und Darsteller Schritt für Schritt vorankamen», freut sich Reto Wiedenkeller.

Theatermann durch und durch

Der «Piratical»-Autor und -Regisseur mit Jahrgang 1970 bewegt sich als freischaffender Theatermann auf jenem Feld, das ihn schon von Kindheit an faszinierte. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner – das visuelle Denken kommt ihm noch immer sehr zustatten – öffnete sich für ihn das Tor zur Theaterwelt. Kellerbühne St. Gallen, St. Galler Bühne, Herisauer Bühne, Cabaret Sälewie, Theatergruppen Spielwitz und Rhybrugg, Bischofszeller Städtlibühne – lauter gut verankerte Institutionen in der Ostschweizer Theaterszene, mit denen Reto Wiedenkeller in unterschiedlichen Funktionen in Beziehung stand und wo er seinen Erfahrungsschatz äufnen konnte. Bei der Kellerbühne, wo sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Kurt Schwarz ergab, lernte er als Leiter die technische Seite des Theaterbetriebs à fonds kennen. Dort wuchs er auch in den Regiebetrieb hinein und tat schliesslich den Schritt auf die Bühne. Bei einer als Musical konzipierten Don-Quichotte-Aufführung in der Eishalle Lerchenfeld kam er in Kontakt mit Regine Weingart und Bruno Riedl. «Die beiden arrivierten Mimen haben mir viel beigebracht, ja, mich regelrecht geschliffen», blickt er auf jene lehrreiche Zeit zurück. Wiedenkeller hat sich gut gemerkt, was ihm die beiden prominenten Lehrmeister vermittelten. Etwas hat er sich ganz besonders verinnerlicht: «Sei respektvoll mit den Schauspielerinnen und Schauspielern – es lohnt sich.» Das «Piratical»-Ensemble wird bestätigen, dass der Regisseur nach diesem Prinzip verfährt.

Ticket-Bestellungen für die Vorstellungen zwischen dem 7. August und dem 12. September können über www.piratical.ch oder über www.starticket.ch (Stichwort «Piratical») getätigt werden. Billette sind auch an den Schaltern der St. Galler Kantonalbank in Herisau, Teufen und Altstätten sowie bei Appenzellerland Tourismus in Appenzell und am Gemeindeschalter in Gais erhältlich.