Rheinecks Stadtpräsident Hans Pfäffli über die neue Lärmschutzmauer: «Nicht schön, aber notwendig»

Hans Pfäffli, Rheinecks Stadtpräsident, spricht zum letzten Mal im «Tagblatt»-Sommerinterview und zeigt sich mit der fertigen Lärmschutzmauer zufrieden. Doch nicht allen gefällt sie.

Lisa Wickart
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Seit fast 22 Jahren ist Hans Pfäffli Rheinecker Stadtpräsident. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit fast 22 Jahren ist Hans Pfäffli Rheinecker Stadtpräsident. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nur noch drei Monate bleiben ihm, danach ist die Amtszeit des Rheinecker Stadtpräsidenten Hans Pfäffli vorbei. Trotzdem gibt es noch so manches zu tun. Er spricht über Unstimmigkeiten an der Oberstufe, Kritik an der neuen Lärmschutzmauer, und darüber, wie wichtig der Erhalt der Zahnradbahn nach Walzenhausen ist.

Haben Sie in der Zwischenzeit ihren Rücktritt bereut?

Hans Pfäffli: Nein, das war meine Entscheidung und ich habe sie nicht bereut.

Eine Massnahme, worauf Rheineck lange gewartet hat, war die Lärmschutzmauer. Diese ist mittlerweile fertig. Wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzung?

Was den Lärm betrifft, ist es deutlich besser geworden. Klar ist, dass so ein grosses Projekt Emotionen in der Bevölkerung weckt. Die Leute, die vielleicht nicht unmittelbar vom Lärm betroffen sind, stören sich eher an der Mauer. Das verstehe ich auch. Aber wir alle wollen Mobilität, was nun mal mit Lärm verbunden ist. Man kann nicht alles haben.

Finden Sie persönlich die Mauer schön?

Schön? Nein. Aber sie war notwendig. Man musste das Bestmögliche daraus machen.

Zur Person

Seit fast 22 Jahren ist Hans Pfäffli Stadtpräsident von Rheineck. Vergangenes Jahr hat er seinen Rücktritt per Ende Oktober 2019 bekanntgegeben. Er wird dann in die Pension gehen. Vor seinem Amt in Rheineck war Pfäffli Gemeindeschreiber in St. Margrethen. Der 63-Jährige ist Vater von zwei Töchtern und Grossvater von drei Enkelkindern. Im Sommer spielt er Fussball und im Winter bleibt ihm sein Beagle, mit dem er gerne spazieren geht. (liw)

Auf der anderen Seite, von Gaissau, kam die Kritik, dass durch die Mauer der Lärm noch stärker sei als davor. Beim Verkehrsdepartement ist diesbezüglich ein Beschwerdeschreiben eingegangen. Konnten Sie die Wogen in der Zwischenzeit glätten?

In erster Linie muss man sagen, dass wir schon immer einen guten Kontakt zu den Österreichern hatten. Aber beschwichtigen müssen wir nicht, rechtlich gesehen ist das Astra für die Mauer zuständig und nicht wir. Von der österreichischen Seite her hört man ab und zu, dass die Schweizer Autobahn Lärm verursacht. Aber wenn man am Morgen auf die Kennzeichen der vorbeifahrenden Autos auf der Autobahn achtet, fällt eines auf: Es gibt sehr viele österreichische Grenzgänger, die diese Verbindungsroute auch benützen.

Ein grösseres Projekt, welches bald auf Rheineck zukommt, ist die Revision der Ortsplanung. Werden Sie sich dem noch annehmen?

Nein. Der Stadtrat war überzeugt, dass es falsch wäre, damit noch anzufangen. Zudem gibt es eine neue kantonale Baugesetzgebung, woran man die Revision anpassen müsste. Mit der neuen Gesetzgebung haben wir noch keine Erfahrungen. Es wäre richtig, Erkenntnisse abzuwarten. Wir müssen ja nicht gerade die erste Gemeinde sein, die ihre Revision unter dem neuen Gesetz macht.

Kürzlich sorgte eine «Kündigungswelle» an der Oberstufe für Schlagzeilen. Wo liegt das Problem – bei der Schulleitung oder den Eltern?

Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Im August ist eine Sitzung geplant, wo sich Schulkommission und Stadtrat gemeinsam beraten werden. Danach werden wir offiziell dazu Stellung nehmen. In erster Linie ist jedoch die Schulkommission für die Schulführung zuständig, nicht der Stadtrat. Ich will die Situation nicht herunterspielen, aber nur weil Beschwerden eingegangen sind, heisst das noch nichts. Beschwerden gibt es überall und immer mal wieder.

Der Bau des Kindergartenzentrums war ein Projekt, das Sie unbedingt umsetzen wollten. Dann lehnte es die Bevölkerung ab. Können Sie die Kritik verstehen?

Ich persönlich finde die Kritik wirklich unbegründet. Es gibt Leute, die nach wie vor sagen, dass es Quartierkindergärten braucht und dass die Kinder nicht so weit fahren oder gehen sollen. So würde mehr Zeit für die Eltern mit den Kindern bleiben. Dabei müssten die meisten nur einige hundert Meter weiter laufen. Ich finde Quartierkindergärten nicht sinnvoll. In einem Kindergartenzentrum können Kräfte gebündelt werden und die Kinder würden davon profitieren.

Mittlerweile gibt es in der Rheinecker Altstadt nur noch wenige leere Geschäfte. Sehen Sie trotzdem Potenzial für die Belebung des Städtchens?

Ich finde, in der Altstadt muss noch mehr passieren. Es wäre schön, wenn es belebter wäre. Es ist ein Wunder, dass wir zur Zeit wenig leere Lokale haben. Aber das Gewerbe könnte noch viel stärker in der Altstadt vertreten sein. Der Stadtrat muss die Voraussetzungen schaffen und eine gute Kommunikation ermöglichen. Aber das Besetzen der Läden liegt am Gewerbe, nicht an uns.

Momentan wird geprüft, ob das Walzehuser-Bähnli weiterhin fahren soll oder nicht. Nicht nur Walzenhausen profitiert von der Bahn, sondern auch Reineck. Wie setzten Sie sich für deren Erhalt ein?

Wir sind überzeugt, dass die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen dieses Angebot auch in Zukunft noch finanzieren sollten. Wie die anderen betroffenen Gemeinden werden wir in den Prozess miteingebunden und wir bringen unsere Anliegen mit ein. Wenn die Kantone jedoch keine Beiträge mehr zahlen wollen, spielen sie uns Gemeinden den Ball zu. Dann müssen wir anfangen zu überlegen, ob es das wert wäre, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen. Nur schon heute zahlen wir etwa 20 000 bis 30 000 Franken im Jahr.

Wäre die Zahnradbahn es Ihnen wert, mehr zu zahlen?

Ich bin der Meinung, dass die Zahnradbahn etwas wert ist, die Frage ist nur, wie viel. Abgesehen vom Tagestourismus ist die Verbindung für die Rheinecker nicht so wichtig. Mehr Leute kommen aus dem Appenzellerland herunter als wir hoch, denn in Walzenhausen gibt es nicht viele Arbeitsplätze. Bei uns auch nicht, aber wir sind ein Verkehrsknotenpunkt und wollen unsere Bedeutung behalten.

In den letzten Jahren wurde Rheineck im öffentlichen Verkehr mit der Streichung des Schnellzughalts benachteiligt. Wie stellen Sie sicher, dass es nicht noch mehr Einbussen gibt?

Ich habe das Gefühl, dass dieses Thema manchmal ein wenig hochgespielt wird. Für Rheineck besteht keine Gefahr, abgehängt zu werden. Den Schnellzughalt hatten wir lange Zeit und den hätten wir auch lieber behalten. Wir haben jedoch immer noch sehr gute Erschliessungen. Der Nachteil ist vielleicht, dass man von Rheineck aus mehr umsteigen muss.

Zum Schluss ein anderes Thema: Rheineck war immer wieder von Hochwasser betroffen. Wie weit sind Sie bei der Sanierung des Hochwasserschutzes?

Nach wie vor laufen die Vorbereitungen für das Sanierungsprojekt. Geplant ist, dass der Kanton die Vorprüfung bald fertigstellt. Jedoch gab es immer wieder viel Widerstand von Beteiligten. Sie wollen eine weniger umfangreiche Sanierung, was vom Bund und dem Kanton nicht genehmigt werden würde. Wenn man die Gefahrenkarte heute und eine simulierte Gefahrenkarte nach Abschluss der Sanierung vergleicht, zeigt sich ein klares Bild: Wir hätten kaum mehr gefährdete Hochwassergebiete. Im Spätherbst oder nächstes Jahr kommt diese Sanierung wieder zur Auflage. Mir ist klar, dass es wieder zu Verfahren kommen wird, weil es wieder Leute geben wird, die dagegen sind. Es gibt aber nur diese Lösung oder nichts. Hier darf mein Nachfolger nicht lockerlassen.