Reportage
«Ganz andere Dimensionen»: Wie auf dem St.Galler Klosterplatz eine 18 Meter hohe Bühne entsteht

So hoch wie noch nie ist die diesjährige Bühnenkulisse der St.Galler Festspiele. Für die Bauarbeiter ist die viereinhalb Tonnen schwere Holzkonstruktion ein Kraftakt.

Sandro Büchler
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Das 18 Meter grosse Bühnenbild für die St.Galler Festspiele wird auf dem Klosterplatz aufgebaut. Der Kran hält die Konstruktion noch ...
12 Bilder
... während die Arbeiter sie befestigen. Das Rund aus Fichtenholz wiegt viereinhalb Tonnen.
Die Arbeiter sind in der Höhe beschäftigt und ...
... auch auf dem Boden. An beiden Orten ...
... wird auf die Sicherheit geachtet.
So sieht das Bühnenbild auf dem Papier aus. Und ...
... so vor der Kathedrale. Für Georges Hanimann, Technischer Leiter des Theaters St.Gallen, ist das eine dreimal grössere Konstruktion, als sie im Theater üblich ist.
Bis das Herzstück, die «Rosette» steht, dauert es etwas. Auch Passanten bestaunen den Aufbau.
Dann wird das Rund auf der Bühne montiert.
Blick von der Zuschauertribüne: Von hier aus sieht man die Details gut.
Die Bühnenkonstruktion säumt sich an die Türme der Kathedrale.
Jeder Griff muss sitzen.

Das 18 Meter grosse Bühnenbild für die St.Galler Festspiele wird auf dem Klosterplatz aufgebaut. Der Kran hält die Konstruktion noch ...

Bild: Arthur Gamsa

Die Sonne steht fast senkrecht über dem Klosterplatz. Sie brennt auf die Arbeiter hinunter. Gebannt schauen einige Passanten zu, wie der Kran kurz nach 13 Uhr die grau-schwarz bemalte Konstruktion anhebt.

Es ist ein Rund aus Fichtenholz mit 16 Metern Durchmesser, viereinhalb Tonnen schwer. Und es ist das Herzstück der Bühne, auf der vom 25. Juni bis 9. Juli die Oper «Notre Dame» aufgeführt wird. «Die Rosette, wie wir es nennen, ist dem weltbekannten Fenster der Kirche Notre Dame in Paris nachempfunden», sagt Georges Hanimann, Technischer Leiter des Theaters St.Gallen.

Dreimal grösser als im Theater

Georges Hanimann ist der Technische Leiter des Theaters St.Gallen.

Georges Hanimann ist der Technische Leiter des Theaters St.Gallen.

Bild: Arthur Gamsa (1. Juni 2021)

Kribbelig sei er gewesen, als er frühmorgens erwacht sei. «Denn noch nie war die Kulisse für die Festspiele höher», sagt Hanimann. 18 Meter hoch ist die «Rosette» samt der Bühnenunterkonstruktion. In den Jahren zuvor seien 14 oder 15 Meter hohe Bauten aus Metall und Stoffbahnen das Maximum gewesen, sagt der Technische Leiter.

Die Konstruktion für die diesjährigen Festspiele sei deshalb für alle Involvierten eine grosse Herausforderung gewesen – für die Ingenieure, die Bühnenbildner, die Schreinereileiterin des Theaters und ihre Kollegen. «Diese Konstruktion hat ganz andere Dimensionen», sagt Hanimann. Im Theater seien die Kulissen gerade mal einen Drittel so hoch, um die sechs Meter.

Der Kanton St.Gallen muss die Pilotveranstaltungen erst bewilligen

1000 statt wie in früheren Jahren 1300 Plätze hat die Tribüne der diesjährigen St.Galler Festspiele. Sie sollen als eine von fünf sogenannten Corona-Pilotveranstaltungen durchgeführt werden. Im Juni sind laut einem Sprecher des Theaters zwei Drittel der Kapazität angedacht, also eine Aufführung vor rund 660 Personen. Diese müssten am Sitzplatz jedoch keine Maske tragen. 

Aktuell prüft das Gesundheitsdepartement die eingegangen Gesuche. Für den CSIO und die Festspiele wurden Bewilligungen in Aussicht gestellt, damit die Vorbereitungsarbeiten weitergeführt werden können, so die Regierung am Dienstag. (sab)

Vorausgegangen sei eine akribische Planung. Im November kamen erste Ideen des Bühnenbildners, die Machbarkeit und statische Fragen wurden geprüft. «Eine erste Idee haben wir verworfen», sagt Hanimann. Nach und nach rückte das Fenstermotiv ins Zentrum. Anhand eines Prototyps wurde dann die haushohe Konstruktion geplant. In drei Wochen wurden die Holzelemente gefräst und bemalt. Hanimann sagt:

«40 Teile, 20 für den Aussenring, 20 für den Innenring.»

Am Montag und Dienstag wurden diese auf dem Klosterplatz waagrecht zusammengesetzt und dann an einem Trägergestell in die senkrechte Position auf der Bühne gebracht.

«Die Konstruktion ist zu 99 Prozent aus Holz – nur an einigen kritischen Stellen wurden Metallverstrebungen zur Verstärkung eingebaut», sagt Hanimann. In der Planungsphase sei schnell auch die Frage nach der Wetterfestigkeit aufgekommen. «Die Konstruktion hält auch einem Sturm stand. Das haben externe Experten überprüft.»

Nach der Leere herrscht Aufbruchstimmung

Alois Thoma, Projektleiter bei der Eventbaufirma Nüssli AG.

Alois Thoma, Projektleiter bei der Eventbaufirma Nüssli AG.

Bild: Sandro Büchler (1. Juni 2021)

Das Konstrukt ist fast auf Position. «Zweieinhalb Zentimeter», ruft Alois Thoma. Der 51-Jährige ist Projektleiter bei der Eventbaufirma Nüssli AG. Seit 15 Jahren ist er beim Auf- und Abbau von Kulisse, Bühne und Tribüne für die St.Galler Festspiele mit von der Partie. 15 Jahre – so lange, wie es die Veranstaltung auf dem Klosterplatz gibt. Plötzlich rumpelt es. Beim Lösen des Trägergestells sind grosse Kräfte im Spiel. Metall ächzt. Die Arbeiter schwitzen. «Der Aufbau dieses Unikats ist nicht ohne», sagt Thoma. Denn das Holzkonstrukt dürfe nicht beschädigt werden.

Der Lütisburger ist froh. Denn es herrsche Aufbruchstimmung in der durch die Pandemie arg gebeutelten Branche.

«Die Freude überwiegt, nach Monaten mit wenig Arbeit endlich wieder etwas aufbauen zu können.»

Daran müsse er sich erst wieder gewöhnen.