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Renaturierung und Uferweg Rorschacherberg: Was nützt's den Fischen?

Am Neuseeland in Rorschacherberg soll ein natürliches Ufer mit wertvollen Lebensräumen entstehen. Vor allem im Nein-Lager wird der ökologische Nutzen dieser Massnahme bezweifelt. Was sagen Experten dazu?
Rudolf Hirtl
Die Revitalisierung in Staad ist Beispiel dafür, wie Seeufer ohne steile Mauer-Elemente gestaltet werden können. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Revitalisierung in Staad ist Beispiel dafür, wie Seeufer ohne steile Mauer-Elemente gestaltet werden können. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die OePlan GmbH in Balgach hat im Vorfeld der Abstimmung zum Fussweg im Neuseeland einen 96-seitigen Bericht über die Revitalisierung des Seeufers an dieser Stelle erarbeitet. Die Firma, die unter anderem auf die Projektierung und Umsetzung von Aufwertungsmassnahmen an Stillgewässern, an Seen und Teichen spezialisiert ist, hat den Auftrag von der Gemeinde Rorschacherberg erhalten.

Dass eine private, kommerziell ausgerichtete Firma dafür beigezogen wurde, ist nicht weiter ungewöhnlich. Und die Referenzliste des Unternehmens zeigt auch auf, nicht nur politische Gemeinden ziehen die Firma zu Rate, auch kantonale Ämter oder aber sogar das Bundesamt für Umfeld nehmen die Dienste von OePlan in Anspruch.

Amt für Fischerei begrüsst Revitalisierungen

Nichtsdestotrotz wird der Nutzen der erarbeiteten und empfohlenen Revitalisierung des Seeufers in Frage gestellt. Die Rede ist etwa von «sogenannten Experten, die sich lukrative Zusatzaufträge sichern können». Ausserdem werde durch die Aufschüttung wertvolles offenes Gewässer vernichtet.

Doch, was sagen Experten zu den Plänen, das sensible Ökosystem zwischen Wasser und Land zu verbessern? Von Seiten des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei wird das Projekt sehr begrüsst, da neben der Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit auch die Ökologie im Uferbereich verbessert werde. «Momentan präsentiert sich das meist steile Ufer vor dem Neuseeland monoton. Vielfalt im Lebensraum mit tiefen und niedrigen Stellen, mit Steinen, Kies und Bäumen, sowie beruhigten Hinterwasserzonen ist immer ein Gewinn für die Fauna», sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Michael Kugler. Dies gelte grundsätzlich für alle Revitalisierungsmassnahmen. Diesbezüglich bestehe auch Handlungsbedarf, zumal ja grosse Teile des Seeufers verbaut seien.

Berufsfischer aus Altenrhein und Au sprechen auf dem Infoflyer der Gegner gar von einem fatalen Eingriff in die Natur. Seeaufschüttungen mit Fusswegen würden die Fische stressen und den Bestand beinträchtigen. Eingriffe in die rund 160-jährige, unberührte Seelandschaft sollten die Stimmbürger daher nicht zulassen.

«Für Berufsfischer dürfen keine Nachteile entstehen»

Gallus Baumgartner, Vorstandsmitglied vom Schweizerischen Berufsfischerverband am Bodensee, beurteilt das Projekt nüchterner. «Wenn durch die Revitalisierung gute Voraussetzungen und Plätze für Jungfische geschaffen werden, dann hat niemand etwas dagegen. Es darf aber sicher keine Verschlechterung für die Berufsfischer geben», sagt der Altenrheiner, der auch stellvertretender Vorsitzender des internationalen Bodensee-Fischereiverbands ist. Eine gewisse Skepsis aus Sicht der Berufsfischer sei aber verständlich. In der Vergangenheit seien nämlich bei Revitalisierungsmassnahmen nicht selten Nachteile für die heimische Fischerei entstanden, wenn etwa Stellnetze bei Häfen verschwunden seien.

Josef Zoller (Bild:Jolanda Riedener)

Josef Zoller (Bild:Jolanda Riedener)

Auch der Biologe und ehemalige Lehrer der PHSG Rorschach, Josef Zoller, beurteilt die geplante Revitalisierung positiv. «Steile oder gar senkrechte Mauern am Seeufer sind ökologisch wertlos», sagt er. Seiner Meinung nach wären Inseln eine gute und wirksame Lösung. Aber nicht nur Flora und Fauna würden laut Zoller profitieren. Der Seeuferweg, würde er denn tatsächlich gebaut, würde wahrscheinlich von vielen Einwohnern von Rorschacherberg, Thal und Rorschach genutzt werden und wäre ein echter Beitrag für die Aufwertung des Naherholungsgebiets. Nicht selten würden beispielsweise Hotelgäste im «Wartegg» nach einem Fussweg am See nach Rorschach fragen.

Durch Ufermauern verarmt das Leben im See

Auch beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) in Bern werden Revitalisierungsmassnahmen grundsätzlich begrüsst. «Wie Untersuchungen zum Beispiel am Bodensee, Vierwaldstättersee und Genfersee ergaben, sind weite Teile der Ufer naturfern.» Ufermauern verhindern laut Bafu die Erosion der Ufer. Häufig resultiere dadurch auch eine strukturelle Verarmung der Ufer. Dies führe zu einer Verringerung der Land-Wasser-Interaktionsfläche, wodurch die Lebensraumvielfalt verringert werde und die Artenvielfalt abnehme.
Die OePlan GmbH kommt zum Schluss, dass durch die flache Ausführung der Schüttung ausgedehnte Flachwasserzonen und potenzielle Standorte für Flora und Fauna entstehen. Heisst: Es gibt neue Lebensräume für Algen, Moose, Kleinlebewesen und Fische. Im heutigen Felsbereich seien diese zum Teil gar nicht vorhanden.

Um Ufer aufzuwerten, raten Experten, Flachufer anzulegen. Wie dies aussehen kann, ist unweit vom Neuseeland in Staad zu sehen. Auch dort hat OePlan in Zusammenarbeit mit Gemeinde und kantonalen Ämtern eine ökologische Übergangszone (wie dieses Bild zeigt) vom Ufer zum See samt Uferweg realisiert.

In Staad wurde das Ufer renaturiert. (Bild: Rudolf Hirtl)

In Staad wurde das Ufer renaturiert. (Bild: Rudolf Hirtl)

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