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Reformiert und emanzipiert: Drei St.Galler Pfarrerinnen beweisen Humor

Drei evangelische Pfarrerinnen aus St. Gallen bringen Kirche und Humor auf der Bühne zusammen. Unter dem Titel «Röbi und die Reformanzen» veralbern sie Kirchenlieder, äussern sich aber auch kritisch.
Roger Berhalter
Zwei von drei Reformanzen: Die evangelischen Pfarrerinnen Andrea Weinhold (links) und Kathrin Bolt. (Bild: Benjamin Manser)

Zwei von drei Reformanzen: Die evangelischen Pfarrerinnen Andrea Weinhold (links) und Kathrin Bolt. (Bild: Benjamin Manser)

Am Anfang war das Wort, so heisst es in der Bibel. Auch bei Andrea Weinhold, Kathrin Bolt und Marilene Hess war am Anfang ein Wort: «Reformanzen». Eine Mischung aus «Reformation» und «Emanzen», wobei auch die «Romanze» anklingt. Ein spannendes Wort fanden die drei reformierten St. Galler Pfarrerinnen. Irgendwann würden sie es verwenden.

Im aktuellen Jubiläumsjahr «500 Jahre Reformation» war die Zeit für die Reformanzen gekommen. In nur drei Monaten stellten die drei Frauen zusammen mit dem Musiker Röbi Fricker ein Comedy-Programm zusammen. Bühnenerfahrung hatten sie kaum, eine erfahrene Regisseurin gab Tipps, und am Erlebnistag «Gasterei & Handwerk» Ende Mai traten «Röbi und die Reformanzen» zum ersten Mal öffentlich auf, in der «Denkbar» an der Gallusstrasse.

Weiblicher Witz gegen männliche Paranoia

Kathrin Bolt arbeitet als Pfarrerin in der Kirchgemeinde Straubenzell, auch Andrea Weinhold war bis vor kurzem dort tätig. Marilene Hess ist in der Kirchgemeinde Tablat aktiv. Auf der Bühne spielen die Pfarrerinnen eine Rolle, aber auch sich selbst. Denn ihre Comedy handelt auch von ihrer Stellung als Pfarrerinnen in einer immer noch von Männern bestimmten Kirche.

«Wir wollen nicht einfach nur witzig und spritzig sein, sondern zum Denken anregen»

Die Reformanzen sind eben emanzipiert, und sie kritisieren die herrschenden Zustände in der Kirche. Beispielsweise ist ihnen der höchste Reformierte der Schweiz mit seinen konservativen Aussagen ein Dorn im Auge. «Es gibt eine völlig unbegründete Angst vor der Feminisierung der evangelischen Kirche», sagt Weinhold. Solchem männlichen Verfolgungswahn wollen die Reformanzen weiblichen Witz entgegensetzen.

Die Pfarrerinnen treiben es dabei bunt, ja sogar frivol. Sie spielen mit lithurgischen Fachbegriffen und mit ihrer Rolle als geistliche Würdenträger. Sie tragen High Heels auf der Bühne, reden über Sex, und sie stellen sich Fragen wie: Predigen Frauen anders als Männer?

Zusammen mit Röbi Fricker am Piano verdrehen die Reformanzen Kirchenlieder. Aus «Von guten Mächten wunderbar geborgen» wird beispielsweise «Von guten Männern wunderbar geborgen». «Die katholische Kirche nehmen wir ebenfalls aufs Korn», sagt Bolt. «Aber auch die Katholiken können über unsere Scherze lachen», ergänzt Weinhold. Denn bei aller mitschwingender Kritik seien die Reformanzen vor allem unterhaltsam.

Auf andere Art ins Gespräch kommen

Aber treiben sie es nicht allzu bunt? Dürfen Pfarrerinnen in Stöckelschuhen öffentlich Witze reissen? Die Rückmeldungen seien überwiegend positiv, sagt Weinhold:

«Indem wir uns zum Affen machen, lösen wir auch Diskussionen aus.»

Bolt ergänzt: «Ich sehe Comedy auch als Chance für uns Pfarrerinnen, auf frische Art ins Gespräch zu kommen.»

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