Weinlese in Wittenbach: Reblüt stossen auf Rekordernte an

So früh, so viel und so gehaltvoll wie nie zuvor: Die Wittenbacher Winzer haben die Wimmet mit drei Rekorden abgeschlossen. Die Ernte selbst verlief nicht nach Plan.

Noemi Heule
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16 Freiwillige halfen bei der Rekordernte mit (Bild: Michel Canonica)

16 Freiwillige halfen bei der Rekordernte mit (Bild: Michel Canonica)

Und plötzlich musste es schnell gehen. Die Wittenbacher Winzer haben vergangene Woche zur Notwimmet aufgerufen. Früher als erwartet und viel früher als in den vergangenen Jahren waren die Trauben reif, fast überreif. «Wir konnten nicht mehr zuwarten», sagt Dieter Kühni, Präsident der Reblüt – 25 Freiwillige, die gemeinsam die Reben beim Schloss Dottenwil bewirtschaften. 1700 Rebstöcke schmiegen sich unterhalb des Wittenbacher Wahrzeichens an den Schlosshügel. Nachdem sich der Herbst mit Regen angekündigt hatte, mussten die Trauben geschwind von den Stöcken. Denn mit der Feuchtigkeit kam die Fäulnis.

Bevor sie sich weiter ausbreiten konnte, folgten zehn Reblüt dem Notruf und ernteten am vergangenen Dienstag die weissen Johanniter-Trauben. Die blauen Gamaret konnten noch bis zum Wochenende warten, dann wurden auch sie gepflückt. Der Ertrag der diesjährigen Ernte kann sich sehen lassen: Fast 1531 Kilogramm weisse und 1639 Kilogramm blaue Trauben landeten in den Zubern, «als ob vom letzten Jahr etwas gut zu machen wäre», schreibt Kühni auf Facebook. Damals mussten sich die Freiwilligen mit weniger als der Hälfte der diesjährigen Ausbeute zufriedengeben. Jeder zweite Trieb fiel 2017 dem späten Frost zum Opfer.

Süsse Trauben für einen süffigen Wein

Doch nicht nur die Menge entschädigte die Reblüt für die fast 2000 Arbeitsstunden, die sie über das Jahr verteilt in die Reben investieren, sondern auch die Qualität der Trauben. «Für die Trauben wartete der Hitzesommer mit idealen Bedingungen auf», sagt Kühni. Mit einem Zuckergehalt von 94 Oechsle verspricht die Ernte einen fruchtigen, gehaltvollen Wein. Hohe Werte für Wittenbach, wie Kühni sagt. Werte über 100 Oechsle, wie sie dieses Jahr teilweise im Rheintal erreicht wurden, seien hier kaum möglich.

1,6 Tonnen blaue und 1,5 Tonnen weisse Trauben konnten dieses Jahr unterhalb des Schlosses Dottenwil geerntet werden.

1,6 Tonnen blaue und 1,5 Tonnen weisse Trauben konnten dieses Jahr unterhalb des Schlosses Dottenwil geerntet werden.

Weisser, Roter, Rosé und eine Neuerung

Über 3000 Weinflaschen dürfte der Saft dereinst füllen; laut einer Faustregel ergibt ein Kilogramm Trauben eine Flasche Wein. Die weissen Trauben landeten sogleich in der Presse der Kelterei Schmid Wetli in Berneck. Und ausnahmsweise auch die Hälfte der blauen Trauben. Zum 20-jährigen Bestehen hatten die Reblüt im vergangenen Jahr zum ersten Mal Rosé produziert. Im April wurde der helle Wein aus dunklen Trauben zum ersten Mal ausgeschenkt. Nun ist er bereits ausverkauft. Weisswein und Rosé sind im Frühling fertig, während der Rote rund 18 Monate reifen muss.

Wie üblich wird der Wein in erster Linie im Dottenwil selbst ausgeschenkt. Und wie üblich wird die Gemeinde für die Pacht des Schlosses in Wein entschädigt. Sie erhält traditionell «ihren Zehnten» der jährlichen Ausbeute. Für die Reblüt steht mit dem Winzerfest vom 10. und 11. November der Höhepunkt des Rebjahrs an. Zum ersten Mal wird dann auch ein Likörwein kredenzt. Der «Reblüt Tropfe» wurde nach dem Portwein-Verfahren hergestellt.