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St.Galler Gewerbe: Stadt muss Image als Endstation endlich loswerden

Die Stimmung beim Stadtsanktgaller Gewerbeverband passt zum derzeitigen Wetter. Trotz Lichtblicken haben Präsident und Gastreferent Hanspeter Trütsch auch dunkle Wolken am Himmel ausgemacht, etwa bei der Stadtentwicklung.
Luca Ghiselli
Der Marktplatz ist nicht nur fürs Gewerbe ein langjähriges Sorgenkind.Bild: Benjamin Manser/Michel Canonica

Der Marktplatz ist nicht nur fürs Gewerbe ein langjähriges Sorgenkind.
Bild: Benjamin Manser/Michel Canonica

Sogar unter Calatravas beweglichem Metalltor ist keiner vor den dicken Tropfen sicher, die es am Montagabend regnet. Drinnen im Pfalzkeller hält Gewerbe Stadt St. Gallen seine 182. Generalversammlung ab. Und die Lage, die Präsident Gian Bazzi zuerst und Gastreferent Hanspeter Trütsch danach skizzieren, ist in vielerlei Hinsicht den äusseren Bedingungen ähnlich. Von «dunklen Wolken am Stadtsanktgaller Finanzhimmel» ist die Rede, und vom «Aufmerksamkeitsschatten», in den Stadt und Region immer weiter abrutschten. Es sei aber gewiss nicht alles schlecht, betont Gian Bazzi in seiner Begrüssung. Die Schwierigkeiten, mit denen das lokale Gewerbe zu kämpfen habe, seien zwar nicht weniger geworden: Frankenstärke, Online-Handel, Lädelisterben.

Politikern fehlen Ecken und Kanten

«Mit kreativen Ideen haben wir es aber auch 2017 geschafft, damit bestmöglich umzugehen und neue Wege zu suchen.» Es hätten sich zahlreiche neue Betriebe in der Stadt niedergelassen, darunter auch einige Pop-Up-Stores. «Zwischennutzungen können zur dauerhaften Lösung werden. Das macht Mut», sagt Bazzi. Auch der Austausch mit Politik und Verwaltung funktioniere gut. «Wir haben alle das gemeinsame Ziel, die Stadt attraktiv für Bewohner und Wirtschaft zu machen.»

Dann ist’s mit dem Optimismus und dem Lob aber schon wieder vorbei. Sorgen bereiten Bazzi die steigenden Ausgaben der Stadt und das budgetierte Defizit von neun Millionen Franken. Auch das mangelnde Selbstvertrauen – der Aufmerksamkeitsschatten, in dem sich die Stadt bewege – macht Bazzi Kummer. Damit leitet der Präsident des städtischen Gewerbeverbands gleich zum Gastreferenten über. Hanspeter Trütsch, Stadtsanktgaller und bis 2017 Leiter der SRF-Bundeshausredaktion, referiert über die Ostschweiz und ihre Distanz zu Bern.

Der ehemalige SRF-Bundeshauschef Hanspeter Trütsch lebt St.Georgen. (Bild: Michel Canonica)

Der ehemalige SRF-Bundeshauschef Hanspeter Trütsch lebt St.Georgen. (Bild: Michel Canonica)

Trütsch spart nicht mit Kritik: Es gebe zu wenige Politiker mit Ecken und Kanten, die einzelnen Ostschweizer Kantone würden gegeneinander lobbyieren und so Animositäten untereinander schüren. «Die Ostschweiz kann nicht zusammenhalten, weil es sie nicht gibt.» St. Gallen tue sich schwer, Fachkräfte zu halten. Zu selten werde hier mutig gesagt: «Ja, wir können es.» Das werde zunehmend zum Problem, denn St.Gallen habe oft «die Zwei auf dem Rücken», werde sein Image als «Gare terminus» – als Endstation – nicht los. «Die Musik spielt heute in den Ballungszentren.»

«Sind die eigentlich durchgeknallt?»

Trütsch nennt mehrere Beispiele: «Während in Bern Bundesplatz und Baldachin zügig gebaut wurden, diskutieren wir in St. Gallen immer noch über den Marktplatz. Da fragt man sich: ‹Sind die eigentlich durchgeknallt?›» Dasselbe gelte für das Tram. Dort habe Bern Bundesgelder abgeholt, um ein neues Tram zu beschaffen. «In St. Gallen wurden die Pläne einfach abgeschossen.» Und schliesslich der Bahnhof St. Fiden. Dazu wurden vor fast 30 Jahren schon Vorstösse eingereicht. «Geschehen ist nichts. Der Ort bleibt ein Geisterbahnhof.» Trütsch erntet lauten Applaus. Er hat ausgesprochen, was viele der 200 Mitglieder und Gäste denken.

10000 Franken für Studie

Gewerbe Stadt St. Gallen schliesst das Geschäftsjahr 2017 mit einer Punktlandung ab. Bei einem Aufwand von rund 265500 Franken resultiert ein Gewinn von 391 Franken. In der Bilanz sind mehr transitorische Passiven aufgeführt als üblich. Das liegt am Beitrag zur Ja-Kampagne der Mobilitäts-Initiative, die das Stadt St. Galler Stimmvolk im März 2018 deutlich ablehnte. Hinzu kommen laut Felix Keller, Geschäftsführer des städtischen Gewerbeverbands, leicht rückläufige Mitgliederbeiträge. Dies sei auf diverse Austritte aus verschiedenen Gründen zurückzuführen. Neu im Budget 2018 vorgesehen ist ein Beitrag von 10000 Franken für eine Studie. Einmal jährlich will der Gewerbeverband gemeinsam mit Wirtschaft Region St. Gallen (WISG) und dem Hauseigentümerverband fortan eine Studie zu aktuellen städtischen Themen durchführen lassen. «Das ist zwar ein neuer Kostenpunkt, wir schaffen damit aber auch einen Mehrwert», sagte Keller. (ghi)

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