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St.Galler Parlamentarier fordert: Raubkunst soll zurück nach Afrika

In der Sammlung des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen befinden sich zwei Benin-Bronzen. Es handelt sich dabei um geraubtes Kulturgut. Die Exponate werden jetzt zum Politikum.
Daniel Wirth
Dieser Gedenkkopf aus Gelbguss wurde 1897 im Königreich Benin geraubt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dieser Gedenkkopf aus Gelbguss wurde 1897 im Königreich Benin geraubt. (Bild: Hanspeter Schiess)

SP-Stadtparlamentarier Gallus Hufenus hat dem Stadtrat vor wenigen Tagen eine Einfache Anfrage eingereicht. Darin geht es um die mögliche Rückführung zweier Benin-Bronzen, die im Historischen und Völkerkundemuseum (HVM) ausgestellt sind. Laut Hufenus handelt es sich dabei um Raubkunst.

Der Sozialdemokrat will vom Stadtrat wissen, wie sich dieser als Mitglied des Stiftungsrats des Museums zu einer Rückgabe der Benin-Bronzen stellt, die 1897 bei einem britischen Vernichtungsfeldzug aus Ubinu (Benin City) geraubt wurden.

Dass es sich bei den beiden Exponaten um Raubkunst handelt, stehe ausser Zweifel, sagt Achim Schäfer, Sammlungsleiter und stellvertretender HVM-Direktor.

In seiner Online-Collection bezeichnet das Historische und Völkerkundemuseum die beiden Exponate als «Highlights». Es handelt sich demnach einerseits um eine Altarfigur aus Gelbguss, einen Gedenkkopf für eine Königinmutter «Iyoba» von circa 1800, und andererseits um eine Säulenverzierung, eine Reliefplatte aus Messing mit einem Kriegsfürsten als Motiv von circa 1600.

Laut Schäfer befinden sich die beiden Kunstgegenstände aus dem ehemaligen Königreich Benin, dessen Zentrum im heutigen Nigeria lag, seit den 1940er-Jahren im Besitz des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen. Es erwarb die beiden Teile von der Volksbank Zürich.

Aus der Sammlung von Han Coray

Zuvor befanden sich der Gedenkkopf und die Reliefplatte im Besitz von Han Coray (1880-1974), einer der ersten Schweizer Sammler afrikanischer Kunst. Coray wuchs im Waisenhaus in St. Gallen auf.

Mit seiner vermögenden Frau Dorrie Stoop führte er in Erlenbach im Kanton Zürich ein Privatmuseum. Nach dem Tod seiner Frau 1928 musste Han Coray den grössten Teil seiner Sammlung verkaufen. Ein Teil der geraubten Benin-Bronzen kam so vor rund 80 Jahren via der Volksbank Zürich ins Völkerkundemuseum der Universität Zürich, ein Teil ins Museum Rietberg der Stadt Zürich und zwei Stücke ins Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen.

Was Stadtparlamentarier Gallus Hufenus vom Stadtrat zur Herkunft der beiden Exponate erfahren will – damit befasst sich der Sammlungsleiter des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen seit längerer Zeit intensiv, wie er sagt. Und nicht erst, seit der französische Präsident Emmanuel Macron im November letzten Jahrs in Ouagadougou in Burkina Faso in einer Rede die Rückführung geraubter Kulturgüter aus Afrika angekündigt hat. Auch bei Führungen durch die Ausstellung werde darauf eingegangen, sagt Achim Schäfer.

An Kooperation mit Museen in Afrika interessiert

Gemäss Hufenus hat Esther Tisa, Provenienzforscherin am Museum Rietberg, in einem Interview mit SRF erklärt, man wäre dort bereit, Gespräche über die Rückführung der Benin-Bronzen zu führen, wenn das gefordert werde. «Das sind wir auch», sagt Schäfer. «Wir suchen die Kooperation mit Museen in Afrika.»

Der Sammlungsleiter weist darauf hin, dass das St. Galler Völkerkundemuseum bereits im November 2017 auf eigene Initiative zwei Silberpokale an die Erben einer jüdischen Kunstsammlerin übergab. Bei dieser Rückgabe stützte sich das Museum auf die Washingtoner Richtlinien für NS-Raubkunst aus dem Jahr 1998.

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