Tiere
Wegen Ratten auf dem Kornhausplatz und Futterdepots für Tauben: Die Stadtpolizei St.Gallen führt ihre Kampagne weiter

Wer Tauben füttert, schadet nicht nur den Tieren, sondern zieht auch Schädlinge an. Die Stadtpolizei St.Gallen klärt daher die Bevölkerung über die Folgen auf. Nun verstärkt sie das Engagement nochmals.

Dinah Hauser
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Die Stadtpolizei St.Gallen setzt auf Hinweisschilder. Trotzdem füttern immer noch zu viele Personen Tauben.

Die Stadtpolizei St.Gallen setzt auf Hinweisschilder. Trotzdem füttern immer noch zu viele Personen Tauben.

Bild: Faida Kazi

St.Gallen hat ein Taubenproblem. Oder besser gesagt: Die Menschen sind das Problem, die die Vögel teils exzessiv füttern. Zwar ist die Taubenfütterung in St.Gallen gesetzlich nicht untersagt, wie es in anderen Städten der Fall ist. Eine Busse droht also nicht. Doch das Füttern schadet der ganzen Population und zieht andere Tiere an.

Genau das passierte im Sommer: Des Nachts spazierten Ratten über den Kornhausplatz. Es mussten Köderboxen eingesetzt werden, die die Ratten vergiften, sagt Peter Baumann. Er ist bei der Stadtpolizei St.Gallen Leiter des Ressorts öffentlicher Raum und Tierschutz. Zwar sei es seit Start der Kampagne im Frühjahr minim besser geworden, doch würden immer noch zu viele Leute Tauben füttern. Deswegen wird die Kampagne nun intensiviert. Baumann will noch mehr Plakatständer an den Hotspots aufrichten lassen. Derzeit sind ein bis zwei Ständer im Einsatz, denn der Rest wird für Coronainformationen und andere Kampagnen verwendet.

Warum das Füttern schädlich ist

Wird Tauben Fressen zugeworfen, beginnen sie zu brüten. In der kalten Jahreszeit ist aber die Futtersuche schwierig. Die Jungtiere haben kaum Überlebenschancen. Überleben sie doch, führt das zu einer Überpopulation. Das heisst: zu viele Tauben auf zu wenig Platz. 

Durch das Füttern im Winter fällt zudem die natürliche Auslese weg. Kranke und schwache Vögel überleben, was die ganze Population schwächt. Zudem kann das Futter weitere Tiere wie Ratten anlocken. Zudem ist Brot als Futtermittel für Vögel eigentlich nicht geeignet. Es füllt zwar den Magen der Tiere, aber es enthält nur wenige Nährstoffe. (red)

Diese befinden sich etwa in der Innenstadt. «Dort entdecken wir immer wieder Futterdepots in Form von grösseren Brothaufen.» Im St.-Leonhard-Pärkli seien zudem mehrmals Personen beobachtet worden, die ganze Packungen von Toastbrot verfütterten.

Peter Baumann, Tierschutzbeauftragter der Stadtpolizei St.Gallen.

Peter Baumann, Tierschutzbeauftragter der Stadtpolizei St.Gallen.

Bild: PD

Auch in einem Wohnquartier bei der Kreuzbleiche hat eine Person von ihrem Balkon aus Tauben gefüttert. Aufgefallen ist es, weil sich immer um die gleiche Tageszeit ein Schwarm mit mehreren Dutzend Tieren dort versammelte. Baumann sagt:

«Personen, die Tauben füttern, haben ein Herz für Tiere, das freut mich. Doch vielen sind die Folgen nicht bewusst.»

Nicht nur Baumann geht auf fütternde Personen zu. Auch Quartierpolizisten und Patrouillen halten die Augen offen. «So konnten wir bereits einige Personen ausfindig machen und klärende Gespräche führen.» Manchmal fühlen sich die Personen alleine, wissen sonst nicht, was tun; das Füttern beruhigt sie. «Manchmal stellt sich im Gespräch heraus, dass ein Problem wie eine Sucht oder Geldnot vorhanden ist. Wir können dann Hilfe anbieten und die Personen weiterverweisen.»

Tauben nisten sich in Gebäuden ein

Das Füttern lockt indes die Tauben nicht nur temporär an. Sie können sich auch in der Umgebung oder im Gebäude einnisten. Aktuell ist das etwa im Stadtpark bei den Museen der Fall.

Doch was ist mit den Futtermöglichkeiten für Singvögel? Soll man nun auf diese verzichten? Baumann sagt: «Nein. Denn geeignete Futterstellen können von Tauben nicht angeflogen werden.» Knödel und Vogelhäuschen mit Sitzstange etwa seien unproblematisch im Gegensatz zu Tellern oder grösseren Flächen. Auch sollte darauf geachtet werden, dass nicht zu viel Futter auf den Boden fällt.

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